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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 24. April 2014

Ein Holzgebäude wie kein anderes: der Forstpavillon

Galerie (2 Bilder)

Es ist das erste Gebäude überhaupt, dessen Schalentragwerk aus Holzplatten ausschließlich von Robotern gefertigt wurden: der Forstpavillon im Himmelsgarten der Landesgartenschau. Am Mittwoch wurde er eingeweiht.

SCHWÄBISCH GMÜND (rw). Die Universität Stuttgart, an welcher der Pavillon im Rahmen eines Verbundprojekts entwickelt wurde, spricht von einem „nierenförmig geschwungenen Gebäude“. Gmünds OB schwärmt von den bionischen Konstruktionsprinzipien, die dem Seeigel abgeschaut seien, der wiederum im Werk Picassos eine große Rolle spiele, was man in der Picasso-​Ausstellung mit den Leihgaben aus dem Antiber Picasso-​Museum ganz klar feststellen könne. Aber an nichts erinnert das aus zwei ineinander übergehende Sphären gebildete Bauwerk mehr als eine halb der Länge nach eingegrabene, überdimensionale Erdnuss – hier steht, 20 Meter lang, rund fünf Meter hoch, der Peanut-​Pavillon.
Aber von wegen „peanuts“. Ein staunenswertes Gebäude ist er in jedem Fall, ein Schaustück, das einer Expo würdig ist. Fähig, Begeisterung für die enormen konstruktiven Möglichkeiten des Werkstoffs Holz zu wecken, gleichzeitig ein Musterbeispiel des Verbunds computerbasierter, ingenieurmäßiger Entwurfsverfahren und traditioneller Zimmermannskunst. Kurz – ein Wirklichkeit gewordener Traum. Und ein Wegweiser in eine sich durch den Klimawandel verändernde Welt, der sich die Menschen anpassen müssen. Eine schlichte Halbkugel zu bauen, wäre einfacher gewesen, sagt Zimmermann Benjamin Eisele. Aber dann hätte es nicht der positiven und negativen Gaußschen Kurvaturen bedurft, dann hätte nicht jede der 243 Holzplatten individuell angefertigt und mit ebenso individuellen Zinken versehen werden müssen.
Auf die außergewöhnliche Dimension an konstruktiver Leistungsfähigkeit, Ressourcenschonung und architektonischer Qualität gingen die Professoren Achim Menges, Jan Knippers und Volker Schwieger (Universität Stuttgart) ein. Die Innenhaut des stützenfreien Bauwerks ist zugleich die tragende Konstruktion, sie ist so ausgelegt, dass sie auch schwere Schneelasten aushält. Die Verzahnung ist kein dekoratives Element, sondern verhindert das Verrutschen der Platten aus 50 Millimeter starkem Buchensperrholz. In der Fertigung wurde die Toleranz von einem halben Millimeter vorgegeben, ebenso präzise sind die Schraubenlöcher gesetzt.
Karl-​Heinz Lieber, bis 2007 Förster in Gschwend, jetzt Referatsleiter im Ministerium für Ländlichen Raum, stellte den Forstpavillon in den Zusammenhang des Klimawandels. Mit ihm stelle sich auch die Frage der Rohstoffe, „die Buche gewinnt an Fläche.“ Sie löst den bisherigen im Bau verwendeten „Brotbaum“ der Forstwirtschaft, die Fichte, ab: „Die Buche als Mutter des Waldes wird eine immer größere Rolle in unseren Wäldern einnehmen.“ Im Pavillon könne der Landesbetrieb Forst BW den erwarteten „eine Million Besucher der Gartenschau“ zeigen, was in der Natur und im Wald geschehe und wie auf Veränderungen reagiert werde.
OB Richard Arnold erinnerte wie Landrat Klaus Pavel daran, dass der Ostalbkreis die höchste Dichte holzverarbeitender Betriebe in Europa aufweise und eine der waldreichsten Regionen Baden-​Württembergs sei. Holz sei bedeutsam für die Wertschöpfung und der einzige nachhaltige Rohstoff der Ostalb. Pavel: „Mit Holz kann man alles machen.“
„Der Traum ist Wirklichkeit geworden, dass Architekten nur mit Holz planen“, sagte Reinhold Müller, der Geschäftsführer des ausführenden Betriebs müllerblaustein. Aber es brauchte die Menschen, die das Bauwerk montierten, „es braucht sehr gute Zimmerleute.“ Für sie war es eine Herausforderung, den Pavillon mit den üblichen Hilfsmitteln zu errichten. Sie zogen Spanten auf wie im Bootsbau, so Benjamin Eisele – und am Schluss genügte der 300-​Gramm-​Zimmermannshammer, um die 40 Kilo schweren Platten zusammenzufügen. „Dieses Projekt bringt den Holzbau voran, so einen Pavillon baut man nicht alle Tage.“ Ganz traditionell aber war zum Schluss der Zimmermannssegen.
 

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» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 24. April 2014

Ein Holzgebäude wie kein anderes: der Forstpavillon

Galerie (2 Bilder)

Es ist das erste Gebäude überhaupt, dessen Schalentragwerk aus Holzplatten ausschließlich von Robotern gefertigt wurden: der Forstpavillon im Himmelsgarten der Landesgartenschau. Am Mittwoch wurde er eingeweiht.

SCHWÄBISCH GMÜND (rw). Die Universität Stuttgart, an welcher der Pavillon im Rahmen eines Verbundprojekts entwickelt wurde, spricht von einem „nierenförmig geschwungenen Gebäude“. Gmünds OB schwärmt von den bionischen Konstruktionsprinzipien, die dem Seeigel abgeschaut seien, der wiederum im Werk Picassos eine große Rolle spiele, was man in der Picasso-​Ausstellung mit den Leihgaben aus dem Antiber Picasso-​Museum ganz klar feststellen könne. Aber an nichts erinnert das aus zwei ineinander übergehende Sphären gebildete Bauwerk mehr als eine halb der Länge nach eingegrabene, überdimensionale Erdnuss – hier steht, 20 Meter lang, rund fünf Meter hoch, der Peanut-​Pavillon.
Aber von wegen „peanuts“. Ein staunenswertes Gebäude ist er in jedem Fall, ein Schaustück, das einer Expo würdig ist. Fähig, Begeisterung für die enormen konstruktiven Möglichkeiten des Werkstoffs Holz zu wecken, gleichzeitig ein Musterbeispiel des Verbunds computerbasierter, ingenieurmäßiger Entwurfsverfahren und traditioneller Zimmermannskunst. Kurz – ein Wirklichkeit gewordener Traum. Und ein Wegweiser in eine sich durch den Klimawandel verändernde Welt, der sich die Menschen anpassen müssen. Eine schlichte Halbkugel zu bauen, wäre einfacher gewesen, sagt Zimmermann Benjamin Eisele. Aber dann hätte es nicht der positiven und negativen Gaußschen Kurvaturen bedurft, dann hätte nicht jede der 243 Holzplatten individuell angefertigt und mit ebenso individuellen Zinken versehen werden müssen.
Auf die außergewöhnliche Dimension an konstruktiver Leistungsfähigkeit, Ressourcenschonung und architektonischer Qualität gingen die Professoren Achim Menges, Jan Knippers und Volker Schwieger (Universität Stuttgart) ein. Die Innenhaut des stützenfreien Bauwerks ist zugleich die tragende Konstruktion, sie ist so ausgelegt, dass sie auch schwere Schneelasten aushält. Die Verzahnung ist kein dekoratives Element, sondern verhindert das Verrutschen der Platten aus 50 Millimeter starkem Buchensperrholz. In der Fertigung wurde die Toleranz von einem halben Millimeter vorgegeben, ebenso präzise sind die Schraubenlöcher gesetzt.
Karl-​Heinz Lieber, bis 2007 Förster in Gschwend, jetzt Referatsleiter im Ministerium für Ländlichen Raum, stellte den Forstpavillon in den Zusammenhang des Klimawandels. Mit ihm stelle sich auch die Frage der Rohstoffe, „die Buche gewinnt an Fläche.“ Sie löst den bisherigen im Bau verwendeten „Brotbaum“ der Forstwirtschaft, die Fichte, ab: „Die Buche als Mutter des Waldes wird eine immer größere Rolle in unseren Wäldern einnehmen.“ Im Pavillon könne der Landesbetrieb Forst BW den erwarteten „eine Million Besucher der Gartenschau“ zeigen, was in der Natur und im Wald geschehe und wie auf Veränderungen reagiert werde.
OB Richard Arnold erinnerte wie Landrat Klaus Pavel daran, dass der Ostalbkreis die höchste Dichte holzverarbeitender Betriebe in Europa aufweise und eine der waldreichsten Regionen Baden-​Württembergs sei. Holz sei bedeutsam für die Wertschöpfung und der einzige nachhaltige Rohstoff der Ostalb. Pavel: „Mit Holz kann man alles machen.“
„Der Traum ist Wirklichkeit geworden, dass Architekten nur mit Holz planen“, sagte Reinhold Müller, der Geschäftsführer des ausführenden Betriebs müllerblaustein. Aber es brauchte die Menschen, die das Bauwerk montierten, „es braucht sehr gute Zimmerleute.“ Für sie war es eine Herausforderung, den Pavillon mit den üblichen Hilfsmitteln zu errichten. Sie zogen Spanten auf wie im Bootsbau, so Benjamin Eisele – und am Schluss genügte der 300-​Gramm-​Zimmermannshammer, um die 40 Kilo schweren Platten zusammenzufügen. „Dieses Projekt bringt den Holzbau voran, so einen Pavillon baut man nicht alle Tage.“ Ganz traditionell aber war zum Schluss der Zimmermannssegen.