Samstag, 25. Juni 2016

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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 27. Mai 2014

Jugend diskutiert über erneuerbare Energien

Galerie (1 Bild)

Erneuerbare Energiequellen werden unverzichtbare Bestandteile unseres Lebens sein. Aber wie sollen wir den Weg dorthin gestalten? Diese Frage stellten sich die Teilnehmer der Naturstromwoche im Esperanza

SCHWÄBISCH GMÜND. Sebastian Sladek, Geschäftsführer der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) Vertriebs GmbH und Sohn des Gründerehepaars der Netzkauf EWS eG, hielt einen Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde. Als er über die Gründungsgeschichte der Genossenschaft, die die Energieversorgung im Schwarzwälder Städtchen Schönau übernahm, berichtete, wusste wovon er redet, denn er war als Jugendlicher mitten im Geschehen. Die Bürgerinitiative, die sich nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 zusammenschloss, um die Stromversorgung selber in die Hand zu nehmen, hatte es anfangs nicht einfach. Die sogenannten Stromrebellen mussten sich gegen den örtlichen Netzbetreiber und allerlei Schwierigkeiten durchsetzen; nur wenige glaubten am Anfang daran, dass ein paar Schönauer das Stromnetz betreiben und die Stadt mit Elektrizität beliefern könnten. Doch die EWS hat bewiesen, dass sie durch ehrenamtliches Engagement, eine bundesweite Spendenkampagne und Expertenberatungen ihr Ziel verwirklichen konnte. Der zweite Teil des Vortrags widmete sich der Energiewende, im Speziellen dem neuen Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Die Idee aus Schönau, die Energie in der Region herzustellen, dort zu verwalten und vor Ort zu verbrauchen – von Bürgern für Bürger – , diese Idee werde durch die Art, wie die Energiewende in letzter Zeit umgesetzt wird, durchkreuzt. Offshore-​Windräder in der Hand der großen Konzerne seien genau das Gegenteil davon. Die ursprüngliche Idee des EEG, die zukunftsfähigen erneuerbaren Energien zu fördern, werde umgewandelt: Die großen Konzerne sollen mit viel Aufwand auf erneuerbare Energien umsteigen. Derzeit werde beim einzelnen Bürger oder bei Genossenschaften gekürzt. Dadurch werde die Investition in natürliche Energiequellen mehr kalkulierbar. Während der anschließenden Diskussion wurde verstärkt auf Initiativen in Schwäbisch Gmünd eingegangen. Die BürgerEnergie-​Stauferland eG verfolgt ähnliche Interessen wie die EWS: Erneuerbare Energien in der Region fördern und in Bürgerhand begeben. Gmünd, so ein Fazit, sei Schönau gar nicht so weit hinterher. Außerdem bieten auch die Stadtwerke Schwäbisch Gmünd für Menschen, die erneuerbare Energien unterstützen wollen, Naturstrom an. Das Esperanza bezieht schon seit geraumer Zeit Gmünder Naturstrom und kann die Musik so reinen Gewissens aufdrehen. Am Schluss des Abends bedankte sich Sebastian Sladek für die Einladung und sagte: „Es ist gut, dass sich die Jugend um die Energiewende bemüht. Schließlich geht es um eure Zukunft.“ Der Vortrag vermittelte einen umfassenden Überblick über die aktuelle Lage der Energiewende. Am nächsten Tag wurde dann der Film „Die 4. Revolution — Energy Autonomy“ von Carl-​A. Fechner gezeigt. Der Dokumentarfilm setzt sich mit erneuerbaren Energien als Lösung für lokalpolitische Fragen genauso wie als Lösung für die Politik in Entwicklungsländern auseinander. Interviewt wurde der inzwischen verstorbene Mitbegründer des ersten EEG Hermann Scheer, der genau das konnte: Lokalpolitik machen und dabei Afrika im Auge haben — ganz nach dem Motto „global denken, lokal handeln“. Diese Art über den Tellerrand zu schauen wurde durch den Film verdeutlicht. Während die Industrieländer auf natürliche Energiequellen umstellen sollten, weil Rohstoffkosten für Sonne, Wind und Wasser wegfallen und nur Technik bezahlt werden muss – dazu kommt noch das Wegfallen der Folgeschäden -, kann in Ländern wie Mali durch Kleinkredite armen Menschen einen Zugang zu Strom ermöglicht werden. Dort werden Frauen darin ausgebildet, Solarplatten auf Dächer zu installieren um dadurch z. B. Schulen mit Elektrizität zu versorgen. Dem gegenübergestellt wurden die Aussagen eines Lobbyisten, der auch versucht hatte, den Film zu stoppen. Am Ende der Naturstromwoche stand der Appell, die Energiewende nicht „den Großen“ zu überlassen sondern selbst in die Hand zu nehmen, auf dass die Energie in der Region bleibt. Veranstaltungen wie diese finden im Espe regelmäßig statt: Jeden Mittwoch und Donnerstag Abend ab 20 Uhr ist die KulturKneipeEsperanza geöffnet, denn „Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt“. Dort gibt es Filmvorführungen, Vorträge, Workshops, Grillabende oder einfach gemütliches Beisammensein. Das Feierabendbier mit einem Schuss Kultur.
 

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Erneuerbare Energiequellen werden unverzichtbare Bestandteile unseres Lebens sein. Aber wie sollen wir den Weg dorthin gestalten? Diese Frage stellten sich die Teilnehmer der Naturstromwoche im Esperanza

SCHWÄBISCH GMÜND. Sebastian Sladek, Geschäftsführer der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) Vertriebs GmbH und Sohn des Gründerehepaars der Netzkauf EWS eG, hielt einen Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde. Als er über die Gründungsgeschichte der Genossenschaft, die die Energieversorgung im Schwarzwälder Städtchen Schönau übernahm, berichtete, wusste wovon er redet, denn er war als Jugendlicher mitten im Geschehen. Die Bürgerinitiative, die sich nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 zusammenschloss, um die Stromversorgung selber in die Hand zu nehmen, hatte es anfangs nicht einfach. Die sogenannten Stromrebellen mussten sich gegen den örtlichen Netzbetreiber und allerlei Schwierigkeiten durchsetzen; nur wenige glaubten am Anfang daran, dass ein paar Schönauer das Stromnetz betreiben und die Stadt mit Elektrizität beliefern könnten. Doch die EWS hat bewiesen, dass sie durch ehrenamtliches Engagement, eine bundesweite Spendenkampagne und Expertenberatungen ihr Ziel verwirklichen konnte. Der zweite Teil des Vortrags widmete sich der Energiewende, im Speziellen dem neuen Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Die Idee aus Schönau, die Energie in der Region herzustellen, dort zu verwalten und vor Ort zu verbrauchen – von Bürgern für Bürger – , diese Idee werde durch die Art, wie die Energiewende in letzter Zeit umgesetzt wird, durchkreuzt. Offshore-​Windräder in der Hand der großen Konzerne seien genau das Gegenteil davon. Die ursprüngliche Idee des EEG, die zukunftsfähigen erneuerbaren Energien zu fördern, werde umgewandelt: Die großen Konzerne sollen mit viel Aufwand auf erneuerbare Energien umsteigen. Derzeit werde beim einzelnen Bürger oder bei Genossenschaften gekürzt. Dadurch werde die Investition in natürliche Energiequellen mehr kalkulierbar. Während der anschließenden Diskussion wurde verstärkt auf Initiativen in Schwäbisch Gmünd eingegangen. Die BürgerEnergie-​Stauferland eG verfolgt ähnliche Interessen wie die EWS: Erneuerbare Energien in der Region fördern und in Bürgerhand begeben. Gmünd, so ein Fazit, sei Schönau gar nicht so weit hinterher. Außerdem bieten auch die Stadtwerke Schwäbisch Gmünd für Menschen, die erneuerbare Energien unterstützen wollen, Naturstrom an. Das Esperanza bezieht schon seit geraumer Zeit Gmünder Naturstrom und kann die Musik so reinen Gewissens aufdrehen. Am Schluss des Abends bedankte sich Sebastian Sladek für die Einladung und sagte: „Es ist gut, dass sich die Jugend um die Energiewende bemüht. Schließlich geht es um eure Zukunft.“ Der Vortrag vermittelte einen umfassenden Überblick über die aktuelle Lage der Energiewende. Am nächsten Tag wurde dann der Film „Die 4. Revolution — Energy Autonomy“ von Carl-​A. Fechner gezeigt. Der Dokumentarfilm setzt sich mit erneuerbaren Energien als Lösung für lokalpolitische Fragen genauso wie als Lösung für die Politik in Entwicklungsländern auseinander. Interviewt wurde der inzwischen verstorbene Mitbegründer des ersten EEG Hermann Scheer, der genau das konnte: Lokalpolitik machen und dabei Afrika im Auge haben — ganz nach dem Motto „global denken, lokal handeln“. Diese Art über den Tellerrand zu schauen wurde durch den Film verdeutlicht. Während die Industrieländer auf natürliche Energiequellen umstellen sollten, weil Rohstoffkosten für Sonne, Wind und Wasser wegfallen und nur Technik bezahlt werden muss – dazu kommt noch das Wegfallen der Folgeschäden -, kann in Ländern wie Mali durch Kleinkredite armen Menschen einen Zugang zu Strom ermöglicht werden. Dort werden Frauen darin ausgebildet, Solarplatten auf Dächer zu installieren um dadurch z. B. Schulen mit Elektrizität zu versorgen. Dem gegenübergestellt wurden die Aussagen eines Lobbyisten, der auch versucht hatte, den Film zu stoppen. Am Ende der Naturstromwoche stand der Appell, die Energiewende nicht „den Großen“ zu überlassen sondern selbst in die Hand zu nehmen, auf dass die Energie in der Region bleibt. Veranstaltungen wie diese finden im Espe regelmäßig statt: Jeden Mittwoch und Donnerstag Abend ab 20 Uhr ist die KulturKneipeEsperanza geöffnet, denn „Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt“. Dort gibt es Filmvorführungen, Vorträge, Workshops, Grillabende oder einfach gemütliches Beisammensein. Das Feierabendbier mit einem Schuss Kultur.
 

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