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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 28. Mai 2014

Geheime Zeugen faszinieren

Galerie (3 Bilder)

Er war wie so oft damit beschäftigt seiner Arbeit als Vermessungsingenieur nachzugehen, als Reinhold Knies vor 35 Jahren in Heubach den ersten Marksteinzeugen entdeckte. Fasziniert von seinem Fund fing er an, weitere Steine zu sammeln.

SCHWÄBISCH GMÜND (nb). 2500 hat der Gmünder zwischenzeitlich, davon stammen über 500 aus dem Ostalbkreis. Zu sehen ist eine Auswahl seit gestern im Forum Gold und Silber. Es war eine kleine Besucherschar, die sich zur Ausstellungseröffnung im zweiten Obergeschoss zusammenfand; die Faszination jedoch war sehr groß.
Die Bürger aus Gmünd und Umgebung machten sich auf Spurensuche, indem sie Ausschau hielten nach Grenzsteinen, die aus ihrer Gegend stammen. Der zwischenzeitlich pensionierte Vermessungsingenieur Reinhold Knies verwies darauf, dass es bereits seit Beginn der Menschheit das Bestreben gegeben habe, sein Eigentum zu sichern; schon 3000 v. Chr. habe es Grenzsteine gegeben. Dies sei für die Eigentümer eine Möglichkeit gewesen, fruchtbaren Boden einzugrenzen.
In Deutschland habe es seit dem 15. Jahrhundert Grenzsteine gegeben, so Knies, der bei der Ausstellungseröffnung auf die stets vorhandene Angst der Bürger zu sprechen kam, dass Grenzsteine versetzt werden könnten. Entgegengewirkt wurde einem wahllosen Versetzen durch eine unterirdische Sicherung; „nur bestimmte Bürger durften wissen, wie die Zeugen verlegt wurden“.
Bei der sogenannten Verzeugung wurden anfangs Dachziegel als Marksteinzeugen verwendet; ebenso bestanden diese teils aus Flaschenböden, Asche oder Eierschalen. Alles was unverweslich gewesen sei, so führte Knies aus. Diese meist drei Zeugenbruchstücke wurden auf den Boden der Grube gelegt. „Die Sicherung der Grenzsteine lag in der Geheimhaltung von Art, Form und Gruppierung von Verzeugungsmerkmalen, die nur der Untergänger und das Untergangsgericht kannte“, so Knies.
Einst sei es auch üblich gewesen, einen sogenannten Grenzumgang mit den Bürgern zu machen, um mit ihnen gemeinsam die Grenzen zu besichtigen. Dabei wurden verschiedene merkwürdige Rituale vollzogen, unter anderem das „Haare rupfen“, das „Ohrenziehen“ oder eine Ohrfeige. Daher, so erklärte Knies, sei die Redewendung „hinter die Ohren schreiben“ auch auf diese Grenzumgehung zurückzuführen.
Der Gmünder kam auch auf die drastischen Strafen zu sprechen, die mit dem Versetzen von Grenzsteinen verbunden waren. Neben Geldstrafen, die oft verhängt wurden, gab es auch Leibesstrafen wie die Handabtrennung. Letzteres deshalb, da die Marksteine mit den Händen versetzt wurden. In Österreich wurden die „Sünder“ gefesselt und mit einem hölzernen Messer bis zur Hüfte eingegraben; außerhalb ihrer Reichweite wurde Essen und Trinken aufgestellt. Sie hatten teils Todesqualen zu erleiden bis zu ihrer Selbstbefreiung.
Wie die Ausstellung im Forum Gold und Silber zeigt, wurden im Ostalbkreis überwiegend rechteckige und dreieckige Zeugen verwendet; darauf abgebildet oftmals der Anfangsbuchstabe der Gemeinde. Hergestellt wurden diese meist von örtlichen Hafnern; ab 1933 dann hat der Häfner August Weber aus Delkhofen bei Spaichingen die meisten Zeugen hergestellt. Grund hierfür war auch sein Vertreter, Karl Weckerle, der mit seinem Musterkoffer alle Bürgermeister besuchte. Bis Anfang der 60er-​Jahre wurde in Württemberg der Brauch der Zeugen beibehalten. Ihre Beweiskraft hatten sie in Württemberg bereits 1899 verloren.

Die Ausstellung „Geheime Zeugen“ befindet sich im zweiten Obergeschoss des Forum Gold und Silber und ist bis Mittwoch, 11. Juni, zu sehen.

 

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