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» Ostalb | Mittwoch, 04. Juni 2014

Böbingen: Belisa baut Betreuungsangebot aus

Die Gesellschaft altert und damit steigt die Zahl der demenziell erkrankten Menschen in unserem Lebensumfeld. Der Böbinger Verein „Belisa“ will das Betreuungsangebot für die betroffenen Menschen ausbauen und dabei auch an die pflegenden und oftmals stark belasteten Angehörigen denken.


Von Alfred Pradel
BÖBINGEN. Wie gehe ich damit um, wenn ich meinen Nachbarn, mit dem ich seit vielen Jahrzehnten Tür an Tür zusammen leben, morgens im Garten nicht mehr erkenne, seinen Namen nicht mehr weiß? Diese Frage stellen sich viele Betroffene, aber auch Angehörige, wenn sie bei sich selbst oder beim Ehepartner, Vater oder Mutter feststellen, dass die Vergesslichkeit zunimmt, alte Gewohnheiten zur Belastung werden, sich sogar der Charakter der betroffenen Menschen verändert. „Das ist eine schwierige Frage, verbunden mit einer schwierigen Situation“, berichtet der Böbinger Mediziner Dr. Peter Högerle bei einem Pressetermin im Seniorenzentrum. „Viele Menschen können mit der Diagnose Demenz zunächst nichts anfangen, stehen in einer Schockstarre und wollen auf keinen Fall, dass es öffentlich bekannt wird, zumindest nicht sofort.“ Dabei ist es oftmals besser, das Umfeld dann einzubinden, wenn man sich selbst noch artikulieren kann und bestimmte Dinge selbst kommuniziert, meint Angelika Meyer, Fachkraft für Geronto-​Psychiatrie bei der Ökumenischen Sozialstation Rosenstein. Sie betont aber, dass so wie der Verlauf der Krankheit auch der Umgang mit ihr individuell ist. Sie erlebt mit ihren Kolleginnen aber oft, wie die Krankheit die Betroffenen selbst, aber auch die pflegenden und betreuenden Angehörigen belastet. „Es kommt zu Spannungen, auch Belehrungen, wenn sich Sätze oder Erzählungen immer wieder wiederholen. Manchmal kommt es durch die Erkrankung auch zu häuslicher Gewalt.“ Deshalb ist es den Verantwortlichen von „Belisa“, allen voran Dr. Högerle und der Leiterin der Geschäftsstelle des Vereines, Christine Bart wichtig, dass die Menschen in Böbingen wissen, dass es „Belisa“ gibt und dass es Betreuerinnen und Betreuer gibt, die helfen.
„Wichtig ist die Vernetzung der Angebote in der Gemeinde“
Dr. Peter Högerle
Seit 7. Mai ist im Seniorenzentrum in Böbingen das Café Belissima geöffnet. In diesem sogenannten niederschwelligen Angebot werden jeden Mittwoch von 14.30 bis 17.30 Uhr demenziell erkrankte Menschen betreut, als gemeinsames Treffen und zur Entlastung der betreuenden Angehörigen. „Uns wird oftmals gesagt, dass die drei Stunden den Angehörigen gut tun, und wenn sie sich nur ausruhen und nichts tun, einmal zu sich selbst kommen können“, so Angelika Meyer, die derzeit fünf Gäste im Franz-​Kreuser-​Saal begrüßt. „Wir spielen, gehen bei gutem Wetter spazieren, wir machen leichte Bastelarbeiten und was allen unseren Gästen sehr wichtig ist, wir singen miteinander.“ Oftmals holen die Lieder Erinnerungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart zurück, über das Singen verstehen sich die Menschen.
Dr. Peter Högerle stellte im gestrigen Gespräch das „Versorgungsnetz Demenz in Böbingen“ vor. Wichtig ist allen Handelnden, dass die Betroffenen und ihre Angehörige Hilfe in allen Lebenslagen erhalten. Von der Seite der Mediziner nach der Diagnose, von der Beratungsstelle, über das Café Belissima sowie über besondere Angebote wie eine Kunsttherapie, die Isabelle Seidemann anbieten wird. Die Kunsthistorikerin und Kunsttherapeutin, die in einer Berliner Demenzeinrichtung tätig war, beschreibt die Arbeit mit Demenzerkrankten als ein Eingehen auf den Patienten und ein Stabilisieren der Persönlichkeit. „Die künstlerische Arbeit, egal ob zeichnen, malen, plastizieren oder das Erstellen von Collagen, sie beruhigt die Patienten in allen Phasen der Krankheit. In der letzten Phase ist das Malen oftmals die letzte Form einer wenn auch non-​verbalen Kommunikation.“ Isabelle Seidemann möchte das therapeutische Angebot sehr gerne auch den Angehörigen anbieten.
Dr. Högerle sieht in diesem umfassenden Angebot im Netzwerk einen großen Fortschritt auch für die Philosophie von Belisa „zu Hause leben — betreut wohnen“. So können intelligente Fußböden erkennen, wenn ein Patient gestürzt ist, der Türen öffnet und Licht an und aus schaltet. Aber auch Wassermelder, Rauchmelder, Bewegungsmelder und Hausnotrufe, Schlüsselfinder oder elektronische Medikamentenspender sind wichtige Bestandteile der Hilfe, die angeboten werden kann.
Wichtig ist den Verantwortlichen auch, darauf hinzuweisen, dass die Kosten über den §45 des Sozialgesetzbuchs XI gelten gemacht werden können, bei einer Abtretung gegenüber der Krankenkasse rechnet „Belisa“ direkt ab. Christine Becke, die mit Angelika Meyer das Betreuungsteam in Böbingen bildet, freut sich, dass sich das Angebot herumspricht und die Gäste jeden Mittwoch sehr zufrieden nach Hause gehen. „Es dürfen sehr gerne noch fünf weitere Gäste zu uns kommen“, ergänzt Angelika Meyer, die hofft, dass niemand aus falscher Scham zu Hause bleibt, das würde nämlich niemand nützen, dem Betroffenen nicht und erst recht nicht den Angehörigen, die sich einmal in der Wochen drei freie Stunden gönnen könnten. Es ist schön zu erleben, wie sich aktive Menschen in Böbingen organisieren und dafür sorgen, dass einer Erkrankung, für die es keine Heilung gibt, der Schrecken genommen wird, dass man Hand in Hand durch schwere, aber auch fröhliche, lachende oder lächelnde Zeiten gehen kann, miteinander.

Infos bei Christine Barth, Geschäftsstelle Belisa, Scheuelbergstraße1, Telefon 0 71 73/​7 10 28 02 oder Mail: belisa@​elisabethenverein-​boebingen.​de oder Angelika Meyer von der Ökumenischen Sozialstation Rosenstein, Karlsbader Straße 4, Heubach, Telefon 0 71 73/​9 10 00

 

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