Sonntag, 26. Juni 2016

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Lokalnachrichten

» Kultur | Mittwoch, 14. Januar 2015

Neujahrskonzert in Lorch: Tierisches und Menschliches

Galerie (1 Bild)

Vier Zugaben, zwei Stunden beste Unterhaltung, die Herren Musiker in Frack und Lackschuhen, die Damen in Chiffon und mit Pailletten besetzt – ein exzellenter Startschuss in das Jahr 2015 im Bürgersaal in Lorch.

 
KONZERT (brd). Die Musiker der Salon-​Kommode Stuttgarter hielten zusammen mit Sänger, Conférencier und Rezitator Klaus-​Dieter Mayer bei ihrem siebten Auftritt in diesem Rahmen manche Überraschung bereit. „À la surprise“ wurde zu einer kleinen Hommage an den unvergessenen Peter Kreuder, dem „King of evergreen“ mit dessen Melodien wie „Auf dem Dach der Welt oder „Sag beim Abschied leise Servus“. Auch Theo Mackeben lebte wieder auf mit „Bel ami“ und „Frauen sind keine Engel“.
Nach der Pause wurde es mit den Beiträgen richtig „tierisch“: Huhn und Pfau, Glühwürmchen und Gorilla wurden besungen, aber auch Leo Falls freches Couplet „Meyer sieht mich freundlich an“ bekam großen Applaus. Das eigentlich Überraschende und Vergnügliche an solch bekannten Melodien ist die jeweilige Interpretation. Und da waren Klaus-​Dieter Mayer und seine Musiker einfach Spitze und sorgten mit ihrem präzisen, disziplinierten Spiel für Hörgenuss. Das Virtuose und Sentimentale der sogenannten Salonmusik ist ja von den jeweiligen Komponisten bereits schon hineinkomponiert. Es war eine Wohltat, dass da nicht noch zusätzlich gedehnt und forciert wurde.
Christina Stanciu, Obligatgeige, Johannes Anefeld, 3. Geige, Joachim Hess, Violoncello und der Lorcher Reinald Schwarz am Kontrabass ließen die alten Ohrwürmer wieder aufleben und Margaret Singer als „Grande Dame“ am Flügel war ein extra Genuss. Eine zusätzliche Rolle kam auch dem „Stehgeiger“ Tilo Nast zu, wenn er sich immer wieder auf die kleinen, pantomimischen und charmanten „Hahnenkämpfe“ mit Klaus-​Dieter Mayer einließ.
Multitalent Mayer brillierte nicht nur als Sänger und Conférencier, er hatte auch noch einen ganzen Packen satirische Literatur dabei. „Der männliche Briefmark“ und „Das ganz kleine Reh“ von Joachim Ringelnatz passten genauso ins Programm wie „Die Entwicklung der Menschheit“ von Erich Kästner oder das einen Witz erzählende Ehepaar von Kurt Tucholsky. Selbst wenn man alle Text kannte, war es ein Vergnügen, einfach nur seinem Mienenspiel zu folgen. Auch wenn er mal nicht dran war, weil seine Musiker gerade einen feurigen Csárdás spielten, war er voll dabei, von den Stirnfalten über die Augenwinkel bis zu den Spitzen seiner schwarz-​weißen Al Capone-​Schuhe.
„Satire darf alles“, so der in diesen Tagen viel zitierte Satz von Kurt Tucholsky. Am Treppenaufgang zum Saal lagen zwischen Kerzen viele „Je suis Charlie“-Ausdrucke. Niemand hatte die dramatische Gegenwart ausklammern wollen. Bei aller Leichtigkeit dieses Festes für Augen und Ohren – und hinterher für den Gaumen — hatten gerade die ausgewählten Texte auch immer wieder Anlass zum Nachdenken gegeben.
 

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Vier Zugaben, zwei Stunden beste Unterhaltung, die Herren Musiker in Frack und Lackschuhen, die Damen in Chiffon und mit Pailletten besetzt – ein exzellenter Startschuss in das Jahr 2015 im Bürgersaal in Lorch.

 
KONZERT (brd). Die Musiker der Salon-​Kommode Stuttgarter hielten zusammen mit Sänger, Conférencier und Rezitator Klaus-​Dieter Mayer bei ihrem siebten Auftritt in diesem Rahmen manche Überraschung bereit. „À la surprise“ wurde zu einer kleinen Hommage an den unvergessenen Peter Kreuder, dem „King of evergreen“ mit dessen Melodien wie „Auf dem Dach der Welt oder „Sag beim Abschied leise Servus“. Auch Theo Mackeben lebte wieder auf mit „Bel ami“ und „Frauen sind keine Engel“.
Nach der Pause wurde es mit den Beiträgen richtig „tierisch“: Huhn und Pfau, Glühwürmchen und Gorilla wurden besungen, aber auch Leo Falls freches Couplet „Meyer sieht mich freundlich an“ bekam großen Applaus. Das eigentlich Überraschende und Vergnügliche an solch bekannten Melodien ist die jeweilige Interpretation. Und da waren Klaus-​Dieter Mayer und seine Musiker einfach Spitze und sorgten mit ihrem präzisen, disziplinierten Spiel für Hörgenuss. Das Virtuose und Sentimentale der sogenannten Salonmusik ist ja von den jeweiligen Komponisten bereits schon hineinkomponiert. Es war eine Wohltat, dass da nicht noch zusätzlich gedehnt und forciert wurde.
Christina Stanciu, Obligatgeige, Johannes Anefeld, 3. Geige, Joachim Hess, Violoncello und der Lorcher Reinald Schwarz am Kontrabass ließen die alten Ohrwürmer wieder aufleben und Margaret Singer als „Grande Dame“ am Flügel war ein extra Genuss. Eine zusätzliche Rolle kam auch dem „Stehgeiger“ Tilo Nast zu, wenn er sich immer wieder auf die kleinen, pantomimischen und charmanten „Hahnenkämpfe“ mit Klaus-​Dieter Mayer einließ.
Multitalent Mayer brillierte nicht nur als Sänger und Conférencier, er hatte auch noch einen ganzen Packen satirische Literatur dabei. „Der männliche Briefmark“ und „Das ganz kleine Reh“ von Joachim Ringelnatz passten genauso ins Programm wie „Die Entwicklung der Menschheit“ von Erich Kästner oder das einen Witz erzählende Ehepaar von Kurt Tucholsky. Selbst wenn man alle Text kannte, war es ein Vergnügen, einfach nur seinem Mienenspiel zu folgen. Auch wenn er mal nicht dran war, weil seine Musiker gerade einen feurigen Csárdás spielten, war er voll dabei, von den Stirnfalten über die Augenwinkel bis zu den Spitzen seiner schwarz-​weißen Al Capone-​Schuhe.
„Satire darf alles“, so der in diesen Tagen viel zitierte Satz von Kurt Tucholsky. Am Treppenaufgang zum Saal lagen zwischen Kerzen viele „Je suis Charlie“-Ausdrucke. Niemand hatte die dramatische Gegenwart ausklammern wollen. Bei aller Leichtigkeit dieses Festes für Augen und Ohren – und hinterher für den Gaumen — hatten gerade die ausgewählten Texte auch immer wieder Anlass zum Nachdenken gegeben.
 

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