Donnerstag, 30. Juni 2016
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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 04. Februar 2015

Salvatorkapellen sind ab Donnerstag wieder zugänglich /​Fachwelt feiert eine für Gmünd entwickelte Rezeptur für dauerfeuchtes Gestein

Galerie (6 Bilder)

Dauerfeuchtes Gestein, in alten Grabkammern etwa, konnte bislang nicht konserviert werden. In jahrelanger Arbeit auf dem Salvator wurde nun eine „Gmünder Rezeptur“ entwickelt, die Vogts Felsenkapellen vor dem Verfall rettet, die aber auch für andere Denkmäler wichtig sein könnte.


SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Die Felsenkirche St. Salvator wurde in den Jahren nach 1617 über der Stadt aufgebaut, sehr aufwändig, sehr kunstvoll, Meisterstück Caspar Vogts. Und dann begann er zu nagen, der Zahn der Zeit. Vor allem die extreme Feuchtigkeit, aber auch die gelösten Salze und mikrobieller Befall setzten dem Sandstein zu. Bis zu einem Punkt, an dem der Salvator existenziell bedroht war. Der Hausherr, Münsterpfarrer Robert Kloker, freute sich am Mittwoch, „dass es gelungen ist, dieses wichtige Werk zu restaurieren“. 338 000 Euro hat das gekostet. Gefördert wurde das Projekt von der DBU, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die 125 000 Euro beisteuerte, der Denkmalpflege mit 70 000 Euro, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit 60 000 Euro und von der Kirchengemeinde Heilig Kreuz,83 000 Euro.
Münsterarchitekt Paul Philipp Waldenmaier erklärte, die Konservierungsarbeit selbst habe nur zwei Monate gedauert: „Vor allem war es ein Forschungsprojekt, und das dauerte Jahre.“ Keinerlei Erfahrungswerte habe es zu Beginn gegeben, keine Möglichkeit, ein Projekt wie das am Salvator durchzuführen.
Dr. Jürgen Frick von der Materialprüfungsanstalt MPA der Uni Stuttgart bestätigte: „Gesucht wurde, was es noch nicht gab.“ Eben deshalb gab es ja so viele Fördermittel: Die Salvator-​Konservierung war ein einziges großes Forschungsprojekt zur Restaurierung dauerfeuchter Natursteinobjekte. Es hätte durchaus sein können, so Frick, dass das Ganze zu keinem Ergebnis geführt hätte.
Wichtig für die Musterkonservierung war es, den Feuchtigkeitszustand im Stein über Probebohrungen im Hang zu ermitteln. Ergebnis: Im Winter und Frühjahr war es definitiv zu nass; nur der Herbst kam für die eigentlichen Arbeiten in Frage. Aufgrund anhaltender Regenfälle im Frühjahr 2013, die monatelang nachwirkten und eine Austrocknung verhinderten, musste dann ein ganzes Jahr bis zum Herbst 2014 geschoben werden.
Der Wissgoldinger Restaurator Karl Fiedler erzählte von der Bestandsaufnahme – „die Ölbergdarstellung war mal farbig, das hat nur nicht lange gehalten“ –, von der Reinigung der verkrusteten Oberfläche mit Laser, also berührungsfrei und sehr schonend. Mit Probestücken aus am Beichtstuhl entnommenen Bohrkernen wurde an einem Verfestigungsmittel gearbeitet. Unermüdlich, hartnäckig, bis sich mit Hilfe von Ultraschall eine zentimetertief reichende messbare Verfestigung nachweisen ließ. Als im Herbst die Porenräume im Stein maximal zur Hälfte mit Wasser gefüllt waren – die Gmünder Rezeptur setzt bei einem Sättigungsgrad von 30 bis 50 Prozent an –, wurde die Wade eines römischen Soldaten behandelt. Wenig später stand zweifelsfrei fest, dass der Durchbruch gelungen war, eine Konservierung und Verfestigung auf Jahre hinaus möglich. Einfach war’s dann noch immer nicht. Aufgrund der Dämpfe war die Explosionsgefahr erheblich; Trennwand, Schutzanzüge und das Absaugen der Luft reichten oft nicht aus, und Karl Fiedler musste das „Baden“ der Figuren im Festiger unterbrechen.
Mit einer Schlämmung genannten Behandlung konnten dann Auswitterungsbereiche aufgefüllt und Oberflächen geglättet werden, ohne dass eine zusätzliche Schicht aufgetragen wurde. Viele Fragen wurden gestern beantwortet – etwa zu künftigen Konservierungen oder einem Klimakonzept, das für Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit eine Balance findet, die einerseits Schimmelbildung an den Holzkunstwerken und anderseits die Kristallisation von Salzen verhindert.
Jahrelang hat der Salvator-​Freundeskreis die Anlagen am Salvator gerichtet; nun freuen sich die rund tausend Unterstützer – vertreten durch Werner K.Mayer und Hans-​Georg Walter – dass endlich das Herzstück in Angriff genommen wurde; Mayer sprach auch von der Bedeutung des Gnadenbilds, des Verklärungsaltars und des Halbreliefs mit Gottvater als Salvator, die nicht vergessen werden dürften. Immer wieder wurde gestern deutlich, was den Ehrenamtlichen des Salvator-​Freundeskreises zu verdanken ist.
Bürgermeister Julius Mihm zeigte sich sehr angetan von dieser „Innovation“ am Salvator. Jetzt könne man sich mit Sinn und Bedeutung des Salvators auch im europäischen Vergleich beschäftigen, mit seiner Kunst und seiner Architektur: „Jetzt kann der Salvator wirklich erschlossen und sichtbar gemacht werden.“
 

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Salvatorkapellen sind ab Donnerstag wieder zugänglich /​Fachwelt feiert eine für Gmünd entwickelte Rezeptur für dauerfeuchtes Gestein

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Dauerfeuchtes Gestein, in alten Grabkammern etwa, konnte bislang nicht konserviert werden. In jahrelanger Arbeit auf dem Salvator wurde nun eine „Gmünder Rezeptur“ entwickelt, die Vogts Felsenkapellen vor dem Verfall rettet, die aber auch für andere Denkmäler wichtig sein könnte.


SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Die Felsenkirche St. Salvator wurde in den Jahren nach 1617 über der Stadt aufgebaut, sehr aufwändig, sehr kunstvoll, Meisterstück Caspar Vogts. Und dann begann er zu nagen, der Zahn der Zeit. Vor allem die extreme Feuchtigkeit, aber auch die gelösten Salze und mikrobieller Befall setzten dem Sandstein zu. Bis zu einem Punkt, an dem der Salvator existenziell bedroht war. Der Hausherr, Münsterpfarrer Robert Kloker, freute sich am Mittwoch, „dass es gelungen ist, dieses wichtige Werk zu restaurieren“. 338 000 Euro hat das gekostet. Gefördert wurde das Projekt von der DBU, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die 125 000 Euro beisteuerte, der Denkmalpflege mit 70 000 Euro, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit 60 000 Euro und von der Kirchengemeinde Heilig Kreuz,83 000 Euro.
Münsterarchitekt Paul Philipp Waldenmaier erklärte, die Konservierungsarbeit selbst habe nur zwei Monate gedauert: „Vor allem war es ein Forschungsprojekt, und das dauerte Jahre.“ Keinerlei Erfahrungswerte habe es zu Beginn gegeben, keine Möglichkeit, ein Projekt wie das am Salvator durchzuführen.
Dr. Jürgen Frick von der Materialprüfungsanstalt MPA der Uni Stuttgart bestätigte: „Gesucht wurde, was es noch nicht gab.“ Eben deshalb gab es ja so viele Fördermittel: Die Salvator-​Konservierung war ein einziges großes Forschungsprojekt zur Restaurierung dauerfeuchter Natursteinobjekte. Es hätte durchaus sein können, so Frick, dass das Ganze zu keinem Ergebnis geführt hätte.
Wichtig für die Musterkonservierung war es, den Feuchtigkeitszustand im Stein über Probebohrungen im Hang zu ermitteln. Ergebnis: Im Winter und Frühjahr war es definitiv zu nass; nur der Herbst kam für die eigentlichen Arbeiten in Frage. Aufgrund anhaltender Regenfälle im Frühjahr 2013, die monatelang nachwirkten und eine Austrocknung verhinderten, musste dann ein ganzes Jahr bis zum Herbst 2014 geschoben werden.
Der Wissgoldinger Restaurator Karl Fiedler erzählte von der Bestandsaufnahme – „die Ölbergdarstellung war mal farbig, das hat nur nicht lange gehalten“ –, von der Reinigung der verkrusteten Oberfläche mit Laser, also berührungsfrei und sehr schonend. Mit Probestücken aus am Beichtstuhl entnommenen Bohrkernen wurde an einem Verfestigungsmittel gearbeitet. Unermüdlich, hartnäckig, bis sich mit Hilfe von Ultraschall eine zentimetertief reichende messbare Verfestigung nachweisen ließ. Als im Herbst die Porenräume im Stein maximal zur Hälfte mit Wasser gefüllt waren – die Gmünder Rezeptur setzt bei einem Sättigungsgrad von 30 bis 50 Prozent an –, wurde die Wade eines römischen Soldaten behandelt. Wenig später stand zweifelsfrei fest, dass der Durchbruch gelungen war, eine Konservierung und Verfestigung auf Jahre hinaus möglich. Einfach war’s dann noch immer nicht. Aufgrund der Dämpfe war die Explosionsgefahr erheblich; Trennwand, Schutzanzüge und das Absaugen der Luft reichten oft nicht aus, und Karl Fiedler musste das „Baden“ der Figuren im Festiger unterbrechen.
Mit einer Schlämmung genannten Behandlung konnten dann Auswitterungsbereiche aufgefüllt und Oberflächen geglättet werden, ohne dass eine zusätzliche Schicht aufgetragen wurde. Viele Fragen wurden gestern beantwortet – etwa zu künftigen Konservierungen oder einem Klimakonzept, das für Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit eine Balance findet, die einerseits Schimmelbildung an den Holzkunstwerken und anderseits die Kristallisation von Salzen verhindert.
Jahrelang hat der Salvator-​Freundeskreis die Anlagen am Salvator gerichtet; nun freuen sich die rund tausend Unterstützer – vertreten durch Werner K.Mayer und Hans-​Georg Walter – dass endlich das Herzstück in Angriff genommen wurde; Mayer sprach auch von der Bedeutung des Gnadenbilds, des Verklärungsaltars und des Halbreliefs mit Gottvater als Salvator, die nicht vergessen werden dürften. Immer wieder wurde gestern deutlich, was den Ehrenamtlichen des Salvator-​Freundeskreises zu verdanken ist.
Bürgermeister Julius Mihm zeigte sich sehr angetan von dieser „Innovation“ am Salvator. Jetzt könne man sich mit Sinn und Bedeutung des Salvators auch im europäischen Vergleich beschäftigen, mit seiner Kunst und seiner Architektur: „Jetzt kann der Salvator wirklich erschlossen und sichtbar gemacht werden.“
 

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