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Lokalnachrichten

» Kultur | Freitag, 06. Februar 2015

Günther Beckstein im Gschwender Bilderhaus

Galerie (1 Bild)

Wie unterscheidet sich die Lektüre der Bibel vom Koran, wo sind in unserem Alltag die Grundlagen der Bibel verankert und mit welchen Folgen bewegt sich die europäische Gesellschaft weg vom Glauben?

GESELLSCHAFT (wil). Günther Beckstein gab am Mittwoch in Gschwend Antwort auf die Sinnfragen des Zusammenlebens.
Der ehemalige bayerische Ministerpräsident begann im Bilderhaus mit einem Lob für die Kulturarbeit der kleinen Gemeinde Gschwend, um aber gleich hinzuzufügen, dass die ländlichen Strukturen entscheidend für die Geisteshaltung eines Landes seien. So erwartete er aber auch von seinem Publikum mehr Bibelkenntnis als im deutschen Durchschnitt.
Die Bibel ist für Beckstein, geprägt durch den CVJM und in der evangelischen Kirche in führender Funktion tätig, zwar das Wort Gottes, es bedürfe aber der Auslegung und der ständigen Überprüfung, was Zeitgeist ist und wo die überdauernden Wahrheiten herauszufinden seien. Hier sah er den größten Unterschied zum Koran, der von den meisten Moslems als unantastbares Wort Gottes verstanden werde, das nicht zu verändern und nicht zu interpretieren sei. Während das Christentum durch Aufklärung und Humanismus seine Weltanschauung erweitert habe, kenne der Islam noch immer die Unterwerfung, wie sie bei den Gebetsritualen praktiziert werde.
An Beispielen belegte Beckstein die Veränderungen, wie sie zumindest schon in der evangelischen Kirche Einzug gehalten hätten. Das Paulus-​Zitat vom Weib, das in der Gemeinde zu schweigen habe, sei seit 1973 auch in Bayern außer Kraft, seit dort als letztem deutschen Bundesland Frauen zum Pfarrberuf zugelassen wurden. Der Umgang mit Homosexuellen müsse dem Diskriminierungsverbot angepasst werden, das die staatliche Ordnung vorgebe. Schon Luther habe verlangt, dass sich jeder Christ auf die Bibel beziehe und nicht der Auslegung durch Rom folge, daher auch der Bildungsanspruch für das Volk.
Wie aber sieht es heute mit dem Wissen um die Bibel aus? In Wittenberg seien gerade noch 14,9 Prozent der Einwohner Kirchenmitglieder, auch in Hamburg liege die Zahl bei unter 30 Prozent. Die Abführung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge habe etwa eine halbe Million Christen zum Kirchenaustritt veranlasst, so Beckstein.
Für ihn liegt die Gefahr für Europa nicht in der Ausbreitung des Islam, sondern in der Abkehr der Europäer von ihrer angestammten Religion. Eine repräsentative Umfrage unter jungen Bayern habe ergeben, dass der Sinn von Weihnachten immerhin noch 98 Prozent bekannt war, zwei Drittel wussten mit Ostern etwas anzufangen, der Sinn des Pfingstfestes war weitgehend unbekannt und Himmelfahrt ist endgültig zum Vatertag geworden. Fünf Prozent Kirchgänger und der Verkauf nicht mehr benötigter Kirchen seien deutliche Signale.
Einen anderen Stellenwert habe der Glaube in Amerika oder in China, von wo Beckstein mit beeindruckenden Beispielen aufwarten konnte.
Dennoch sei der christliche Grundgedanke in unserer Gesellschaft und in unseren Gesetzen fest verankert. So bildet das 4. Gebot, die Eltern zu ehren, die Grundlage für unser Rentensystem und auch die soziale Marktwirtschaft, die Ludwig Erhard einführte, basiert auf dem christlichen Grundgedanken von der Würde des Menschen als Gottes Ebenbild.
Die jüngste Finanzkrise habe ihm erschreckend gezeigt, wie sehr der Mensch hinter den Geldmassen, die täglich verschoben würden, verschwinde. „Das Kapital muss dem Menschen dienen, nicht der Mensch dem Kapital unterworfen sein“, so sein Credo. Für ihn sei auch als Politiker immer die Bibel Leitlinie seines Handelns gewesen, nachdem jeder Mensch vor Gott gleich sei und die gleiche Würde habe.
 

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» Kultur | Freitag, 06. Februar 2015

Günther Beckstein im Gschwender Bilderhaus

Galerie (1 Bild)

Wie unterscheidet sich die Lektüre der Bibel vom Koran, wo sind in unserem Alltag die Grundlagen der Bibel verankert und mit welchen Folgen bewegt sich die europäische Gesellschaft weg vom Glauben?

GESELLSCHAFT (wil). Günther Beckstein gab am Mittwoch in Gschwend Antwort auf die Sinnfragen des Zusammenlebens.
Der ehemalige bayerische Ministerpräsident begann im Bilderhaus mit einem Lob für die Kulturarbeit der kleinen Gemeinde Gschwend, um aber gleich hinzuzufügen, dass die ländlichen Strukturen entscheidend für die Geisteshaltung eines Landes seien. So erwartete er aber auch von seinem Publikum mehr Bibelkenntnis als im deutschen Durchschnitt.
Die Bibel ist für Beckstein, geprägt durch den CVJM und in der evangelischen Kirche in führender Funktion tätig, zwar das Wort Gottes, es bedürfe aber der Auslegung und der ständigen Überprüfung, was Zeitgeist ist und wo die überdauernden Wahrheiten herauszufinden seien. Hier sah er den größten Unterschied zum Koran, der von den meisten Moslems als unantastbares Wort Gottes verstanden werde, das nicht zu verändern und nicht zu interpretieren sei. Während das Christentum durch Aufklärung und Humanismus seine Weltanschauung erweitert habe, kenne der Islam noch immer die Unterwerfung, wie sie bei den Gebetsritualen praktiziert werde.
An Beispielen belegte Beckstein die Veränderungen, wie sie zumindest schon in der evangelischen Kirche Einzug gehalten hätten. Das Paulus-​Zitat vom Weib, das in der Gemeinde zu schweigen habe, sei seit 1973 auch in Bayern außer Kraft, seit dort als letztem deutschen Bundesland Frauen zum Pfarrberuf zugelassen wurden. Der Umgang mit Homosexuellen müsse dem Diskriminierungsverbot angepasst werden, das die staatliche Ordnung vorgebe. Schon Luther habe verlangt, dass sich jeder Christ auf die Bibel beziehe und nicht der Auslegung durch Rom folge, daher auch der Bildungsanspruch für das Volk.
Wie aber sieht es heute mit dem Wissen um die Bibel aus? In Wittenberg seien gerade noch 14,9 Prozent der Einwohner Kirchenmitglieder, auch in Hamburg liege die Zahl bei unter 30 Prozent. Die Abführung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge habe etwa eine halbe Million Christen zum Kirchenaustritt veranlasst, so Beckstein.
Für ihn liegt die Gefahr für Europa nicht in der Ausbreitung des Islam, sondern in der Abkehr der Europäer von ihrer angestammten Religion. Eine repräsentative Umfrage unter jungen Bayern habe ergeben, dass der Sinn von Weihnachten immerhin noch 98 Prozent bekannt war, zwei Drittel wussten mit Ostern etwas anzufangen, der Sinn des Pfingstfestes war weitgehend unbekannt und Himmelfahrt ist endgültig zum Vatertag geworden. Fünf Prozent Kirchgänger und der Verkauf nicht mehr benötigter Kirchen seien deutliche Signale.
Einen anderen Stellenwert habe der Glaube in Amerika oder in China, von wo Beckstein mit beeindruckenden Beispielen aufwarten konnte.
Dennoch sei der christliche Grundgedanke in unserer Gesellschaft und in unseren Gesetzen fest verankert. So bildet das 4. Gebot, die Eltern zu ehren, die Grundlage für unser Rentensystem und auch die soziale Marktwirtschaft, die Ludwig Erhard einführte, basiert auf dem christlichen Grundgedanken von der Würde des Menschen als Gottes Ebenbild.
Die jüngste Finanzkrise habe ihm erschreckend gezeigt, wie sehr der Mensch hinter den Geldmassen, die täglich verschoben würden, verschwinde. „Das Kapital muss dem Menschen dienen, nicht der Mensch dem Kapital unterworfen sein“, so sein Credo. Für ihn sei auch als Politiker immer die Bibel Leitlinie seines Handelns gewesen, nachdem jeder Mensch vor Gott gleich sei und die gleiche Würde habe.