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Lokalnachrichten

» Ostalbkreis | Freitag, 20. März 2015

Willi Stein verstorben

Galerie (1 Bild)

In seinem langen Berufsleben machte sich Willi Stein als Vertriebsdirektor von Leicht einen Namen, danach erwarb er noch Bekanntheit als Maler von impressionistischen, in stimmiger Farbigkeit komponierten Landschafts-​Gemälden.

WALDSTETTEN (rw). Am 6. März ist Willi Stein im Alter von 93 Jahren verstorben, seine Familie nahm in aller Stille von ihm Abschied. 2010 hatte er eine Ausstellung im Rathaus von Waldstetten, es sei seine letzte, sagte er damals. Die meisten der gezeigten Bilder entstanden im Zeitraum von fünf Jahren davor, aber man hatte nicht den Eindruck, vor dem Spätwerk des Künstlers zu stehen. Willi Stein, der am 29. April 1921 geborene Sohn eines Schriftsetzers aus Kirchheim/​Teck, wollte ursprünglich einmal Maler werden. Es kam anders, er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und wurde 1942 in die Wehrmacht eingezogen. Nach 1945 machte er noch eine Ausbildung zum Schreiner. 1947 trat er in die Dienste der Firma Leicht, damals noch ein kleiner Schreinereibetrieb. Er war dort der erste, der keinen „blauen Anton“ trug.
Bei Leicht entwickelte Willi Stein schnell seine Begabung für die Vertriebs– und Unternehmensstrategie. Er wurde Vertriebsdirektor, er machte die Jahre des Wirtschaftswunders und des bis in die 80-​er Jahre anhaltenden Baubooms des Wiederaufbaus für Leicht zur Quelle eines steilen und stetigen Wachstums. Die Firma Leicht wuchs in seinen vier Jahrzehnten dort vom Handwerksbetrieb zum industriellen Küchenhersteller, der sich zu einem der Spitzenreiter der Branche entwickelte. Eine Leicht-​Chronik feierte ihn gar als den „Küchenmessias“.
Als Markstein galt die Entwicklung eines heute noch im Prinzip gültigen Küchen-​Anbausystems. Nach der Abkehr von der reinen Küchenbüffet-​Produktion hin zur Einbauküche baute Willi Stein die Vertriebs– und Außendienstorganisation bei Leicht auf. Mit seinen profunden Branchenkenntnissen wurde er Vorstandsmitglied, später Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Die Moderne Küche“ und vermittelte dort Impulse, die der ganzen Branche zugute kamen. 1975 wurde Leicht von der Welle Holding übernommen, Willi Stein blieb weiter Vertriebsdirektor bis zu seiner Verabschiedung Ende 1986. Bei einer Ehrung sagte er einmal, dass ihm das Kreativsein ebenso Befriedigung gebracht habe wie die Verantwortung, Menschen einen sicheren Arbeitsplatz und Familien den Ernährer zu garantieren.
1986 erhielt er aus den Händen von Landrat Diethelm Winter das Bundesverdienstkreuz. Schließlich engagierte sich Will Stein über seine Berufstätigkeit hinaus noch im bürgerlichen Leben. Er leitete die Segelfliegergruppe Waldstetten und wurde Förderer der örtlichen Vereine, war von ganzem Herzen Waldstetter. Die Erlöse aus dem Bilderverkauf seiner letzten Ausstellung 2010 gingen wiederum als Spende an den Heimatverein Waldstetten-​Wißgoldingen.
An die Passion seiner Jugend knüpfte Willi Stein im Ruhestand an, nicht ohne sich – wie es seiner umsichtigen Natur entsprach – schon gründlich dafür vorbereitet zu haben. Er absolvierte Kurse, experimentierte mit Holzschnitzerei und wurde ein versierter Maler, dessen Gemälde in vielen Häusern hängen.
 

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In seinem langen Berufsleben machte sich Willi Stein als Vertriebsdirektor von Leicht einen Namen, danach erwarb er noch Bekanntheit als Maler von impressionistischen, in stimmiger Farbigkeit komponierten Landschafts-​Gemälden.

WALDSTETTEN (rw). Am 6. März ist Willi Stein im Alter von 93 Jahren verstorben, seine Familie nahm in aller Stille von ihm Abschied. 2010 hatte er eine Ausstellung im Rathaus von Waldstetten, es sei seine letzte, sagte er damals. Die meisten der gezeigten Bilder entstanden im Zeitraum von fünf Jahren davor, aber man hatte nicht den Eindruck, vor dem Spätwerk des Künstlers zu stehen. Willi Stein, der am 29. April 1921 geborene Sohn eines Schriftsetzers aus Kirchheim/​Teck, wollte ursprünglich einmal Maler werden. Es kam anders, er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und wurde 1942 in die Wehrmacht eingezogen. Nach 1945 machte er noch eine Ausbildung zum Schreiner. 1947 trat er in die Dienste der Firma Leicht, damals noch ein kleiner Schreinereibetrieb. Er war dort der erste, der keinen „blauen Anton“ trug.
Bei Leicht entwickelte Willi Stein schnell seine Begabung für die Vertriebs– und Unternehmensstrategie. Er wurde Vertriebsdirektor, er machte die Jahre des Wirtschaftswunders und des bis in die 80-​er Jahre anhaltenden Baubooms des Wiederaufbaus für Leicht zur Quelle eines steilen und stetigen Wachstums. Die Firma Leicht wuchs in seinen vier Jahrzehnten dort vom Handwerksbetrieb zum industriellen Küchenhersteller, der sich zu einem der Spitzenreiter der Branche entwickelte. Eine Leicht-​Chronik feierte ihn gar als den „Küchenmessias“.
Als Markstein galt die Entwicklung eines heute noch im Prinzip gültigen Küchen-​Anbausystems. Nach der Abkehr von der reinen Küchenbüffet-​Produktion hin zur Einbauküche baute Willi Stein die Vertriebs– und Außendienstorganisation bei Leicht auf. Mit seinen profunden Branchenkenntnissen wurde er Vorstandsmitglied, später Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Die Moderne Küche“ und vermittelte dort Impulse, die der ganzen Branche zugute kamen. 1975 wurde Leicht von der Welle Holding übernommen, Willi Stein blieb weiter Vertriebsdirektor bis zu seiner Verabschiedung Ende 1986. Bei einer Ehrung sagte er einmal, dass ihm das Kreativsein ebenso Befriedigung gebracht habe wie die Verantwortung, Menschen einen sicheren Arbeitsplatz und Familien den Ernährer zu garantieren.
1986 erhielt er aus den Händen von Landrat Diethelm Winter das Bundesverdienstkreuz. Schließlich engagierte sich Will Stein über seine Berufstätigkeit hinaus noch im bürgerlichen Leben. Er leitete die Segelfliegergruppe Waldstetten und wurde Förderer der örtlichen Vereine, war von ganzem Herzen Waldstetter. Die Erlöse aus dem Bilderverkauf seiner letzten Ausstellung 2010 gingen wiederum als Spende an den Heimatverein Waldstetten-​Wißgoldingen.
An die Passion seiner Jugend knüpfte Willi Stein im Ruhestand an, nicht ohne sich – wie es seiner umsichtigen Natur entsprach – schon gründlich dafür vorbereitet zu haben. Er absolvierte Kurse, experimentierte mit Holzschnitzerei und wurde ein versierter Maler, dessen Gemälde in vielen Häusern hängen.
 

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