Freitag, 1. Juli 2016
Ihre Ansprechpartner in der Lokalredaktion
Die Geschichte der Rems-​Zeitung
Ihre Ansprechpartner in der Werbeberatung
Unsere Mediadaten als PDF
Unsere Themenwelten /​Sonderveröffentlichungen
Ihre Ansprechpartner im Bereich Abo und Service
Kostenloses Probeabo
Aktionsabo zu Sonderkonditionen
Nachsendung und Lieferunterbrechung
Unser Leser werben Leser Prämienprogramm
Übersicht Leserreisen
Übersicht Bücher und mehr
Private Kleinanzeige online aufgeben
Schwäbisch Gmünd
Rosenstein
Lorch
Leintal/Frickenhofer Höhe
Schwäbischer Wald
Waldstetten/Stuifen
Welzheimer Wald
Ostalbkreis

Lokalnachrichten

Mittwoch, 08. April 2015

Der mit dem Delfin schwimmt: Zu Gast bei der Waldstetter Familie Fiore, die von Hilfsaktionen erzählt und von der Hoffnung, irgendwann gehen zu können

Galerie (3 Bilder)

Matteo zieht sich auf dem Fußboden in Richtung Besucherin. Als diese ihm auf Augenhöhe begegnen will, strahlt der sehr kleine Vierjährige sie an: „Wollen Sie nicht am Tisch sitzen?“ Welche Probleme er auch hat: Er ist hellwach. Und es gibt gute Chancen, dass es ihm bald besser geht. Es ist nicht entscheidend, dass er so charmant ist, so blitzgescheit, so liebenswert: Er ist ein kranker kleiner Junge, und er bedarf besonderer Zuwendung. Die RZ besuchte Matteo Fiore und seine Familie in Waldstetten und ließ sich von den Delfinen erzählen.


WALDSTETTEN (bt). Die Große, Elenia, war sechs, als Mama Jennifer Zwillinge erwartete. „Infantile Zerebralparese“ ist das Wort, das die Welt der Familie aus den Angeln hob. Die Zwillinge kamen viel früher zur Welt, als erwartet, aber zunächst schien alles gut. Nach sechs Monaten drehte sich Elisa dann auf den Bauch und war ein kleiner Unruhegeist – vor allem im Vergleich zu ihrem allzu stillen Bruder Matteo. Die Familie solle sich nicht sorgen, sagten die Ärzte: Buben entwickelten sich oft langsamer; „vieles wächst sich aus“. Mama Jennifer aber wusste sehr früh, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war: „Eine Mutter spürt so was.“ Die große Schwester Elenia hat ganz bewusst miterlebt, wie sehr sich die Familie um Matteo sorgte; und bei aller Liebe wuchs Elisa, deren normale Entwicklung Selbstverständlichkeit war, zu einem sehr schüchternen, in sich zurückgezogenen Kind heran. Andere Familien zerbrechen an solchen Belastungen, die Fiores gaben alles. Matteos Leiden liegt in einer frühkindlichen Hirnschädigung begründet. Laien können sich vernarbtes Gewebe im Gehirn vorstellen, das zu massiven Störungen des Nervensystems und der Muskulatur führt. Bei Matteo ist der Bereich unterhalb des Bauchnabels betroffen, und weil bei entsprechender Förderung andere Teile des Gehirns für den beschädigten einspringen können, hat die Familie immer schon auf Ergo– und Physiotherapie gesetzt. Jeden Werktag. Vor allem die Einheiten im Wasser brachten die Fortschritte. Vielleicht war das letztendlich ausschlaggebend dafür, das Jennifer Fiore sich an Norbert und Dagmar Ilg vom Verein Delfin Nogli wandte. Dieser Schritt sei ihr sehr schwer gefallen, erzählt die Mama: „Wir wollten es alleine schaffen.“ Aber letztendlich war der brennende Wunsch, das Allerbeste für den Buben zu erreichen, stärker als alles andere. Die Ilgs kannten den Buben schon länger – aus der Zeit, in der die Fiores noch in der Reichenberger Straße gewohnt und sich an Straßenfesten beteiligten – und sagten sehr schnell Hilfe zu. 12 000 bis 13 000 Euro kostet so eine Therapie auf Curacao, an der immer auch die Familie beteiligt ist. Das Geld kam schnell zusammen: Allein die Damen um Matteos Uroma im Strickkreis Böbingen erstrickten ein gutes Viertel der benötigten Summe. Waldstetter halfen, Straßdorfer, eine große Aktion gab’s im Stauferklinikum, wo der Papa arbeitet. Binnen eines Jahres nach der ersten Anfrage bei den Ilgs schwamm Matteo mit den Delfinen. Mit seiner ganzen Familie.
Die Partnerorganisation Dolphin Aid in Düsseldorf, die auf der Karibikinsel Curacao ein eigenes Therapiezentrum betreibt, findet’s unfassbar, wie schnell das im Gmünder Raum geht: Viele Kinder vor allem aus größeren Städten warten jahrelang, bis die benötigte Summe zusammenkommt. Nicht wenige schaffen’s nie zu den Delfinen. Grundsätzlich werden die Therapien mit Spendengeldern finanziert: Dass eine Familie Kredite abstottern muss dafür, gilt als nicht sinnvoll.
Tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Tier
Es gab und gibt Kritik aus unterschiedlichen Richtungen an den Delfintherapien. Dem Vorwurf des Missbrauchs und der Ausbeutung der Delfine lässt sich mit der vielfach beobachteten Praxis begegnen, dass Delfine, die keine Lust mehr haben, eine Sitzung abbrechen. Bei allem anderen heißt’s schlicht: Wer heilt hat recht. Matteo kann nach dieser ersten Reise aufrecht sitzen, gar im Schneidersitz sitzen. Er klettert auf den Triptrapstuhl, zieht sich an der Mama hoch, marschiert sogar – mit den Händen auf der Platte – um den Wohnzimmertisch. Viel selbstständiger geworden und mutiger ist er im Alltag; er zieht die Jacke selbst an, er fürchtet das Wasser nicht länger, und er flirtet ungeniert mit der Besucherin.
Matteos Therapiedelfin war Papito, der älteste, erfahrenste in einem eingespielten Team, dessen menschliche Mitglieder erzählten, der kleine Waldstetter Strahlemann sei Papitos Belohnung, nachdem ihm einige in jeder Beziehung schwere Fälle zugeteilt worden waren. Warum auch immer: Matteo ist ein Paradebeispiel dafür, was alles gut gehen kann. Die dringende Empfehlung, auf diese ersten Wochen schnellstmöglich mit einer zweiten Therapie aufzubauen, leuchtet jedem ein, der den Buben kennengelernt hat. Aber auch der ganzen Familie tat diese Reise gut. Elenia kennt alle Delfine mit Namen und weiß nicht nur, wie eine Große mit behinderten Menschen umzugehen, sie kann auch Kind sein. Elisa ist wie umgedreht, seit sie mitschwimmen durfte – jetzt redet sie sogar mit fremden Menschen. Und Mama Jennifer traut es sich kaum zu erzählen, aus Angst, unglaubwürdig zu sein: Vor der Reise hatte eine Stenose bei Matteo zu Herzproblemen geführt, sie sorgte sich über die Maßen und das war sicher ein Grund, warum die rheumatische Erkrankung, an der sie schon sehr lange leidet, ihr mehr denn je zu schaffen machte. Auf Curacao sah sie ihre Kinder aufblühen., sie konnte sich entspannen, auch sie schwamm mit dem Delfin. Was immer es war: „Ich hab seither praktisch keine Schmerzen mehr.“
Wie es funktioniert? Freunde der Delfintherapien sprechen von überwältigendem Vertrauen, das die Delfine schenken, von gelösten Blockaden, Ängsten, die sich im warmen Wasser auflösen. Kinder würden werde stabilisiert, sensibilisiert. Beim Suchen von Beispielen hilft Matteo. Er kennt die Vor– und Nachnamen aller, die mit ihm in der Karibik waren, was sie getan haben, wo sie herkommen. Der Kleine ist von so gewinnendem Wesen. Aber nicht deshalb wird ihm geholfen.

Norbert und Dagmar Ilg sind davon überzeugt, dass auch die zweite Therapie für Matteo finanziert wird und dass Norbert Ilg eines Tages mit Matteo Fußball spielen wird. Die beiden haben jeden Grund, so zuversichtlich zu sein. Ihr Verein Delfin Nogli ist erst knapp fünf Jahre alt und sie haben auf ihren Treuhandkonten 420 000 Euro Spendengelder zusammengetragen.
Bereits zum sechsten Mal übernimmt Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold die Schirmherrschaft für die „Straße der Helfer“ des Vereins. Die Straße der Helfer 2015 unterstützt Hilfsaktionen für Matteo Fiore und Tayler Görler (11 Jahre) aus Waldstetten, für Hannah-​Marie Wilhelm (5) aus Wißgoldingen sowie einen 37-​jährigen Schlaganfallpatienten, denen eine Delfintherapie ermöglicht wird. Der 26-​jährige Benjamin Streit aus Alfdorf soll einen behindertengerechten Pkw erhalten. Informationen
unter www​.delfin​-nogli​.de
 

Lokalnachrichten

Mittwoch, 08. April 2015

Der mit dem Delfin schwimmt: Zu Gast bei der Waldstetter Familie Fiore, die von Hilfsaktionen erzählt und von der Hoffnung, irgendwann gehen zu können

Galerie (3 Bilder)

Matteo zieht sich auf dem Fußboden in Richtung Besucherin. Als diese ihm auf Augenhöhe begegnen will, strahlt der sehr kleine Vierjährige sie an: „Wollen Sie nicht am Tisch sitzen?“ Welche Probleme er auch hat: Er ist hellwach. Und es gibt gute Chancen, dass es ihm bald besser geht. Es ist nicht entscheidend, dass er so charmant ist, so blitzgescheit, so liebenswert: Er ist ein kranker kleiner Junge, und er bedarf besonderer Zuwendung. Die RZ besuchte Matteo Fiore und seine Familie in Waldstetten und ließ sich von den Delfinen erzählen.


WALDSTETTEN (bt). Die Große, Elenia, war sechs, als Mama Jennifer Zwillinge erwartete. „Infantile Zerebralparese“ ist das Wort, das die Welt der Familie aus den Angeln hob. Die Zwillinge kamen viel früher zur Welt, als erwartet, aber zunächst schien alles gut. Nach sechs Monaten drehte sich Elisa dann auf den Bauch und war ein kleiner Unruhegeist – vor allem im Vergleich zu ihrem allzu stillen Bruder Matteo. Die Familie solle sich nicht sorgen, sagten die Ärzte: Buben entwickelten sich oft langsamer; „vieles wächst sich aus“. Mama Jennifer aber wusste sehr früh, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war: „Eine Mutter spürt so was.“ Die große Schwester Elenia hat ganz bewusst miterlebt, wie sehr sich die Familie um Matteo sorgte; und bei aller Liebe wuchs Elisa, deren normale Entwicklung Selbstverständlichkeit war, zu einem sehr schüchternen, in sich zurückgezogenen Kind heran. Andere Familien zerbrechen an solchen Belastungen, die Fiores gaben alles. Matteos Leiden liegt in einer frühkindlichen Hirnschädigung begründet. Laien können sich vernarbtes Gewebe im Gehirn vorstellen, das zu massiven Störungen des Nervensystems und der Muskulatur führt. Bei Matteo ist der Bereich unterhalb des Bauchnabels betroffen, und weil bei entsprechender Förderung andere Teile des Gehirns für den beschädigten einspringen können, hat die Familie immer schon auf Ergo– und Physiotherapie gesetzt. Jeden Werktag. Vor allem die Einheiten im Wasser brachten die Fortschritte. Vielleicht war das letztendlich ausschlaggebend dafür, das Jennifer Fiore sich an Norbert und Dagmar Ilg vom Verein Delfin Nogli wandte. Dieser Schritt sei ihr sehr schwer gefallen, erzählt die Mama: „Wir wollten es alleine schaffen.“ Aber letztendlich war der brennende Wunsch, das Allerbeste für den Buben zu erreichen, stärker als alles andere. Die Ilgs kannten den Buben schon länger – aus der Zeit, in der die Fiores noch in der Reichenberger Straße gewohnt und sich an Straßenfesten beteiligten – und sagten sehr schnell Hilfe zu. 12 000 bis 13 000 Euro kostet so eine Therapie auf Curacao, an der immer auch die Familie beteiligt ist. Das Geld kam schnell zusammen: Allein die Damen um Matteos Uroma im Strickkreis Böbingen erstrickten ein gutes Viertel der benötigten Summe. Waldstetter halfen, Straßdorfer, eine große Aktion gab’s im Stauferklinikum, wo der Papa arbeitet. Binnen eines Jahres nach der ersten Anfrage bei den Ilgs schwamm Matteo mit den Delfinen. Mit seiner ganzen Familie.
Die Partnerorganisation Dolphin Aid in Düsseldorf, die auf der Karibikinsel Curacao ein eigenes Therapiezentrum betreibt, findet’s unfassbar, wie schnell das im Gmünder Raum geht: Viele Kinder vor allem aus größeren Städten warten jahrelang, bis die benötigte Summe zusammenkommt. Nicht wenige schaffen’s nie zu den Delfinen. Grundsätzlich werden die Therapien mit Spendengeldern finanziert: Dass eine Familie Kredite abstottern muss dafür, gilt als nicht sinnvoll.
Tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Tier
Es gab und gibt Kritik aus unterschiedlichen Richtungen an den Delfintherapien. Dem Vorwurf des Missbrauchs und der Ausbeutung der Delfine lässt sich mit der vielfach beobachteten Praxis begegnen, dass Delfine, die keine Lust mehr haben, eine Sitzung abbrechen. Bei allem anderen heißt’s schlicht: Wer heilt hat recht. Matteo kann nach dieser ersten Reise aufrecht sitzen, gar im Schneidersitz sitzen. Er klettert auf den Triptrapstuhl, zieht sich an der Mama hoch, marschiert sogar – mit den Händen auf der Platte – um den Wohnzimmertisch. Viel selbstständiger geworden und mutiger ist er im Alltag; er zieht die Jacke selbst an, er fürchtet das Wasser nicht länger, und er flirtet ungeniert mit der Besucherin.
Matteos Therapiedelfin war Papito, der älteste, erfahrenste in einem eingespielten Team, dessen menschliche Mitglieder erzählten, der kleine Waldstetter Strahlemann sei Papitos Belohnung, nachdem ihm einige in jeder Beziehung schwere Fälle zugeteilt worden waren. Warum auch immer: Matteo ist ein Paradebeispiel dafür, was alles gut gehen kann. Die dringende Empfehlung, auf diese ersten Wochen schnellstmöglich mit einer zweiten Therapie aufzubauen, leuchtet jedem ein, der den Buben kennengelernt hat. Aber auch der ganzen Familie tat diese Reise gut. Elenia kennt alle Delfine mit Namen und weiß nicht nur, wie eine Große mit behinderten Menschen umzugehen, sie kann auch Kind sein. Elisa ist wie umgedreht, seit sie mitschwimmen durfte – jetzt redet sie sogar mit fremden Menschen. Und Mama Jennifer traut es sich kaum zu erzählen, aus Angst, unglaubwürdig zu sein: Vor der Reise hatte eine Stenose bei Matteo zu Herzproblemen geführt, sie sorgte sich über die Maßen und das war sicher ein Grund, warum die rheumatische Erkrankung, an der sie schon sehr lange leidet, ihr mehr denn je zu schaffen machte. Auf Curacao sah sie ihre Kinder aufblühen., sie konnte sich entspannen, auch sie schwamm mit dem Delfin. Was immer es war: „Ich hab seither praktisch keine Schmerzen mehr.“
Wie es funktioniert? Freunde der Delfintherapien sprechen von überwältigendem Vertrauen, das die Delfine schenken, von gelösten Blockaden, Ängsten, die sich im warmen Wasser auflösen. Kinder würden werde stabilisiert, sensibilisiert. Beim Suchen von Beispielen hilft Matteo. Er kennt die Vor– und Nachnamen aller, die mit ihm in der Karibik waren, was sie getan haben, wo sie herkommen. Der Kleine ist von so gewinnendem Wesen. Aber nicht deshalb wird ihm geholfen.

Norbert und Dagmar Ilg sind davon überzeugt, dass auch die zweite Therapie für Matteo finanziert wird und dass Norbert Ilg eines Tages mit Matteo Fußball spielen wird. Die beiden haben jeden Grund, so zuversichtlich zu sein. Ihr Verein Delfin Nogli ist erst knapp fünf Jahre alt und sie haben auf ihren Treuhandkonten 420 000 Euro Spendengelder zusammengetragen.
Bereits zum sechsten Mal übernimmt Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold die Schirmherrschaft für die „Straße der Helfer“ des Vereins. Die Straße der Helfer 2015 unterstützt Hilfsaktionen für Matteo Fiore und Tayler Görler (11 Jahre) aus Waldstetten, für Hannah-​Marie Wilhelm (5) aus Wißgoldingen sowie einen 37-​jährigen Schlaganfallpatienten, denen eine Delfintherapie ermöglicht wird. Der 26-​jährige Benjamin Streit aus Alfdorf soll einen behindertengerechten Pkw erhalten. Informationen
unter www​.delfin​-nogli​.de