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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 13. August 2015

Glücksspiel, das süchtig macht: Hilfe für die Betroffenen

Galerie (1 Bild)

70 000 Euro Umsatz jeden Tag an Glücksspielautomaten in Gmünd“ – für Nikolas Danzinger ist das eine Summe, die besser als alles andere verdeutlicht, welches Problem das Glücksspiel mittlerweile darstellt. Der Suchttherapeut berichtet über eine alarmierende Entwicklung.


SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Dass sich eine Stadt nicht freut über 1,16 Millionen Euro jährlich an zusätzlichen Einnahmen aus der Vergnügungssteuer ist selten – und wichtiges Signal. Bürgermeister Joachim Bläse und der Gmünder Stadtverwaltung gilt ein Lob der Suchthilfe und der Schuldnerberatung für eine eindeutige Stellungnahme zur Glücksspielsucht. Pressesprecher Markus Herrmann bekräftigte gestern: Natürlich werde dieses Geld gebraucht in der Stadt; in diesem Fall aber müssten die Menschen, die Familien gesehen werden. „Glücksspiel gehört zu dieser Gesellschaft, das heißt aber nicht, dass wir zusehen wollen, wie Menschen daran zugrunde gehen; wir profitieren nicht gerne vom Ruin anderer.“ Um nichts weniger als Ruin geht es.
Wer Spielhallen von arbeitslosen jungen Migranten bevölkert sieht, hat ein falsches Bild vor Augen. Von der Spielsucht betroffen sind Menschen mit den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Hintergründen. Da ist der Messebauer, der immer und immer wieder die Miete verzockt, der gut verdienende Ingenieur, dem seine Bank längst keinen Kredit mehr einräumt, die Familienfrau, die auch schon mal vergisst, den Kleinen im Kindergarten abzuholen, der hochverschuldete Rentner, der jetzt schon morgens spielt. Ihnen allen ist gemeinsam, dass es längst nicht mehr darum geht, zu gewinnen. An einem der 846 Geldspielautomaten im Kreis finden sie, was sie in diesem Stadium nirgends sonst finden können: Die Möglichkeit, den Alltag, der vor allem Belastung ist, komplett auszublenden. Sich zu verlieren und kurzfristig das Gefühl der Unzulänglichkeit loszuwerden – das Selbstbild hat oft nichts mit dem objektiv Erreichten und Gelebten zu tun. Um so stärker Schuld– und Schamgefühl werden, um so wichtiger, unverzichtbarer wird diese Flucht.
Wer das Sparschwein der Tochter schlachtet, ist nicht böse, sondern suchtkrank – überzeugt davon, zu gewinnen, für die Tochter, und davon, dass dann endlich alles wieder gut wird. Dass das Problem der Spielsucht so schnell so groß geworden ist, liegt nicht zuletzt daran, dass zwischen 2006 und 2012 die Zahl der Konzessionen um 44,6 Prozent auf 15 000 stieg. Es geht nicht nur um Spielhallen; auch in Gaststätten, die Mitarbeiter nicht eigens schulen müssen und vom Verbot des Alkoholausschanks und weiteren Einschränkungen nicht betroffen sind, können bis zu drei Automaten aufgestellt werden.
Die Würfel sind gefallen, die Kugel rollt – immer schon
Der Spieltrieb ist angeboren, Glücksspiel aller Wahrscheinlichkeit so alt wie die Menschheit, zumindest kannten bereits die Ägypter vor 5000 Jahren das „Schlangenspiel“. Niko Danzinger, der bei der Sozialberatung lange mit illegalen Drogen zu tun hatte, erfuhr erst über seine Arbeit als Fachbereichsleiter der Diakonie, in welchem Umfang Glücksspiel abhängig macht. Was die Sucht aus Menschen macht, wusste er hingegen zur Genüge, und er sah viele Parallelen.
Die RZ berichtet in ihrer Donnerstagsausgabe
 

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Glücksspiel, das süchtig macht: Hilfe für die Betroffenen

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70 000 Euro Umsatz jeden Tag an Glücksspielautomaten in Gmünd“ – für Nikolas Danzinger ist das eine Summe, die besser als alles andere verdeutlicht, welches Problem das Glücksspiel mittlerweile darstellt. Der Suchttherapeut berichtet über eine alarmierende Entwicklung.


SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Dass sich eine Stadt nicht freut über 1,16 Millionen Euro jährlich an zusätzlichen Einnahmen aus der Vergnügungssteuer ist selten – und wichtiges Signal. Bürgermeister Joachim Bläse und der Gmünder Stadtverwaltung gilt ein Lob der Suchthilfe und der Schuldnerberatung für eine eindeutige Stellungnahme zur Glücksspielsucht. Pressesprecher Markus Herrmann bekräftigte gestern: Natürlich werde dieses Geld gebraucht in der Stadt; in diesem Fall aber müssten die Menschen, die Familien gesehen werden. „Glücksspiel gehört zu dieser Gesellschaft, das heißt aber nicht, dass wir zusehen wollen, wie Menschen daran zugrunde gehen; wir profitieren nicht gerne vom Ruin anderer.“ Um nichts weniger als Ruin geht es.
Wer Spielhallen von arbeitslosen jungen Migranten bevölkert sieht, hat ein falsches Bild vor Augen. Von der Spielsucht betroffen sind Menschen mit den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Hintergründen. Da ist der Messebauer, der immer und immer wieder die Miete verzockt, der gut verdienende Ingenieur, dem seine Bank längst keinen Kredit mehr einräumt, die Familienfrau, die auch schon mal vergisst, den Kleinen im Kindergarten abzuholen, der hochverschuldete Rentner, der jetzt schon morgens spielt. Ihnen allen ist gemeinsam, dass es längst nicht mehr darum geht, zu gewinnen. An einem der 846 Geldspielautomaten im Kreis finden sie, was sie in diesem Stadium nirgends sonst finden können: Die Möglichkeit, den Alltag, der vor allem Belastung ist, komplett auszublenden. Sich zu verlieren und kurzfristig das Gefühl der Unzulänglichkeit loszuwerden – das Selbstbild hat oft nichts mit dem objektiv Erreichten und Gelebten zu tun. Um so stärker Schuld– und Schamgefühl werden, um so wichtiger, unverzichtbarer wird diese Flucht.
Wer das Sparschwein der Tochter schlachtet, ist nicht böse, sondern suchtkrank – überzeugt davon, zu gewinnen, für die Tochter, und davon, dass dann endlich alles wieder gut wird. Dass das Problem der Spielsucht so schnell so groß geworden ist, liegt nicht zuletzt daran, dass zwischen 2006 und 2012 die Zahl der Konzessionen um 44,6 Prozent auf 15 000 stieg. Es geht nicht nur um Spielhallen; auch in Gaststätten, die Mitarbeiter nicht eigens schulen müssen und vom Verbot des Alkoholausschanks und weiteren Einschränkungen nicht betroffen sind, können bis zu drei Automaten aufgestellt werden.
Die Würfel sind gefallen, die Kugel rollt – immer schon
Der Spieltrieb ist angeboren, Glücksspiel aller Wahrscheinlichkeit so alt wie die Menschheit, zumindest kannten bereits die Ägypter vor 5000 Jahren das „Schlangenspiel“. Niko Danzinger, der bei der Sozialberatung lange mit illegalen Drogen zu tun hatte, erfuhr erst über seine Arbeit als Fachbereichsleiter der Diakonie, in welchem Umfang Glücksspiel abhängig macht. Was die Sucht aus Menschen macht, wusste er hingegen zur Genüge, und er sah viele Parallelen.
Die RZ berichtet in ihrer Donnerstagsausgabe
 

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