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» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 10. März 2016

Basil Hunt ist Ehrengast bei der Ehrung für Manfred und Ulrike Köhnlein

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„Das ist die größte Vorfreude auf unsere Ehrung“, sagte Prof. Dr. Köhnlein, als ihm Ziehsohn Basil mitteilte dass er kommen würde. Dass er dabei ist, wenn OB Richard Arnold am Freitag Nachmittag in einer Feierstunde im Prediger Manfred und Ulrike Köhnlein den Gmünder Preis für Bürgercourage verleiht.


SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Basil Devakaran Hunt war der erste Asylbewerber, den die Familie Köhnlein im Oktober 1985 für längere Zeit aufgenommen hat, der erste, der sie mit „Mamma“ und „Papa“ ansprach. Der 1963 geborene Basil war1984 aus Sri Lanka geflohen. Im Bürgerkrieg wurden dort alle jungen Tamilen verfolgt, ganz gleich ob sie kämpften oder als Zivilisten einfach nur in Frieden leben wollten. Basil kam über die damalige Sowjetunion in die DDR, wo man ihn gar nicht schnell genug loswerden konnte. Im Zug ging’s noch am selben Tag nach Westberlin, wo die jungen Flüchtlinge freilich auch nicht sonderlich willkommen waren. Basil erinnert sich daran, dass er heimwehkrank war, dass es kalt war in Deutschland, dass er verzweifelt war, wie es nur irgend geht. Nächste Station war Karlsruhe, dann die Werrenwiesenstraße in Gmünd. Hier kam es zum ersten Kontakt zu Köhnleins – Basil erinnert sich, dass er den freundlichen Fremden nach einer methodistischen Kirche in Gmünd fragte und dass er ihn um die deutschen Worte des Vaterunsers bat. Er hatte ein Empfehlungsschreiben seines Pastors in Sri Lanka dabei, in dem dieser die Menschen in Europa inständig bat, „den guten Christen“ Basil aufzunehmen und ihn zu schützen. Vermutlich hätten die Methodisten ihn ohnehin in ihren Reihen aufgenommen. Auch Manfred und Ulrike Köhnlein waren so angetan, dass sie ihn zu sich nahmen – den so engagierten, ernsten jungen Christen, gemeinsam übrigens mit einem, na ja, eher lebenslustigen jungen Flüchtling. Die Auseinendersetzungen der beiden sind legendär, aber beide fügten sich ein ins Leben auf dem Rechberg, und Unterschiedlichkeit auszuhalten schadet in der Regel niemandem. Basil begann, die Köhnleins als Familie zu sehen.
Manfred Köhnlein organisierte für ihn gemeinnützige Arbeit bei Ursula May in der Klosterbergschule – das erste Mal, dass der junge Mann mit Behinderten zu tun hatte, aber die Arbeit lag ihm, sehr sogar. Bis heute lacht er übers ganze Gesicht, als er von einem Amrum-​Urlaub erzählt, bei dem er als Begleitperson gebraucht wurde. Seine Asylgründe wurden anerkannt, trotzdem reiste er weiter nach England – er hatte daheim Wirtschaftswissenschaften studiert, wollte dieses Studium abschließen, was seine Deutschkenntnisse aber nicht zuließen. London nahm ihn nur als Studenten an, weil Köhnleins für ihn bürgten, sprich garantierten, für ihn aufzukommen, sollte er nach dem Studium keine Arbeit finden. Die ganze Zeit über betete er, hatte schon auf bei Köhnleins angefangen damit: Er wünschte sich so sehnlich, in den USA aufgenommen zu werden und für alle Zeit eine sichere Heimat zu haben. Bis heute kann er sein Glück kaum fassen: Die Chancen standen etwa 1 zu 20 000, aber in der Green Card-​Lotterie wurde sein Name gezogen. Das Glück setzte noch eins drauf: Er lernte eine junge Frau kennen, Joinette, und heiratete sie. Er fand dann auch schnell Arbeit und ist seit vielen Jahren in der Leitung der Verkehrsbetriebe seines Bundesstaates tätig – unter anderem verantwortlich für 140 Busse – , was für diejenigen interessant sein dürfte, die dem jungen Tamilen damals nicht zutrauten, gemeinnützige Arbeit zu leisten. Heute tritt er ganz selbstverständlich als US-​Bürger auf, der in New Jersey lebt und arbeitet und sich an zwei Kindern freut, die er über alles liebt. Er macht einen glücklichen Eindruck, und er ist voller Dankbarkeit für die Menschen in Gmünd, die ihm den Start in dieses neue Leben ermöglicht haben.
Basil Hunt ist am Donnerstag in Gmünd eingetroffen und bleibt bis Sonntag auf dem Rechberg – für ihn einer der schönsten Plätze überhaupt. Sicherlich werden er und sein Lebenslauf bei der Ehrung der Köhnleins Thema sein. Immerhin steht sein Leben beispielhaft für so viele, denen Manfred und Ulrike Köhnlein zu neuen Wurzeln verhalfen. Und es ist sicher kein Fehler, all diejenigen, die den Gmünder Weg selbstverständlich und gern beschreiten, daran zu erinnern, dass es bereits in den 80ern ein „Gmünder Wegle“ gab: Insgesamt 68 gemeinnützige Arbeitskräfte wie Basil wurden so gut wie möglich integriert, es gab die „Schule für Alle“, den „Tee im Franziskaner“. All das wird am Freitag wohl Thema sein, wenn die Ehrung mit der Feier zu Manfred Köhnleins 80. Geburtstag verbunden wird. Viele Wegbegleiter wollen dabei sein. Basil ist einer von ihnen.

 

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