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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Besuch bei der Herzogin von Württemberg und Prinzessin von Frankreich: Wie aus einem „enfant terrible“ eine ungewöhnliche Frau wurde

Diane Herzogin von Württemberg sprach mit der Rems-​Zeitung über ihre Arbeit, ihre geplante Ausstellung in Lorch, aber auch über Kindheit und die Bedeutung des Adels und den Herzog von Württemberg: „Er war ein so schöner, eleganter Mann“, schwärmt sie in der Erinnerung an ihre Brautzeit. Von Birgit Trinkle

Dienstag, 13. Juni 2006
Rems-Zeitung, Redaktion
7 Minuten Lesedauer

Ihr Sohn Michael heiratet, im Juli, inFriedrichshafen, weil’s am See so schönist. Es ist noch unendlich viel zu tun –unvergessen ist die Hochzeit ihrer Jüngsten, zu der unter vielen anderen der Taufpate der Braut anreiste, Spaniens König Juan Carlos, und die Brautmutter überall gleichzeitig sein musste. Noch im Juni steht, wie jedes Jahr, eine zweiwöchige Wanderung auf dem Jakobsweg an, unmittelbar danach eine Ausstellung in Lorch. Aber an all das wird „D.Diane“ morgen denken, mit der Arbeit des heutigen Tages hat sie alle Hände voll zu tun. Es ist nicht leicht, mit ihr Schritt zu halten: Die Frau ist immer in Bewegung. Kein Wunder, dass auch „Macho“ so gut in Form ist, die französische Bulldogge, die stets an ihrer Seite ist und eigentlich „Chevalier de Baviere“ heißt. Macho ist ihr auf den Fersen, ganz gleich, ob sie aus ihrem Atelier zum Ofen eilt, in dem sie ein Dutzend Glasarbeiten gleichzeitig in Arbeit hat, oder ob ihr Weg sie durch mehrere herrschaftliche Zimmerfluchten zum früheren Squash-​Raum der Kinder führt – heute eines ihrer „Lager“.
Das Wort „Erbstück“ erhält auf Schloss
Altshausen eine neue Bedeutung: Die Residenz des Hauses Württemberg, die einst den Deutschen Orden beherbergte, ist bis unters Dach voll gestellt mit schier unbezahlbaren Schätzen. Mit Waffen und Rüstungen, mit Möbelstücken, Ölbildern, Porzellansammlungen, Wandteppichen; Stuck, Intarsien und die wertvollsten Stoffe wohin das Auge blickt. Selbst die Wirtschaftsräume sind durch handgebrannte und glasierte Kacheln aus dem 16. Jahrhundert geadelt. Seltsam, wie sehr die Frau im Künstlerkittel in diese Umgebung passt.
D.Diane mag mit Schweißgerät und Hammer umgehen, arbeiten wie ein Brunnenputzer: Sie lässt keine Sekunde vergessen, wer sie ist und woher sie kommt.

D.Diane und ihr „Daheim“
Geboren wurde sie in Brasilien, im Exil,
aufgewachsen ist sie in Marokko, Spanien und Portugal, bis ihre Familie wieder nach Frankreich einreisen durfte. Richtige Wurzeln sagt sie, hat sie nie gehabt, viel zu oft sei sie verpflanzt worden. Und auch wenn sie Deutschland und insbesondere natürlich Württemberg lieb gewonnen hat:„Wenn heute jemand sagt, dass wir das Land verlassen müssen, würde ich meine Sachen packen“. Sie hänge nicht an Orten,nicht an Häusern.
Als sie sechs Jahre alt war, hatte ihre Familie 24 Stunden Zeit, Spanien zu verlassen. „Für uns Kinder war dieses Durcheinander und das hektische Kofferpacken lustig“, erinnert sie sich, und auch wenn ihre Mutter das Ganze natürlich anders sah, hat die kleine D.Diane aus solchen Erfahrungen fürs Leben gelernt: „Jedes Land hat Gutes und Schönes“. Ihre Heimat ist Deutschland, ihr Daheim aber sieht sie in der Familie und in ihrer Kunst.

D.Diane und ihre Familie
D.Diane ist eine Prinzessin von Frankreich, erzogen in einem Geist, der hier und heute leicht befremdlich wirkt. Ihre Familie lässt sich, so zeigt ein Blick auf den Stammbaum, bis auf Wilhelm den Eroberer zurückverfolgen. Doch Wilhelm lässt die Herzogin unbeeindruckt. Weit mehr als tausend Jahre und „ganz andere Namen“ bestimmen ihren Stammbaum. Ob sie diese Herkunft als Verpflichtung sieht? Aber nein: „Das bleibt in den Genen, da macht man instinktiv das Richtige“. Auf Nachfrage räumt sie ein, dass es durchaus „schlechte Prinzen“ gibt; von Tatjana Gsell, jüngste Eskapade des Sachsen-​Hauses, will sie freilich nie gehört haben. Alle anderen sind an Jahrhunderten oder anKilometern weit weg von Altshausen. Adel als Privileg? D.Diane beurteilt Geschichte aus einer ungewohnten Perspektive heraus („jetzt schießt man nicht mehr so oft auf uns, früher waren wir wie die Tauben“).

D.Diane und die Kunst
Ein ganz kleines Kind war sie – diese Geschichte wird in der Familie kolportiert – als sie ihren Vater beim Museumsbesuch bat, ihr diese schönen Bilder zu kaufen. Der Papa verweigerte sich diesem Wunsch, wie könnte es anders sein, und D.Diane erklärte, dann werde sie sich eben selbst helfen. Bis sie dieses selbstgegebene Versprechen einlöste, vergingen Jahre. Als „kleiner Teufel“, schenkte sie auch dem Malunterricht nie sonderlich Aufmerksamkeit, und als sie deshalb als Strafarbeit den Garten malen musste, wählte sie die Farbe Violett. „Sie sehen nicht, was ich sehe“, hat sie damals zwar nonchalant erklärt – aber ehrlich gesagt war sie einfach wütend. Als sie 14 Jahre alt war, zeigte sich, wie sehr sie sich von ihren Schwestern unterschied: Ihr Vater verlangte detailliert Rechenschaft über die Verwendung des Taschengelds. D.Diane fand das blöd: Aber keine Abrechnung, kein Geld. Anstatt einzulenken, überlegte die junge Rebellin, wie sie ihr eigenes Geld verdienen konnte. Die Frau, die ihr erstes Vorbild wurde, war Madame Vachez, die sehr schöne Kopftücher verkaufte. Der neugierig gewordene Papa gewährte ihr das gewünschte Darlehen, D. Diane reiste in der Metro durch halb Paris – allein das war unerhört – und hatte schließlich das Material für ihre eigene Tuchherstellung. „Ich habe Tag und Nacht gearbeitet, jedes Wochenende, wie eine Verrückte“, erinnert sie sich an das Bemalen Dutzender Seidentücher und daran, dass sie ihren Einsatz schon bald vervierfacht hatte: „Ich fühlte mich frei, selbstständig“. Das war eine der wichtigsten Erfahrungen ihres Lebens. Bis heute weigert sie sich konsequent, anderer Leute Erwartungen zu entsprechen. Es geht nicht, dass eine Künstlerin, die ernst genommen werden will, gleichzeitig Bronzeplastiken, Ölgemälde, Glas– und Stoffmalerei, Keramiken, Stoffpuppen, Gürtel und Handtaschen ausstellt? Sagt wer? Keinen Gedanken verschwendet D.Diane auf solche Vorgaben. Wären ihr Klischees wichtig, hätte sie ihr Leben nicht leben können.

D.Diane und der Herzog
S.K.H. (Seine Königliche Hoheit) Carl Herzog von Württemberg ist ihr Jugendfreund, Vertrauter aus langen, unvergesslich schönen Sommerwochen im portugiesischen Landsitz der Familie „Quina do Anjinho“, kleiner Engel, in dem stets zwei, drei Dutzend junger Leute aus dem Hochadel Europas zusammenkamen. Noch heute bleibt man gerne unter sich; Tochter Fleur hat Moritz Graf von Goess geheiratet, dessen Familie damals ebenfalls dabei war. Und ihr Gatte, Chef des Hauses Württemberg, ist ein weitläufiger Verwandter, ein Nachkomme der von D.Diane so hoch geschätzten Marie Christiane d’Orléans. Sie ließ das Haus Württemberg durch einen auf dem Sterbebett geäußerten Wunsch katholisch werden, sie war ebenfalls passionierte Bildhauerin und starb mit 26 Jahren am Marmorstaub in ihren Lungen – ihr Sohn, Philipp I. von Württemberg, war da gerade mal ein Jahr alt.
Kein Wunder, dass sich D.Diane ihrer Ahnfrau so verbunden fühlt, hatte sie doch elbst in den 60ern fast den höchsten Preis für ihre Kunst bezahlt; eine Bleivergiftung raubte ihr drei Jahre.
Also gut, sie gibt es zu: Sie hat sich schon für den Herzog interessiert, als sie noch ein Backfisch war, viel zu jung um auszugehen, und das „enfant terrible“ der Familie. „Außerdem waren meine Schwestern alle viel schöner“. Dass Diane die lustigste der Prinzessinnen war, blieb dem Herzog freilich nicht verborgen, und Jahre später war sie es, um die er sich bemühte.
„Er war ein so schöner, eleganter Mann“, schwärmt die Herzogin in der Erinnerung an ihre Brautzeit, und er habe so schöne Hände gehabt – „die hat er heute noch“. Mittlerweile sind sie seit 46 Jahren verheiratet und sehr stolz auf ihre sechs Kinder Friedrich, Mathilde, Eberhard, Philipp, Michael und Fleur, mit denen D.Diane von Anfang an in ihrer Muttersprache gesprochen hat und noch immer spricht – ganz gleich ob mit Fleur übers Vatertagsgeschenk für den Herzog oder mit dem angehendenBräutigam Michael, der im Stuttgarter Weinkeller der Familie arbeitet, über die katastrophalen Folgen der „amerikanischen Chemiebrühe“.

D.Diane und die Wohltätigkeit
Ganz gleich ob „instinktiv“ und „automatisch durch meine Gene“ oder als Folge entsprechender Erziehung war die Wohltätigkeit stets Teil ihres Lebens: Vom ersten selbst verdienten Geld aus dem Kopftuchverkauf hat sie „ganz selbstverständlich“ auch die Armen bedacht. Die von ihr 1979 gegründete „Diane Herzogin von Württemberg, Prinzessin von Frankreich-​Stiftung“ und die 1989 ins Leben gerufene Stiftung „Les enfants de la vie“ finanzieren sich überwiegend durch den Verkauf ihrer Kunst. Beide Stiftungen setzen dort an, wo in den Krisengebieten dieser Welt Hilfe schnell und möglichst unbürokratisch gebraucht wird. Einen Schwerpunkt legt sie auf die schulische Förderung und medizinische Betreuung benachteiligter Kinder:
Gefördert werden unter anderem ein Kinderkrankenhaus in St. Petersburg, ein Kinderdorf für krebskranke Kinder in Tibet und ein Waisenhaus in Syrien. Im regionalen Bereich unterstützt D.Diane unter anderem das Projekt „Steigbügel“ des Berufsbildungswerkes, ein Altenpflegeprojekt,einen Skulpturenpark regionaler Künstler sowie die Renovierung alter Kapellen in Württemberg.

Im Jubiläumsjahr „200 Jahre Erhebung
zum Königreich“ sollen die Württemberger und die Staufer endlich zusammengeführt werden. „Der Ring der Zeit“ ist Titel einer großen Kunstausstellung mit Arbeiten von Diane, Herzogin von Württemberg, Prinzessin von Frankreich.
Vom 24. Juni bis 24. September sind im
Kloster Lorch, der Grablege der Staufer, insbesondere Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Kunsthandwerk und Bildhauerei zu sehen. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Viele helfen mit
Der Gmünder Stephan Kirchenbauer, der als Kunstbeauftragten der Herzogin diese Ausstellung organisiert und betreut, spricht von ihrer Begabung, Geträumtes in die Wirklichkeit zu transformieren. Kirchenbauer mag vor allem „die Kreativität der Künstlerin“, die Verschiedenartigkeit der von ihr verwendeten Materialien und Gestaltungsformen aber auch ihren Humor, das Spielerische ihrer Kunstausübung und „die sichtbare Freude beim Entstehen ihrer Werke“. Ganz gleich an was die Herzogin arbeite: Bestimmend sei stets die große Leidenschaft. Und die Ausdruckskraft ihrer Plastiken, in denen sie sich mit Metamorphose beschäftigt, mit der Verwandlung von Menschen in Tiere, Pflanzen oder Steine. Gerade in diesen Arbeiten zeige sich ihre Fähigkeit, völlig überraschende Ideen umzusetzen.
Veranstalter ist der Runde Kultur Tisch
der Stadt Lorch unter der Leitung von Ulrich Rund sowie die Organisation Staatliche Schlösser und Gärten, Ulm. Die Gmünder Museumschefin Dr. Gabriele Holthuis hat jüngst einen freien Nachmittag geopfert, um Dutzende Kunstwerke zu sichten und wertvolle Ratschläge zur Auswahl,zum Aufbau und zur Präsentation zu geben – das Ganze soll ja nicht nur der Stadt Lorch, sondern der gesamten Regionzur Ehre gereichen.
Ihre Freunde sind sich einig: „D.Diane“sei eine leidenschaftliche und mitreißende Frau, vielseitig, manchmal etwas verwirrend, aber stets für Überraschungen gut. „Wie eine Besessene“, heißt es, arbeitet sie an ihrer Kunst – auch im Alter von 66 Jahren noch bis zu zehn Stunden ohne Pause, ohne auch nur aufzublicken. Ihre Arbeiten wurden in in den vergangenen Jahrzehnten in Dutzenden Ausstellungen gezeigt – Sculpture’s Galery in Paris, Schloss Monrepos, Friedrichshafen, Kairo, Abu Dhabi, Stuttgart und Brüssel waren nur einige Stationen. Jetzt geht’s nach Lorch.

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