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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Hochschule für Gestaltung: Eine Hälfte bleibt auf der Baustelle, die andere zieht um

Die Hochschule für Gestaltung zieht nicht aus dem sanierungsbedürftigen Elsässer-​Bau in der Rektor-​Klaus-​Straße aus. Jedenfalls nicht komplett. Der Plan, sie vollständig auf das Ritz-​Areal auszulagern, hat sich zerschlagen. Stattdessen entsteht im Garten der alten PH eine dreistöckige Container-​Burg. Von Reinhard Wagenblast

Montag, 05. Oktober 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 13 Sekunden Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND. Die Hochschule für Gestaltung mit ihren 450 Design-​Studenten befindet sich in einer verzwickten Situation. Ursprünglich schätzte man die Sanierungskosten auf zwei bis vier Millionen Euro, die noch aus einem Sammeltitel im Landeshaushalt hätten bezahlt werden können. Dann lieferten Probebohrungen an der Bausubstanz ein fatales Ergebnis, vor allem was die Brandschutz-​Eigenschaften anbelangt. Die geschätzten Sanierungskosten stiegen auf 12 bis 14 Mio. Euro. Für einen ersten Bauabschnitt mit 5 Mio. Euro stellte immerhin das Konjunkturpaket II des Bundes die Mittel bereit — doch dieses Geld muss enorm kurzfristig verbaut werden und schon Ende 2011 abgerechnet sein. Was die Hochschule und das Staatliche Hochbauamt zusätzlich unter Druck setzt (die RZ berichtete am 30. Juni). Ein zweiter notwendiger Bauabschnitt ist noch nicht etatisiert. Hinzu kommt der zusätzliche Raumbedarf von 1600 Quadratmetern, der an der HfG schon lange besteht und der entweder einen Anbau oder einen Erweiterungs-​Neubau an anderer Stelle — etwa am Bahnhofsplatz im Zuge der Landesgartenschau-​Baumaßnahmen, wie von OB Arnold angestrebt — nötig macht. Richard Arnolds Plänen steht HfG-​Rektorin Cristina Salerno aufgeschlossen gegenüber („eine konstruktive Initiative“), doch „derzeit ist das für mich fast schon zweitrangig“, sagt sie.
Die Rektorin sieht jetzt vor allem die Gefahr, dass der HfG „ganz viele Optionen verloren gehen, die wir für die Hochschul-​Entwicklung brauchen.“ Für sie stellt sich die Frage, „für wie viele Jahre muss die HfG unter prekären Umständen existieren? Wie lange kann sie das überleben?“ Die Gmünder Hochschule stehe in einem „wettbewerblichen Umfeld“, z.B. beim Einwerben von Drittmitteln, und sie drohe in der Zange von Raumnot und Dauer-​Baustelle gegenüber anderen Design-​Hochschulen zurückzufallen. In Containern habe der neue, sich gut anlassende Studiengang Interaktionsgestaltung keine Ausbaumöglichkeit, befürchtet Cristina Salerno: „Wenn ich mir vorstelle, dass ich fünf Jahre einen notdürftigen Studienbetrieb aufrecht erhalten muss, und alle anderen entwickeln sich weiter, dann hab’ ich Angst davor, abgehängt zu werden.“ Hinzu kommt die alarmierende Entwicklung der Landesfinanzen in der Folge der Wirtschafts– und Finanzkrise. Die Ritz-​Industriebrache im Becherlehen hätte sich von Größe und Lage als anzumietendes Ausweichquartier für die ganze HfG angeboten. Doch daraus wird nichts — aus preislichen wie zeitlichen Gründen sei sie ausgeschieden, so Karlheinz Schwenk, stellvertretender Leiter der Vermögen und Bau Baden-​Württemberg. Bis zum Februar hätten sich die nötigen Umbauten nicht verwirklichen lassen. Statt dessen wird es jetzt eine Container-​Lösung geben, mittels derer mehr als 2000 Quadratmeter der HfG ausgelagert werden. Die eine Hälfte der Hochschule muss sich also mit der Dauerbaustelle arrangieren, die andere Hälfte erhält einen Standort auf einem Landes-​Areal in fußläufiger Entfernung — im Garten der Alten PH an der Goethestraße.
Dort will das Hochbauamt schon im Februar Container aufstellen lassen — drei Stockwerke hoch und für die Zeit von 20 Monaten. Im PH-​Garten sollen einige jüngere Bäume gefällt werden. Es sei nur vorübergehend, sagt Schwenk, der Garten werde hinterher wieder gerichtet. Eine Nutzfläche von mehr als 2000 Quadratmetern könnte einen 70 Meter langen, zehn Meter tiefen und neun Meter hohen Block vor der Alten PH bedeuten. Angesichts dieser Perspektive schluckt wohl nicht nur HfG-​Rektorin Cristina Salerno heftig.

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