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Fußball: VfR Aalen startet nach Attacken gegen Bamberg-​Fans eine Anti-​Gewalt-​Aktion

Droht so langsam der Verfall der Sitten auf und neben den Sportplätzen sowie Stadien? Nach dem vergangenen Wochenende darf diese Frage einmal mehr gestellt werden. In Aalen werden Bamberger Fans attackiert und verfolgt, in Leinzell brennen einem Spieler die Sicherungen durch. Von Patrick Tannhäuser

Dienstag, 06. Oktober 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 22 Sekunden Lesedauer

Mit Sport und Fair-​Play haben beide Vorfälle nichts gemeinsam und wieder einmal ist es nur ein geringer Bruchteil von Personen, die dafür sorgen, dass ein schlechtes Licht auf den Fußball fällt. Während beim Derby der Kreisliga B, Staffel II, zwischen dem TSV Leinzell und dem FC Eschach einem Spieler in den letzten Minuten der Partie die Sicherungen durchgebrannt sind, zeichnen in Aalen eine Gruppe von 20 Personen für die Übergriffe auf Bamberger Fans verantwortlich. Schon vor dem Anpfiff des Regionalligaspiels wurden die Bamberger attackiert. Ordner konnten die Situation am Stadion aber schlichten. Deshalb wurden die mitgereisten Eintracht-​Fans nach dem Abpfiff von der Polizei zum Bahnhof begleitet. Trotzdem versuchte die Aalener Gruppe weiterhin die Bamberger zu provozieren. Die Einsatzkräfte der Polizei konnten Übergriffe verhindern und gaben den Gästefans sogar Begleitschutz bis zum Zwischenstopp in Ellwangen. Beim Umsteigen in Crailsheim wurden die zwölf Bamberger – darunter befanden sich auch zwei Kinder – wieder von der Gruppe angegangen und konnten sich gerade noch in Zug retten. Das Eintreffen der Crailsheimer Polizei verhinderte, dass der Zug gestürmt wurde. Die Fluchtversuche der Gruppe waren nur von kurzer Dauer. Den Polizisten gelang es 20 Personen zu ermitteln. Bei der Durchsuchung der Fluchtfahrzeuge wurden Bengalische Feuer, Schlaghandschuhe und Sturmhauben gefunden, so die Polizei in einer Pressemitteilung. Zwischen 13 und 26 Jahren waren die aufgegriffenen Personen alt. Zwei aus der Gruppe hatten schon Stadionverbot in Aalen. Dieses wurde aber zur Bewährung ausgesetzt. Unter anderem wird nun wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs von den Behörden ermittelt.
Die Verantwortlichen des VfR Aalen distanzieren sich in einer Mitteilung von den Vorkommnissen und will mit aller Härte gegen diese Personen vorgehen. Zudem startet der Klub eine Aktion gegen Gewalt im Rahmen des Heimspiels gegen Nürnberg II am 20. November. Für dieses Spiel hatte der VfR schon eine Freikartenaktion ausgerufen, bei der Schulen, Kindergärten und Vereine zu Eintrittskarten kommen können. „Interesse wecken – Fans gewinnen“, hieß das ursprüngliche Motto, das nun noch erweitert wird. „0 % Gewalt – 100 % Toleranz“ sollen die Fans beweisen, indem sie entsprechende Banner kreieren. Für die Gewinner dieser Aktion winkt ein Training mit Rainer Scharinger und Spielern der Regionalliga-​Mannschaft.
Ein Zeichen setzen will auch der TSV Leinzell, nachdem ein Spieler gegen Eschach in den Schlussminuten ausrastete (die Rems-​Zeitung berichtete gestern). „Wir wünschen dem betroffenen Eschacher Spieler gute Besserung und können uns nur nochmals entschuldigen. Der Vorfall wird natürlich Konsequenzen haben“, so der stellvertretende Vorsitzende des TSV, Christoph Hägele. Auch der Vorsitzende des Fußballbezirks Kocher-​Rems, Jens-​Peter Schuller, will die Vorfälle nicht unter den Tisch kehren. „Das stimmt mich sehr traurig. Wir müssen überlegen, welche Angebote wir den Vereinen machen, um dem entgegen zu wirken“, erklärt konfrontiert mit den Ereignissen. Nicht aufbauschen möchte Günter Molnar, Spielleiter des FC Eschach, die Geschehnisse in Leinzell. „Der Leinzeller Spieler ist am Sonntagabend zu ins Vereinsheim gekommen und hat sich entschuldigt. Er ist selbst völlig fertig gewesen. Hut ab, da gehört schon was dazu“, so Molnar. Der Verantwortliche war aber auch milde gestimmt, weil seinem Kicker wohl nichts ernsthaftes passiert ist. Molnar: „Er wurde sofort wieder aus dem Krankenhaus entlassen, ist aber diese Woche krankgeschrieben.“ Die Freude am Sieg seines Teams verhagelte im die Aktion dennoch.

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