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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Schwäbisch Gmünd trauert um Dr. Fritz Eberhard

Dr. Fritz Eberhard ist am Sonntag im Alter von 88 Jahren verstorben. Doch die Spuren und Leistungen, die dieser außergewöhnliche und hochgeschätzte Zahnarzt, Kunstförderer, Historiker und Denkmalschützer an vielen Stellen seiner Heimatstadt hinterlassen hat, leben fort. Von Heino Schütte

Donnerstag, 08. Oktober 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 8 Sekunden Lesedauer

Dem Familienwunsch entsprechend, wurde von Dr. Fritz Eberhard bereits im engsten Kreis auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof Abschied genommen. Doch allen Menschen, die sich mit Dr. Fritz Eberhard und seinem Lebenswerk verbunden fühlen, wird in den kommenden Tagen Gelegenheit gegeben, an einem Kondolenztisch im Kulturzentrum Prediger Dank, Würdigung und Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen. „Kultur und das Museum waren ja sein zweites Zuhause“, so beschreibt in tiefer Betroffenheit Museumsleiterin Dr. Gabriele Holthuis. Das Kondolenzbuch wird am morgigen Freitag zur Eröffnung der Weimer-​Ausstellung in der Prediger-​Galerie ausliegen. Anschließend dann am Zugang zum Museum im 1. Obergeschoss des Kulturzentrums. Ein stiller Abschied für einen hochverdienten Mitbürger; Dr. Fritz Eberhard war ja auch zeitlebens ein Mensch, der sich nie mit lauten Tönen oder aufdringlicher Präsenz in den Vordergrund bugsierte. Er wirkte eher im Stillen, dafür mit einem reichen Füllhorn an Geist und Kultur. Und vor allem zielgerichtet mit Überzeugung, Prinzipien und Ausdauer. Zwei ganz große Lebenswerke hat er realisiert, dies mit einem enormen ideellen und vor allem auch finanziellen Einsatz. Da war Ende der 70er-​Jahre zunächst das Trauerspiel um die beiden Brandruinen im so genannten Bantelschen Anwesen zwischen Hinterer Schmiedgasse und Honiggässle. Heutige Fördermittel für solche Sanierungsgebiete in der Altstadt standen noch nicht zur Verfügung. Dr. Fritz Eberhard vollbrachte rein aus Privatmitteln eine liebevolle Revitalisierung des spätmittelalterlich geprägten Altstadtviertels.
Wenig später stellte sich Dr. Eberhard an die Spitze der Bürgerinitiative, die sich für die Rettung und Renovierung der Silberwarenmanufaktur Ott-​Pauser einsetzte. Das gleichnamige Museum ist heute Schmuckstück und touristischer Anziehungspunkt der Stadt mit ihrer reichen Kunsthandwerk– und Industrietradition. 1977 war Dr. Eberhard Mitbegründer des Arbeitskreises Kultur. Schon 1969 hatte er den Vorsitz beim Förderkreis Museum übernommen. Fundierte persönliche Studien widmete er besonders Leben und Wirken des Künstlers Hans Baldung Grien. Seine Forschungsarbeit fand viel Anerkennung. Eine Vielzahl von Schenkungen widmete der leidenschaftliche Kunst– und Kulturliebhaber dem Gmünder Museum, verhalf als Kunsthistoriker ungezählten alten Werken zu neuem und dauerhaftem Glanz.
Fritz Eberhard wurde am 2. Juli 1921 in Schwäbisch Gmünd geboren. Er studierte in Tübingen. Als junger Mediziner erlebte er in den Militärlazaretten die Grauen des Krieges. Danach wurde er Zahnarzt, übernahm später die Praxis seines Vaters. Ab den 60er-​Jahren leistete Zahnarzt Dr. Fritz Eberhard Richtungsweisendes. Er absolvierte damals sogar einen Studienaufenthalt in den USA, kehrte als einer der ersten Experten in der neuartigen Fachrichtung der Dentalimplantologie in seine geliebte Heimatstadt zurück. Wie verwurzelt der Gmünder war, zeigt auch die Mitgliedschaft im Altersgenossenverein.
Fürs Gemeinswesen engagierte er sich auch als Mitglied der weltumspannenden Rotary-​Clubgemeinschaft. Die drei Söhne traten in die Fußstapfen des Mediziners. Auch die Enkel pflegen die Erinnerung an einen Menschen, dem es wichtig war, das schöngeistige und kreative Schaffen früherer und auch jetziger Gmünder Generationen zu ehren und zu pflegen. Sichtbare Zeichen des Dankes für Dr. Eberhard blieben nicht aus. 1986 bekam er das Bundesverdienstkreuz und zu seinem 85.Geburtstag den Ehrenring der Stadt Schwäbisch Gmünd verliehen.

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