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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Grenzen überwinden

Solidarisch, wachsam und fürsorglich mit psychisch und physisch behinderten sowie mit kranken und schwachen Menschen zu leben — darum geht es in der Woche für das Leben 2009, die unter dem Leitwort „Gemeinsam — mit Grenzen leben“ stattfindet und morgen in der Aalener Stadtkirche eröffnet wird. Von Nicole Beuther

Samstag, 25. April 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 9 Sekunden Lesedauer

OSTALBKREIS. Schwäbisch Gmünd beteiligt sich mit einer Kunstwerkstatt an dieser Aktion. Für Menschen mit Behinderungen bedeutet diese Einrichtung, die seit 1996 Teil der Erwachsenenbildung der Stiftung Haus Lindenhof ist, eine Chance. „Ich kann etwas, ich bin wertvoll, mein Tun bedeutet anderen etwas, ich kann anderen Menschen eine Freude bereiten“ – dass das Anliegen der Kunstwerkstatt-​Verantwortlichen in die Tat umgesetzt wird, das sah man bei der gestrigen Aktion im Franziskaner. Hier trafen sich Künstler mit und ohne Behinderung, um zu malen. Auch Bischof Dr. Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-​Stuttgart und Bischof Dr. h.c. Frank Otfried July griffen zum Pinsel. Malen verbindet.
Im Anschluss erläuterten die beiden Geistlichen in einem Pressegespräch, worum es in der diesjährigen „Woche für das Leben“ geht. „Alle, die bei uns leben, gehören zu uns“, so Landesbischof July. Das diesjährige Motto „Gemeinsam – mit Grenzen leben“ solle dazu einladen, in der Gemeinde Gruppen zu entdecken, die wegen Krankheit oder Behinderung mit Begrenzungen leben müssen. Die Woche soll laut July Mut machen, mit diesen Gruppen in Kontakt zu treten, mit ihnen gemeinsam Aktionen durchzuführen und in der Begegnung mit diesen, die eigenen Grenzen wahrzunehmen, die Bereicherung zu erfahren, die durch das Miteinander entsteht und im Miteinander Grenzen zu überwinden.
„Es geht darum, dass wir spüren, dass wir nur vollständig sind, wenn wir alle als Teil der Gemeinschaft aufnehmen und ernst nehmen.“ Dass hier Nachholbedarf besteht, das verdeutlichte Bischof July mit einer Statistik. Demnach seien in Norwegen 94 Prozent aller Kinder mit Behinderungen in die Regelschule integriert. In Österreich seien es immer 54 Prozent, in Deutschland 13 Prozent …
Der gesellschaftliche Wille, so July, müsse gestärkt werden. Hierzu sei ein radikales Umdenken, aber auch die Bereitstellung von entsprechenden Unterstützungsangeboten nötig. Hier seien jedoch nicht nur die politisch Verantwortlichen in der Pflicht, sondern jeder Einzelne, beispielsweise durch Wohnraumvermietung. „Jeder muss auch zu seinen eigenen Schwächen stehen“, so Bischof Fürst. „Gerade jetzt in der Wirtschaftskrise können wir nicht nur das gelten lassen, was uns selbst erhält.“ Wer eigene Grenzen nicht annehme, der störe sich auch daran, die Grenzen anderer anzunehmen.
Bischof Fürst fordert eine heterogene Gesellschaft, in der die Menschen mit all ihren unterschiedlichen sozialen, kulturellen, psychischen und physischen Bedingungen als gleichberechtigte Bürger leben können.
Für Württemberg eröffnen Weihbischof Johannes Kreidler von der Diözese Rottenburg-​Stuttgart und der Bischof der Evangelischen Landeskirche Württemberg, Frank Otfried July, die bundesweit ausgerufene Aktionswoche am Sonntag, 26. April, um 18 Uhr in der Aalener Stadtkirche. Von 15.30 bis 17.30 Uhr werden dort die Ergebnisse der Kunstwerkstatt zu sehen sein. Interessierte, die Lust haben, bei der Kunstwerkstatt mitzumachen, haben hierzu noch am 29. April (14 bis 18 Uhr) und 30. April (9 bis 12 Uhr) Gelegenheit. Der Workshop findet im Erdgeschoss des Franziskaner statt. Mehr Infos gibt es bei Gabriele Reichhardt von der Wohnverbundsleitung Südwest, Stiftung Haus Lindenhof: Telefon 0 71 71/​8 02 – 2 08.

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