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Gmünder Pilharmonie gefeiert

So viel steht nach dem langanhaltenden Applaus am Ende von Ludwig van Beethovens großen siebten Symphonie fest – das Konzert war ein voller Erfolg, die Erwartungen wurden erfüllt, das Publikum feierte Dirigentin Tanja Goldstein und das große Gmünder Pianisten-​Paar Von Giovanni Deriu

Montag, 04. Mai 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 33 Sekunden Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND. Mit großen Erwartungen strömte das musikinteressierte Publikum in den Peter-​Parler-​Saal des Stadtgartens. Restlos ausverkauft war der Saal. Besucher auch außerhalb des Ostalbkreises fanden den Weg am Samstagabend zum Konzert in den Stadtgarten. Es scheint ganz so zu sein, als habe die musikalische Leiterin und Dirigentin der Gmünder Philharmonie den Geist der Zeit getroffen mit dem „selbst erstellten“ Programm.
Aber mal ehrlich – Felix Mendelssohn-​Bartholdys Jubiläumsjahr (200. Geburtstag) ist auch nicht nur irgendein Anlass, ein solch schön ausgearbeitetes Konzertprogramm auf die Beine zu stellen. Gut Ding braucht Weile, Geduld und viele Proben. Wenn es sein muss, auch noch knapp eine Stunde vor dem Konzert.
Das Klavier-​Duo Volker und Hans-​Peter Stenzl kommt immer wieder gern zurück nach Gmünd – besonders in den Stadtgarten, wo anno 1984 „extra für uns“ , so Volker Stenzl zwei Steinway-​and-​Sons-​Flügel angeschafft wurden. Neulich erst in London gespielt, nun wieder in der heimatlichen Provinz – von wegen Motivationsprobleme, erwiderte Hans-​Peter Stenzl, der ältere der beiden: „Wir nehmen alle Konzerte ernst, und freuen uns sehr hier zu sein.“ Diese Erdigkeit und Verwurzelung in ihrer Heimatstadt schafft dann auch Identifikation mit dem Publikum hier, und viel wichtiger – dass der Funken auch im Stadtgarten ins Publikum übersprang. Sehr still und dennoch emotional berührt wurde der volle Gmünder Saal, weil die Stenzls genauso spielten mit ihren vier Händen, sich gegenüber sitzend an den Klavieren.
So übernahm dann auch der jüngere Volker Stenzl die Begrüßung im Peter-​Parler-​Saal und gab einen kurzen Einstieg zum folgenden Programm, sowie eine interessante biographische Übersicht mit den wichtigsten Eckdaten Mendelssohn-​Bartholdys. Damals, Mitte des 18. Jahrhunderts, kannte Felix Mendelssohn-​Bartholdy keine wirtschaftlichen Zwänge, er wurde als Sohn eines Bankiers geboren, lebte in einer zufriedenen Umgebung, in der die Musik, nicht nur innerhalb seiner Familie, immer groß geschrieben wurde.
Vor allem, die Musik wurde gelebt. Es gehörte zum Brauch, dass Sonntagmorgens daheim musiziert wurde – zudem hatte Felix in Fanny eine nicht minder begabte musikalische Schwester. In dieser Umgebung der „Noblesse“ wuchs Felix auf. Zum ersten Mal bereits mit neun Jahren spielte das Wunderkind in einem Konzert, mit 14 schenkte er Fanny, „das Konzert für zwei Klaviere und Orchester E-​Dur“, das die Stenzls sehr einfühlsam und mit viel Gestaltungskraft interpretierten. Die Gmünder Weltpianisten rissen das Publikum besonders am Ende mit ihrer Virtuosität mit. War die Ouvertüre „Egmont“ Ludwig van Beethovens teilweise (Goethes Trauerspiel) sehr dramatisch und schwer gespielt, wie Goethes Drama und Trauerspiel an sich, war das Konzert in E-​Dur wirklich eine Mixtur der Gefühle und Emotionen, wie sie eben Felix und Fanny auslebten, oder wie am Samstag, Volker und Hans-​Peter Stenzl. Wahrscheinlich genauso miteinander verbunden wie die Geschwister Mendelssohn-​Bartholdy (?). Applaus und „Bravo“-Rufe folgend ließen die Stenzls eine Zugabe folgen.
Tanja Goldsteins Philharmoniker (darf man sie Freizeit-​Profis nennen?) sprühten in allen Abschnitten vor Einsatzfreude, was die Dirigentin aber auch sehr gut vermittelte, und selbst sehr emotional bei der Sache war. Beethovens Siebte, eine Mischung aus sehr lebendigen und anmutigen Passagen, brachte die Gmünder Philharmonie virtuos wie dezent auf den Punkt. Die Zuschauer waren begeistert. Aus Backnang meinten Mutter Margarete Holub mit Tochter Corine Kuchenbecker: „Sehr beeindruckend, das Orchester und die Pianisten“. Das Ehepaar Lachenmaier aus Bettringen stellte in der Pause folgendes Zwischenzeugnis aus: „Was soll man da sagen? Eine sehr dynamische Dirigentin, ein tolles Konzert.“ Auf alle Fälle spielt in Gmünd die (klassische) Musik – intensiver denn je. Der Philharmonie, der Leiterin Goldstein, und den Stenzls sei Dank, fügte eine ältere Dame an.

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