Direkt zum Inhalt springen

Nachrichten Ostalb

Nur an den Stärken ansetzen

Erstmals fand in den vergangenen Tagen auf dem Rappenhof ein Kooperationsprojekt zwischen JuKi (Zukunft für Kinder und Jugendliche) sowie JoJo (Zentrum für Artistik und Theater) statt. Die Hauptakteure, Grundschüler aus Esslingen-​Zell, zeigten im Beisein ihrer Eltern, was sie alles gelernt hatten. Von Nicole Beuther

Montag, 04. Mai 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 32 Sekunden Lesedauer

GSCHWEND. Die Schulklasse war nur eine von vielen, die sich in den vergangenen Jahren dort zu einem erlebnispädagogischen Schullandheimaufenthalt zusammengefunden hatten. Pro Jahr, berichtet Monika Alb vom Rappenhof, seien rund 80 Schulklassen mit je 25 Schülern aller Schularten eine Woche in dem Ferien– und Erlebnisdorf zu Gast.
Der Verein JuKi entwickelt seit mehr als zehn Jahren Zirkuspädagogik; neben Schulkindern sind im Zirkus Pimparello auch öfters Freizeitkinder und Familien anzutreffen. Auch Jugendliche, die Lust haben, als Zirkus-​Jugendtrainer zu arbeiten, kommen dort voll auf ihre Kosten. Insgesamt kommen pro Jahr rund 3800 Menschen auf den Rappenhof.
Seit geraumer Zeit werden in dem Ferien– und Erlebnisdorf zudem Zirkuspädagogen ausgebildet. Diese berufsbegleitende Ausbildung findet in Kooperation mit JoJo statt. Im Rahmen dessen haben in dieser Woche erstmals Studenten der Zirkus– und Theaterpädagogik ein zirkuspädagogisches Schullandheim mitgestaltet. Gerade einmal drei Tage hatten die 19 Kinder und die 16 angehenden Zirkuspädagogen Zeit, um ein bühnenreifes Zirkusprogramm auf die Beine zu stellen.
Sven Alb, der zirkuspädagogische Leiter des Rappenhofs, spricht von einer tollen Erfahrung. Kinder, Lehrer und Studenten hätten alle gleichermaßen davon profitiert. Die Fähigkeiten jedes Einzelnen zu entdecken und in einer tollen Gemeinschaft aufgehen zu lassen sei das Ziel der sozialpädagogischen Arbeit auf dem Rappenhof, so Alb. „Jeder kommt zum Zug“, betont er. So findet sich, und das stellten die Schüler am Mittwochabend unter Beweis, für jeden etwas Passendes. Die einen traten als Clown auf, die anderen balancierten auf einem Seil, wieder andere schlugen Saltos oder zeigten andere sportliche Leistungen. „Man darf nie an den Schwächen ansetzen, sondern nur an den Stärken“, erklärt Sven Alb. So ist die Persönlichkeitsentwicklung ein Ziel der Zirkuspädagogik.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Entwicklung innerhalb der Gruppe. Gemeinsam Vertrauen entwickeln, um Verantwortung für sich und andere zu übernehmen — das wollen die Verantwortlichen erreichen. „Dazu gehört beispielsweise, dass man sich gegenseitig Hilfestellung beim Seilbalancieren gibt“, erklärt Sven Alb. Gegenseitiger Respekt und Akzeptanz, Konflikt– und Kritikfähigkeit sowie die Fähigkeit miteinander zu kooperieren und zu kommunizieren, seien hierbei wichtig.
Klar war: Von Montag bis Mittwoch wurde fleißig geübt. Die Kleinen und Großen sahen dennoch keineswegs gestresst aus. Rund um den Rappenhof fänden die Teilnehmer einen Ausgleich, weiß Alb. „Die Natur inspiriert und macht ruhiger.“ Meist am Nachmittag hatten die Kinder Gelegenheit, um die Gegend zu erkunden oder Zeit mit den Tieren (auf dem Rappenhof gibt es unter anderem Esel, Ziegen und Alpakas) zu verbringen.
Für die Klassenlehrer habe die Einrichtung eine Multiplikatorenwirkung, erklärt Sven Alb. Ob im Sportunterricht oder in einer freien Zirkus-​AG — viele Lehrer nähmen einige Ideen mit, um sie im Schulalltag anzuwenden. Manche seien auch überrascht, wie diszipliniert ihre Klasse beim Einstudieren der Zirkusstücke sein kann. Bruno Zählke, einer der Ausbildungsleiter der zirkuspädagogischen Ausbildung, freute sich über die gelungene Vorstellung am Mittwochabend. „Die Kinder waren alle sehr motiviert“, sagte er anschließend. Zirkus jedenfalls, das wurde klar, ist so viel mehr als nur „Zirkus“.
All jene, die Lust bekommen haben, Zirkusluft zu schnuppern: Vom 23. bis 30. Mai sowie vom 30. Mai bis 6. Juni finden für Fünft– und Sechstklässler auf dem Rappenhof Pfingstcamps statt. Untergebracht werden die Kinder in einem der großen Zelte.

Mehr Infos unter Telefon 0 79 72/​9 34 40, E-​Mail: circus@​pimparello.​de oder im Internet unter der Adresse : www​.pim​par​ello​.de.
JoJo, das Zentrum für Artistik und Theater, bietet Interessierten an, an der Frühjahrsakademie „Licht und Schatten“ vom 20. bis 24. Mai (ebenfalls auf dem Rappenhof) teilzunehmen.

14 Tage kostenlos und unverbindlich testen?
Das RZ-Probeabo - digital oder klassisch mit Trägerzustellung

3513 Aufrufe
611 Wörter
4769 Tage 2 Stunden Online

Beitrag teilen

Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 4769 Tagen veröffentlicht.


QR-Code
remszeitung.de/2009/5/4/nur-an-den-starken-ansetzen/