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Keiner kehrte aus dem KZ wieder heim

OSTALBKREIS (pm). Kürzlich besuchten die Mitglieder im Ruhestand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im GEW Kreis Ostwürttemberg (Aalen, Heidenheim, Schwäbisch Gmünd) im Rahmen ihres Jahresprogramms Bopfingen und das im Ortsteil Oberdorf gelegene Museum zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis – das dort in der ehemaligen Synagoge seit 1993 eingerichtet ist.

Dienstag, 05. Mai 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 3 Sekunden Lesedauer

Hartwig Mager, Realschulkonrektor i.R., begrüßte am Bahnhof Kolleginnen und Kollegen aus Heidenheim, Aalen und Gmünd. An der westlichen Eingangspforte zum Ries, im Egertal und unter dem Zeugenberg IPF gelegen, führte Mager in die Vergangenheit. Aus einer alamannischen Siedlung (um 500 n. Chr.) entstand etwa im achten Jahrhundert der Marktort Bopfingen, 1153 zur Stadt erhoben und seit 1241 Reichsstadt. Mit Erinnerungen an die Zusammenhänge im Dreißigjährigen Krieg (Schlacht bei Nördlingen), den Frieden von Lunéville (1802) und den Übergang ins 20 . Jahrhundert wurde in die „Neuzeit“ übergeleitet.
Beim Gang durch die Altstadt, auf dem Weg zum Ortsteil Oberdorf wurden einige Sehenswürdigkeiten (Stadtkirche St. Blasius, Alte Schule, Rathaus mit Amtshaus, zur Malagasse und Steinhaus, Heilig Geist Kapelle, Stadtausgang und zum Egerlauf) gestreift. Der Eger entlang „unter dem Ipf“ ging es nach Oberdorf und zur ehemaligen Synagoge.
Rosemarie Allgaier erwartete die Gruppe und öffnete das heutige Museum zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis. Anfang des 16. Jahrhunderts gestatteten die Grafen von Oettingen einigen Juden die Niederlassung in Oberdorf. Im 17. und 18.Jahrhundert nahm die Zahl der hier ansässigen Juden zu. 1745 erbaute die jüdische Gemeinde eine Synagoge die heute noch steht. Eine jüdische Schule und eine Mikwe wurde 1823 eingerichtet. Einen jüdischen Friedhof gibt es seit 1824. 1838 leben in Oberdorf 739 Christen und 545 Juden.
Fünf Söhne der Familie Heimann nehmen mit Auszeichungen am Ersten Weltkrieg teil. Am Beispiel der Familien Heimann, Neumetzger und dem Schicksal von Julius Schuster und Sohn zeichnete Rosemarie Allgaier die furchtbare Zeit des Nationalsozialismus nach. Nach der Machtergreifung durch Hitler und seiner/​der NSDAP wurde die Deportation der Oberdorfer Bürger jüdischen Glaubens 1942 abgeschlossen. Aus den Vernichtungslagern kehrt niemand nach Bopfingen zurück. Die Geschichte der Thora der Familie Heimann (ihr war 1939 die Auswanderung in die USA gelungen) ist in einer der wichtigsten Vitrinen der Ausstellung dargestellt. Die von Chaim Loeb Heimann 1845 der Synagoge Oberdorf gestiftete Thora steht währen des 2. Weltkriegs jüdischen Soldaten der US-​Army bei Fort Dix zur Verfügung. Nach dem Krieg gibt die Armee die Thorarolle an die Heimanns zurück. Karl Heimann überreichte die Thorarolle dann anlässlich der Eröffnung der Gedenk– und Begegnungsstätte am 25. November 1993 dem Bopfinger Verein als Dauerleihgabe.
Mit dem Besuch im Haus der Ewigkeit, dem jüdischen Friedhof, endet der Ausflug in die Vergangenheit. Dort sind noch über 400 Grabstellen erhalten. Rosemarie Allgaier ist zu danken für ihre engagierte Ausführungen und Führung durch die Vergangenheit. An uns liegt es, dass das Vergessen nicht eintritt, damit nie wieder diktatorische Exzesse eintreten.

Weitere Informationen können über den Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf e.V. ‚Vorsitzender Landrat a.D. Dr. Diethelm Winter, eingeholt werden. Siehe dazu auch auf der homepage der Stadt Bopfingen unter http://​www​.bopfin​gen​.de/​N​e​w​F​i​l​e​s​/​M​u​s​e​e​n​/​S​y​n​a​g​o​g​e​01​.html nach.

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