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Marjan und Osman sollen für ihre Courage geehrt werden

Dass in Göppingen Figuren aus Mammutstoßzahn zu sehen sind, ist für Gmünd nur bedingt interessant. Dass zur Finissage dieser Ausstellung ein Mut-​Preis verliehen wird, regt allenfalls zum Nachdenken an. Durchaus von Bedeutung aber: Unter den Preisträgern sind zwei Buben aus Gmünd.

Montag, 15. Juni 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 25 Sekunden Lesedauer

GÖPPINGEN /​SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Unter der Überschrift „Nicht klagen, fragen“ berichtete die Rems-​Zeitung am 4. Juni über den siebenjährigen Marjan und seinen Freund, Osman (zehn Jahre alt). Die beiden hatten befürchtet, ihre Lieblings-​Mountainbike-​Strecke, überwucherte Bodenwellen an der Schachanlage Schillersteg am Josefsplatz, könnte ihnen durch einen Zaun genommen werden. Na, und dann haben die beiden sich ganz allein aufgemacht, um die Rems-​Zeitung um Hilfe zu bitten. Wie sich herausstellte, standen am Josefsbach lediglich Vermessungen für die Landesgartenschau an, aber der Mut und die Entschlossenheit der beiden waren im Nachbarkreis Thema. Die beiden Jungs wurden für den Göppinger „Mut-​Preis“ vorgeschlagen.
Künstler Bernd Roland Semmler schafft Kleinskulpturen in Bronze, Mammutstoßzahn, Bernstein und Holz, hat sich auch durch Installationen und Malerei einen Namen gemacht. Er hatte die Idee zu diesem Mut-​Preis: Er suchte junge Menschen, die sich engagieren, sich einmischen und Mut beweisen. Ganz gleich ob die mutige Tat eines Einzelnen, das gesellschaftliche Engagement einer Clique oder ein interessantes soziales Projekt einer ganzen Schulklasse: Er wollte es würdigen und belohnen. Semmler und sein Mitstreiter Hänsi Weiß, Göppinger Jugendsozialarbeiter, wollen damit auch ein Bewusstsein schaffen dafür, dass die heutigen Jugendlichen „nicht nur Komasäufer und Chaoten“ sind.
Die Preisträger müssen sich nicht zwischen eine alte Frau und einen Handtaschenräuber stellen oder im Alleingang Randalierer zur Raison bringen: Es sind eher die kleinen Dinge, die Semmler beeindrucken, Dinge, von denen nie jemand redet: Wenn einer seinen volltrunkenen Freund nicht liegenlässt sondern ihm beisteht und den Notarzt ruft, wenn eine andere Fremdenfeindlichkeit auch dann nicht hinnimmt, wenn sie im eigenen Freundeskreis vorkommt, oder eben auch wenn, wie im Gmünder Fall, ein Kind beschließt, (vermeintliche) Willkür und Ungerechtigkeit nicht einfach hinzunehmen.
Nicht von ungefähr hat sich Semmler den „Mut-​Preis“ ausgedacht: Sich von seiner Drogenabhängigkeit zu befreien hat ihm selbst sehr viel Mut abverlangt, Mut ist auch das Thema seiner Kunst. Wer mutig sei, könne viel bewegen, erklärt Semmler. Sein Symbol für Mut ist eine geöffnete und geflügelte Spirale, die für den Ausbruch aus dem „Teufelskreis des Duckmäusertums“ steht und dafür, dass der „Mut Flügel verleiht“.
Gesucht wurden also junge Menschen im Alter bis 27 Jahre und Schulklassen sowie Jugendgruppen und Cliquen, deren Mitglieder unter der Altersgrenze bleiben. Wichtig war Eigeninitiative, Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen oder auch mal gegen den Strom zu schwimmen. „Nur durch viele kleine Beiträge wird unsere Gesellschaft menschlicher, gerechter — und mutiger“, heißt es in der Ausschreibung.
Viele wurden daraufhin für diesen Preises vorgeschlagen: Eigentlich überraschend, wie oft Kinder und Jugendliche Zivilcourage zeigen. In einer Vorauswahl wurden lediglich diejenigen Beispiele aussortiert, die in Richtung Leichtsinn und Übermut tendieren; so etwas soll schließlich nicht auch noch gefördert werden. Die Endauswahl trafen Vertreten der Jugendhilfe und des Jugendamts, ein Jugendsachbearbeiter der Polizei, Jugendgemeinderäte und einige andere mehr. Die Preisträger werden neben einer Original-Bernd-R.-Semmler-Bronzeplastik im Wert von mehreren Hundert Euro auch Preisgeld erhalten.
Die Preisverleihung findet bei der Finissage der Ausstellung “Mutvolution“ von Bernd R. Semmler am kommenden Samstag 20. Juni – gleichzeitig auch Göppinger Kulturnacht – in der Chapel im Stauferpark statt. In diesem Rahmen sollen dann alle Geschichten von Mut und Zivlcourage erzählt werden, auch die nicht preisgekrönten, denn, so die Stifter dieses Preises: „All diese Geschichten sollen Schule machen“

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