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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Aus einer jungen Heuchlinger Bauzeichnerin wurde die tatkräftige Oberin, die St. Anna leitet

Eigentlich sollte sie der Rems-​Zeitung ja über ihre ersten hundert Tage als Oberin und Regionalleiterin erzählen. Nun sind es fast zweihundert geworden — und viel wichtiger als eine erste Bilanz ist ihr das große Bau– und Pflegeprojekt St. Anna, dem sie sich hingebungsvoll widmet.

Dienstag, 16. Juni 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 33 Sekunden Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Als sie sich fürs Gespräch mit der Rems-​Zeitung endlich doch eine halbe Stunde „freischaufelt“, können’s Mitarbeiter und Bewohner in St. Anna kaum glauben: „Schwester Marzella sitzt in der Sonne!“ Ihre Mußestunden sind in der Tat sehr selten geworden, seit St. Anna nicht nur Senioren– und Pflegezentrum ist, sondern auch noch eine Großbaustelle, die den laufenden Betrieb in der Katharinenstraße so wenig wie möglich stören darf.
Zunächst sind die Schwestern in ein Provisorium umgezogen. Eine Woche vor Weihnachten dann konnten sie sich einrichten im renovierten, heutzutage deutlich kleineren Konvent: Sieben Zimmer für die Ordensfrauen, ein Wohnzimmer und eine Küche lassen jetzt im fünften Stock Raum für weitere Nutzung. Hier soll die Tagespflege eingerichtet werden, künftig zwölf statt sechs Plätze; dafür wurden nun unter anderem die Dachterrasse und zwei Ruheräume ausgebaut.
Der vierte Stock ist fürs Betreute Wohnen vorgesehen; die Wohnungen haben unterschiedliche Zuschnitte, auch mal zwei Bäder, und das wollte ebenfalls geplant sein. 16 zusätzliche Wohnungen entstehen; im Gegenzug ab Mitte August nur noch 95 reguläre Pflegeplätze angeboten. Im dritten Stock soll der Dachgarten entstehen, für den während der 72 Stunden-​Aktion und bei vielen weiteren Gelegenheiten gearbeitet und gesammelt wurde. Bestimmt ist dieser Garten in erster Linie für Menschen, die an Demenz leiden und die ihren großen Bewegungsdrang in diesem Garten ausleben sollen; selbstständig und doch beschützt können sie an Hochbeeten den Jahresrhythmus, das Wetter, das Wachsen und Blühen von Pflanzen und Blumen miterleben. Schwester Marzella macht deutlich, dass dieses Unterfangen ohne den Freundeskreis (Motto:„Mit uns blüht Leben“) finanziell nicht zu stemmen wäre. Und die zusätzliche Arbeit? Sie lacht. Es gibt Gäste in St. Anna, die ihr „Gütle“ aus Alters– oder Gesundheitsgründen aufgeben mussten und nun die Arbeit im Garten schmerzlich vermissen: Sie habens zugesagt, mit anzupacken. Die zweite Hälfte des zweiten Stocks wurde für 18 Wachkomapatienten umgebaut. Nicht nur der Umbau ist zu meistern: Unter Schwester Marzellas Leitung wurde die Pflege komplett neu strukturiert; der neurologische Pflegefachbereich, sowie spezialisierte Demenz-​, und Wachkomabereiche geben auch den Mitarbeitern die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln.
Schwester Marzella ist in Heuchlingen geboren. Die gelernte Maschinenbauerin hat sich irgendwann gefragt, ob die Menschen noch in der Lage sind, dem Leben und ihrer Welt mit Achtung zu begegnen, ob sie erkennen, dass es Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen. Ein bisschen ließ sich das in den späten 80ern auch am Gegensatz Pershing-​Depot und BdkJ-​Arbeit auf dem Schwarzhorn festmachen. Und irgendwann hat sich die junge Frau für ein Leben im Kloster entschieden: Noch nie, versichert sie, keine Sekunde, hat sie diese Entscheidung bereut. Als junge Vinzentinerin hätte sie gerne die Ausbildung zur Bauzeichnerin und Architektin absolviert, statt dessen wurde ihr die Ergotherapie nahegelegt. Sie war dann mehrere Jahre Leiterin der Praxis in St. Anna, und auch das war gut so: „Zur richtigen Zeit kommt das Richtige, würde ich das nicht glauben, könnte ich das hier nicht tun“. Wird sie glücklich mit der neuen Karriere, die doch sehr weit weg ist von ihrer früheren Arbeit? Zeit, nachzudenken, hatte sie bislang nicht, aber ihr ist nicht bange. „Liebe sei Tat“, dieses Leitwort des heiligen Vinzenz von Paul, macht ihr Leben reich. Alles andere wird sich finden. Jetzt hat sie freilich anderes zu tun. Nach der Abnahme des Rohbaus am heutigen Dienstag kommt der Landschaftsgärtner; im zweiten Stock sind letzte Leitungen zu legen, dann beginnt dort der Innenausbau. Wenn zum Hauspatrozinium am 26. Juli ein großes Sommerfest gefeiert wird, muss alles fertig sein.

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