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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Schiller-​Realschüler auf den Spuren ihres Namenspatrons

Es war eine Ehrensache, dass sich die Gmünder Schiller-​Realschüler anlässlich des 250. Geburtsjahres von Friedrich Schiller etwas Besonderes einfallen ließen. Es entstand die Idee, den Jahresausflug so zu gestalten, dass jede Klassenstufe eine Etappe aus dem Leben des Dichters erforschen durfte.

Donnerstag, 25. Juni 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 19 Sekunden Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (pm). Natürlich begann die Reise in Schillers Geburtsstadt Marbach. Hier wurden die Neuntklässler unter anderem durch eine besondere Führung ins 18. Jahrhundert versetzt. Ein Stadtführer in historischem Kostüm mit den damals üblichen französisch gefärbten Redewendungen erklärte z.B., dass hier Schillers Vater, ein Offizier, die Wirtshaustochter vom „Goldenen Löwen“ , Schillers Mutter, kennen lernte und ehelichte. Der kleine Friedrich wurde als zweites Kind geboren, war rothaarig und hatte „Rossmuggen“, wie man damals die Sommersprossen nannte. Er hatte allein neun Taufpaten. In Marbach blieb die Familie allerdings nur, bis Friedrich vier Jahre alt war, weil sich das „Erbe“ von Schillers Mutter als Schuldenberg entpuppte, was dem ehrgeizigen Vater Schiller wohl überaus peinlich gewesen war. So zog die Familie nach Lorch. Hier erfuhren Fünftklässler, dass es ein unechtes und echtes Wohnhaus Schillers gibt. Falsche Überlieferungen haben hier wohl jahrelang Verwirrung gestiftet. Beeindruckend für die Schüler war, dass Schiller oberhalb einer Schmiede gewohnt hat. Seine Kindheit in Lorch bis zu seinem 8. Lebensjahr war wohl sehr idyllisch, er erhielt Privatunterricht bei Pfarrer Moser, zusammen mit dessen Kindern und lief gern Hand in Hand mit seiner besten Freundin zur Kirche. Um einiges älter war der junge Schiller, als er auf herzoglichen Befehl und gegen den Wunsch seiner Eltern in die Karlsschule, damals im Schloss Solitude in Stuttgart untergebracht, eintreten musste. Hier konnten sich die Siebt– und Sechstklässler bei Führungen informieren. Der Herzog von Württemberg ließ 200 Kinder streng militärisch erziehen. Friedrich Schiller war dort so unglücklich, dass er als junger Erwachsener nach Mannheim floh, um dort „unterzukriechen“ und zu schreiben. Später wurde er gefangen genommen. Seine Strafe musste er im Gefängnis Hohenasperg verbüßen, Über die sozialkritische Motivation seiner Dramen und Theaterstücke konnten sich die Achtklässler im Schloss Ludwigsburg ein Bild machen. Hofknicks, Spiegel, Stickereien, chinesische Vasen, vergoldete Wände und aufwendig gearbeitete Möbel boten einen Einblick in die Welt des Barock. Männer und Frauen trugen Seidenstrümpfe, schminkten sich und schritten auf hohen Absätzen daher. Wichtig war nur, die Aufmerksamkeit des Herzogs zu erlangen. Ein Leben in Luxus. Dafür wurde aber ein hoher Preis bezahlt. Die Bauern mussten mehr Steuern zahlen, junge württembergische Männer wurden als Soldaten verkauft. Fielen diese im Krieg, bekam der Herzog dafür am meisten Geld. Diese Situation findet sich in Dramen wie „Kabale und Liebe“ und „Die Räuber“. Absolutismus und seine ungerechten Folgen für das Volk werden hier greifbar. Ganz so kritisch mit der damaligen Situation mussten sich die Fünftklässler im Kinderreich des Ludwigsburger Schlosses nicht auseinandersetzen. Sie durften sich hineinfühlen in die feine Hofwelt zur Zeit Friedrich Schillers. Sie konnten sich als Prinz, Prinzessin oder königlicher Wachsoldat verkleiden. Mit schönen Gewändern, Ketten, Ohrringen, Fächern und Degen ging es in den Thronsaal. Dort durften sie, wie einst König Friedrich, würdevoll auf dem Thron Platz nehmen und zur Audienz bitten. Im Schlafgemach konnte man sich vom Regieren erholen, an einem besonderen Tisch Platz nehmen und sich mit Brettspielen die Zeit vertreiben. Gegenüber dem Ankleidezimmer wurde von den Schülern eine prächtige Tafel gedeckt. Den Abschluss bildete ein gemeinsamer höfischer Tanz, der alle in Kostümen ins Schwitzen brachte. Ein gelungener Tag, der jedem Schüler den großen Dichter und seine Zeit näher gebracht hat.

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