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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

CDU-​Studienreise führte nach Ägypten

Eine der großartigsten frühen Hochkulturen der Menschheitsgeschichte erlebten die Teilnehmer der Studienreise der Gmünder CDU unter Leitung von Arnold Haas. Sowohl anstrengende, aber interessante Besichtigungen als auch wunderbare Ruhe– und Erholungsphasen gehörten zu dem Aufenthalt.

Freitag, 26. Juni 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
3 Minuten Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (pm). Die Besichtigung Kairos, der Hauptstadt Ägyptens, bildete den Auftakt. Zwar wohnte die Gruppe nur ca. 500 m neben den Pyramiden in Gizeh, doch waren diese im morgendlichen Smog nur zu ahnen. Mit der Sultan Hassan Moschee, der Ibn Toulon Moschee (der ältesten im mesopotamischen Stil noch erhaltenen Moschee) und in der Al-​Azhar-​Moschee wurden die Reisenden ausführlich mit den jahrhundertealten Traditionen islamischen Lebens bekanntgemacht.

Ein Besuch in der koptischen Altstadt, wo die Christen in Kairo von einer Mauer umgeben leben, stellte die religiösen Unterschiede vor Augen. In der Abu-​Serga-​Kirche, einer frühchristlichen dreischiffigen Basilika soll in der Krypta unter dem Altarraum die Heilige Familie bei ihrer Flucht nach Ägypten gelebt haben.

Eine abendliche Tour mit einer Fahrt auf dem Nil und einem Bummel durch das Handwerkerviertel führte auch vorbei an der Tribüne, auf der Anwar el Sadat ermordet wurde. Die Besichtigung untermauerte das Gefühl der Gefahr durch Extremisten, die durch die ständige Anwesenheit zahlreicher Polizisten und Militärbegleiter vergegenwärtigt wurde.

Überwältigend war der Blick auf die Pyramiden, das letzte noch erhaltene Weltwunder der Antike am zweiten Tag. Die Größe jedes einzelnen Quaders, die Höhe der Bauwerke, ihre Ausgewogenheit und Proportionen löst ungläubiges Kopfschütteln aus, insbesondere wenn man bedenkt, dass alles ohne Krane und moderne Hilfsmittel geschaffen wurde. Eine unglaubliche Kulturleistung vor 4500 Jahren! Der Sphinx als Wächter der Pyramiden wurde 20 m hoch und 60 m lang aus dem Naturgestein des Steinbruchs herausgeschlagen. Die Reisenden ließen es sich nicht nehmen, die steilen Treppen zu einer Grabkammer hinabzusteigen. Der Grabschatz Tutenchamuns im Ägyptischen Museum rundete die Erfahrungen über die Macht und den Reichtum der Pharaonen ab, ehe die Reisegruppe mit dem Nachtzug nach Luxor, dem ehemaligen Theben, fuhr.

Dort begann die Tour im Tal der Könige auf dem Westufer des Nils, wo die Königsgräber in den Fels gehauen sind. Auch das Grab Tutenchamuns befindet sich dort. In der trockenen Wüstenluft blieben die Grabdekorationen erstaunlich gut erhalten. Der Totentempel der Hatschepsut im Tal der Königinnen und die Memnonkolosse hinterließen tiefe Eindrücke. Das Nilschiff Concerto sollte zum Quartier für die nächsten Tage werden, in denen es entlang herrlicher Palmenwälder, im Hintergrund eingesäumt durch Felsen und Sandberge der angrenzenden Wüste Nil aufwärts ging — Eindrücke, die unauslöschlich bleiben werden.

Zum größten und mächtigsten Heiligtum ganz Ägyptens wurde der Tempel des Amun von Karnak, an dem seit der 11. Dynastie (ca. 2000 v. Chr.) bis in die Römerzeit gebaut wurde. Obelisken, Pylone und 134 Säulen allein im Großen Säulensaal, die alle bis ins Detail mit Reliefs dekoriert sind, zeugen von der wirtschaftlichen Blüte und dem Wohlstand Ägyptens im „Neuen Reich“. Eine Allee, gesäumt von steinernen Widdersphinxen, führte einst bis nach Theben zum Luxortempel, dessen Eingang ein Obeliskenpaar bildete, heute jedoch nur noch von einem Obelisk geziert wird, weil der andere am Place de la Concorde in Paris steht.

Beschaulich ging es auf dem Schiff weiter in Richtung Assuan. Der ptolemäisch-​römische Doppeltempel von Kom Ombo und der hervorragend erhaltene Tempel des falkengestaltigen Gottes Horus in Edfu liegen sozusagen am Weg; bei Temperaturen von 46 – 48º Celsius führte nach jeder Besichtigung der direkte Weg zum begehrten Schiffspool.

Assuan, die Hauptstadt der südlichsten Provinz Ägyptens hat ein ganz eigenes Flair: Die bis ans Ufer reichende Wüste, dunkle Granitblöcke des Nilkatarakts, üppig begrünte Inseln, arabische Betriebsamkeit und der Gewürzbazar mit dem besten Hibiskustee – ein Fest für Augen und Nase! Der Besuch des Assuan-​Hochdamms führte zurück in die Neuzeit Ägyptens. Der Nil wird auf einer Länge von 500 km gestaut, der 5500 km² große Nassersee dient als lebenswichtiges Reservoir zu Trinkwasserversorgung und Bewässerung, die Kraftwerke versorgen ganz Oberägypten mit Elektrizität.

Der Bau bedeutete gewaltige Umwälzungen für die Bewohner – und Tempel – des alten Nubien. Mit Hilfe der UNESCO wurden 23 Tempel gerettet und an das höher gelegene Ufer versetzt. Die Bewohner wurden umgesiedelt und hoffen immer noch, wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Nach einer langen Fahrt durch die Wüste erreichten die Reisenden Abu Simbel. Die Tempel von Ramses II. bilden die größte und prachtvollste Tempelanlage Nubiens. Die Umsetzung 210 m landeinwärts der direkt in den Felsen gehauenen Heiligtümer mit ihrer pylonartigen Fassade mit 20 m hohen Kolossalstatuen bildete eine ungeheure Herausforderung an Ingenieure und Architekten.

Bei der Besichtigung des unvollendeten Obelisken im Nördlichen Granitsteinbruch wurde die Technik erfahrbar, wie diese riesigen Monumente aus einem Stein herausgehauen wurden. Genießen konnte man die Bootsfahrt zur Insel Neu-​Philae mit dem für die Göttin Isis errichteten Tempel, der als „Perle des Nil“ bezeichnet wird. 1977 wurden die Bauten von Philae auf die höher gelegene Insel Agilkia versetzt. Mit einer Feluke, dem landestypischen Segelboot auf dem Nil, erreichten die Teilnehmer Kitchener Island mit dem Botanischen Garten. Am Abend brachte der Nachtzug die Reisegruppe zurück nach Kairo.

Die einstige Hauptstadt Memphis und ihre Nekropole in Saqqara mit dem ersten Steinbau Ägyptens, der Stufenpyramide des Djoser (3000 v. Chr.) und den Mastaba Gräbern, in denen farbige Friese mit Reliefs das traditionelle Alltagsleben der Antike darstellen, bildeten den Abschluss dieser Studienreise, die „Habibi“, der ägyptische Reiseleiter fachkundig und immer freundlich begleitete.

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