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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Der Gmünder Dr. Jens Titze war am Experiment in Moskau für einen Flug zum Mars beteiligt

MdB Norbert Barthle freut sich über den Erfolg von „Mars 500“: Zwei Gmünder haben zum Erfolg beigetragen — und auch Kanzlerin Angela Merkel ist zufrieden!

Mittwoch, 29. Juli 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 11 Sekunden Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (pm). Am Mittwoch letzter Woche ging in Moskau ein denkwürdiges Experiment zu Ende: Nach 105 Tagen öffneten sich die versiegelten Türen bei „Mars500“, einer Studie, die die Bedingungen eines Fluges zum Mars zumindest teilweise simulieren sollte. Die sechs Teilnehmer — unter ihnen auch der Deutsche Oliver Knickel — halfen, die Auswirkungen einer monatelangen Isolation auf die Psyche, den Stoffwechsel und das Immunsystem zu erforschen.
Doch auch ein Gmünder war an diesem Projekt zentral beteiligt, wenn auch quasi ‚unsichtbar’: Dr. Jens Titze, ehemaliger Schüler am Parler-​Gymnasium und heute Wissenschaftler an der Universität Erlangen. Im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft– und Raumfahrt (DLR) war Dr. Titze für Auswahl, Aufbewahrung und Transport der gesamten Ernährung der sechs „Raumfahrer“ zuständig und vor allem auch für viele damit verbundene Experimente. Eine seiner zentralen Fragestellungen war, wie sich der Blutdruck auch bei normalen, gesunden Menschen entwickelt, wenn man den Salzgehalt auf die empfohlene Menge von sechs Gramm pro Tag reduziert. Dr. Titze: „Es war beeindruckend, wie der Blutdruck aufgrund der verringerten Salzaufnahme gesunken ist — ich bin sicher, dass diese Ergebnisse langfristig auch Auswirkungen auf unsere Humanmedizin haben werden.“
Was hat das alles mit Norbert Barthle zu tun? Dazu muss man wissen, dass Jens Titze am Parler-​Gymnasium sein Schüler gewesen ist. Und als es beim Transport der aufwändigen Kühlaggregate für die benötigte Tiefkühlkost zu Problemen kam, aktivierte Titze die Kontakte zum früheren Lehrer und heutigen Abgeordneten. „Wenn man sich die Stories von Jens Titze über die Zustände besonders beim russischen Zoll anhört, fühlt man sich fast in die Zarenzeit zurückversetzt,“ so Barthle. „Bestechung, Willkür — all das scheint an der Tagesordnung zu sein. Um ihm und seinem Projekt zu helfen, habe ich Kontakte ins Bundesforschungsministerium und vor allem zur deutschen Botschaft in Moskau vermittelt. Besonders letztere hat sich sehr engagiert und geradezu vorbildlich für das Projekt „Mars 500“ eingesetzt. Buchstäblich in letzter Sekunde vor dem Beginn des Projekts waren die Kühlschränke eingebaut, die Nahrungsmittel ebenfalls heil und vollständig durch den Zoll und das Experiment startklar.“
Da sich im Verlauf der Vorbereitungen zwei Wissenschaftlerinnen am federführenden Moskauer „Institut für medizinisch-​biologische Probleme der Russischen Akademie der Wissenschaften“ besondere Verdienste erworben hatten, lud das Deutsche Zentrum für Luft– und Raumfahrt beide als Dankeschön nach Berlin ein. Höhepunkt war ein Empfang bei Norbert Barthle und eine Führung durch den Reichstag. Wie es der — leicht gesteuerte — Zufall wollte, traf man dabei auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Barthle: „Als die Kanzlerin ‚russische Wissenschaftlerinnen’ hörte, war sie sofort Feuer und Flamme. Minutenlang unterhielt sie sich fließend auf russisch mit den beiden überglücklichen Wissenschaftlerinnen, fragte nach Moskau, dem Experiment und dem Besuch in Berlin. Natürlich stand sie dann auch gern für ein Erinnerungsfoto zur Verfügung.“ Dr. Jens Titze, derzeit noch in Moskau mit der Auswertung der Experimente beschäftigt, ergänzt: „Dieses Treffen, die Bilder, Berlin — sie sind auch nach Wochen noch immer Gesprächsthema hier im Moskauer Institut. Und für das Nachfolge-​Experiment im März 2010, volle 520 Tage in Isolation, kann diese Geste nur nützlich sein. Denn der russische Zoll hat sich nicht geändert…“

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