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Das „Theater der Dämmerung“ tritt mit Schiller-​Balladen in Lorch auf

Der Rezitator Friedrich Raad lädt ein, Schillers Balladenklassikern unvoreingenommen und mit den Maßstäben der Gegenwart wahrzunehmen. Vertieft werden die gefühlvollen und intelligenten Interpretationen mit den faszinierenden Mitteln des Schattentheaters.

Mittwoch, 08. Juli 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
1 Minute 43 Sekunden Lesedauer

THEATER (pm). Der Zauber ist da, überraschend, aber keineswegs abwegig. Wo feine Kräfte sinnvoll walten heißt dieser literarische Leckerbissen. Der geübte Schauspieler wird alle Register ziehen und verborgene Botschaften der poetischen Werke bloßlegen. „Wo feine Kräfte sinnvoll walten“ (ein abgewandeltes Zitat aus der Glocke „wo rohe Kräfte sinnlos walten…“) heißt dieses Schiller-​Balladenprogramm. Es vereint die bekanntesten Schillerballaden und dauert zwei Stunden.
Die Aufführung ist eine Mischung aus reiner Rezitation und Schattentheater, bei dem Friedrich Raad hinter der Leinwand die Balladen erzählt und zusammen mit einem Mitarbeiter die Scherenschnittfiguren führt. Die Inszenierung richtet sich an Erwachsene und Jugendliche ab 11 Jahren.
Schillerballaden, einst elementarer Bestandteil des Bildungsgutes, heute ein alter Hut? Die Balladen spielen im alten Griechenland, in Ägypten und im finsteren Mittelalter. Was hat der moderne Mensch unserer technisierten Gesellschaft mit diesen alten Zivilisationen noch zu tun? Äußerlich vielleicht wenig, aber auf der Gefühlsebene (und auf die kommt es uns ja an!) wird klar: der Mensch hat sich in den letzten Jahrtausenden kaum gewandelt. Noch immer wird er meist von niederen Trieben geleitet und ist unter einer dünnen zivilisierten Oberfläche das größte Raubtier auf unserem Planeten geblieben. Und das zeigt uns Schiller einprägsam und scharfsinnig in einigen seiner Balladen.
Aber der Idealist Schiller zeigt auch Möglichkeiten zur Veredelung des Menschen auf. Vorbildlich verhält sich der mutige Ritter Delorges im Handschuh; vorbildlich die gegenseitige Aufopferung der beiden Freunde in der Bürgschaft; vorbildlich die Tochter des Königs im Taucher, die dem Wahnsinn ihres Vaters Einhalt gebieten will.
Im harmonischen Zusammenwirken von beweglichen Scherenschnittfiguren und farbenprächtigen Bühnenbildern, von gefühlvollen Lichteffekten und stimmungsvoller Musik, vom lebendigen Erzählen, das nicht vom Band kommt, sowie von der gehaltvollen Tiefe der im Original belassenen Texte, entsteht ein Gesamtkunstwerk, das Alt & Jung in Bann zu ziehen vermag.
Der Schauspieler Friedrich Raad, Jahrgang 1962, leitet das Theater der Dämmerung. 1987 begann er in seiner Heimatstadt Stuttgart mit eigenen Scherenschnitten zu experimentieren; 1993 gründete er in Stuttgart das Theater der Dämmerung und übersiedelte 1998 nach Düsseldorf, von wo aus er nun sein Schattentheater mit fünf freien Mitarbeitern betreibt.

Theater der Dämmerung, „Wo feine Kräfte sinnvoll walten“. Mit klassischen Schiller-​Balladen als Schattenspiel auf dem Schillerplatz in Lorch, Samstag ‚11. Juli, 21 Uhr Freilichtbühne auf dem Schillerplatz, bei schlechter Witterung im Bürgerhaus.

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