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Bundestagskandidaten ganz privat (3): Distanz zum Beruf ist Manfred Steidle wichtig

Lokomotivführer, Feuerwehrmann oder Indianer wollte Manfred Steidle von „Die Linke“ als kleiner Bub werden. Und das ist er auch geworden. Ein bisschen zumindest. Von Nicole Beuther

Donnerstag, 20. August 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 4 Sekunden Lesedauer

OSTALBKREIS/​REMS-​MURR-​KREIS. Aber der Reihe nach. Als Grundschüler besuchte der heute 51-​Jährige die Stauferschule, später dann die Rauchbeinschule, wo er seinen Hauptschulabschluss erwarb.
„Die Lehrer waren bestimmt nicht zufrieden mit mir, ich war sehr vorlaut“, erinnert sich Steidle an seine Schulzeit zurück. Bei seinen Schulkameraden kam er gut an, so wurde er in der achten Klasse zum Schülersprecher gewählt. Diese Funktion hatte er auch während seiner Berufsschulzeit inne.
Gleichzeitig war er Jugendvertreter bei der Firma Mahle, wo er am 3. September 1973 eine Ausbildung als Werkzeugmacher begonnen hatte. 1979, er war 21 Jahre alt, wurde er in den Mahle-​Betriebsrat gewählt. Zwei Jahre später wurde er freigestelltes Betriebsratsmitglied, seit 2003 ist er Betriebsratsvorsitzender und damit Lokomotivführer (er lenkt), Feuerwehrmann (ist da, wenn’s brennt) und Indianer (er kämpft) zugleich. Hört sich stressig an und ist nicht jedermanns Sache — ganz klar: Für solch eine Aufgabe muss man geboren sein. So wie Manfred Steidle, der sich gerne dieser zeitintensiven Tätigkeit widmet. „Nach Alternativen suchen, Anrechte erhalten und verteidigen, Verbesserung der Arbeitsverhältnisse“ — hierüber kreist sein Denken — den ganzen Tag. Manchmal auch nach Feierabend.
Umso wichtiger sind Manfred Steidle die stillen Momente, für die er sich am Wochenende Zeit nimmt; dann ist ihm „etwas Distanz zum Beruf wichtig“. Als Ausgleich betreibe er „Extrem-​Relaxing“, wie er schmunzelnd erzählt. Zu deutsch: er dreht sich auf dem Sofa von einer Seite zur anderen. Gut abschalten könne er auch bei der Gartenarbeit oder beim Heimwerken. Und seine Familie ist ihm seit jeher wichtig. Die werden auch in Entscheidungen miteinbezogen, die die berufliche Zukunft von Manfred Steidle betreffen.
Als im November des vergangenen Jahres zwei Partei-​Mitglieder zu ihm kamen und fragten, ob er sich vorstellen könne, als Bundestagsabgeordneter zu kandidieren, sagte er: „Leute, lasst mich mal überlegen. Ich muss da auch mit meiner Familie darüber sprechen.“ Es war ihm wichtig, dass weder seine Frau, mit der er seit 1977 zusammen ist, noch seine Kinder (der Sohn ist 21 Jahre alt, die Tochter 23) ein Problem damit haben, wenn der Familienvater in Kürze von den Wahlplakaten lächelt und somit ja auch der Rest der Familie ein wenig in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt. „Wenn meine Frau ‘Nein’ zu alldem gesagt hätte, dann hätte ich es nicht gemacht“, so Steidle. Solidarität steht auch im Mittelpunkt seines politischen Denkens. „Sozialabbau hat mit Gerechtigkeit nichts mehr zu tun“, sagt er. „Ich bin realistisch“, blickt er auf die anstehenden Wahlen. „Fünf Prozent plus x wären schön.“ Steidles Ehrgeiz ist groß. Er mag seinen Beruf und auch die politische Arbeit. Das war schon in jungen Jahren so. Geprägt hat ihn damals sein sozialdemokratisches Elternhaus. Steidle selbst war von 1980 bis 2003 SPD–Mitglied. Nun ist es „Die Linke“, mit der er noch viel erreichen möchte. „Sind uns die Banken wichtiger als die Menschen?“, fragt Manfred Steidle, der eine ehrliche Politik fordert.

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