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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Oberbürgermeister Richard Arnold zählt inmitten der globalen Finanzkrise auf gmünderisch-​bürgerschaftliches Kapital

Oberbürgermeister Richard Arnold hat gestern die Stadt Schwäbisch Gmünd dazu aufgerufen, trotz der global– krisenhaften Rahmenbedingungen nicht schwarz zu sehen. Im Gespräch mit unserer Zeitung steckte das neue Stadtoberhaupt Maßnahmen ab, um den neuen Gmünder Schwung für die zukünftige Entwicklung beizubehalten. Von Heino Schütte

Donnerstag, 06. August 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
3 Minuten Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND. Richard Arnold reagierte damit auch auf den „Kassensturz“ für 2009 und 2010, den er, wie bereits berichtet, am Montag zusammen mit Stadtkämmerer Bantel bis tief in die Nacht durchgeführt hatte. Außerdem habe er nun in der ersten Amtswoche mit wichtigen Mitarbeitern erste Gespräche geführt. „Es darf im Rathaus auch gelacht werden“ und „Gmünder Zukunft mit Vielfalt und Offenheit“, so habe er hierbei als Parolen ausgegeben. Er sehe auch in der Stimmung der Bevölkerung nunmehr einen ganz neuen Schwung. Diese Aufbruchstimmung wolle er beibehalten und zugunsten der Zukunftsprojekte fortpflanzen.
Was die dramatische Entwicklung der Finanzsituation in den nächsten zwei Jahren anbelangt, unterstreicht OB Arnold: „Da stehen wir ja nicht als Alleinbetroffene da.“ Er verweist auf die Beispiele Aalen und jetzt auch Stuttgart, wo bereits Haushaltsperren verhängt worden seien. Auch Schwäbisch Gmünd habe sich vorsorglich bereits eine 20-​prozentige Bewirtschaftungssperre auferlegt. Zusammen mit dem Gemeinderat werde er baldmöglichst beraten und entscheiden, ob eine noch weitergehende Maßnahme nötig sei. Im Ältestenrat sei auch zu entscheiden, wann der Gemeinderat zu seiner nächsten Vollsitzung zusammenkomme. Ob dies innerhalb der Sommerferien stattfinden könne, sei fraglich. Aber sicher werde er nicht bis Oktober – wie zunächst im Sitzungsplan vorgesehen – zuwarten.
Seine Amtsführung werde er auch ganz sicher nicht von einer krisenhaften Stimmung prägen lassen. Arnold wörtlich: „Ich lasse mich und die Stadt Gmünd ganz sicher nicht von Zahlen erdrücken.“ Jetzt erst recht, so ergänzt der OB in einer ganz zentralen Zukunftsfrage, müsse die Stadt Schwäbisch Gmünd den schönen Traum von der Landesgartenschau in die Tat umsetzen. Mit Rücklagen und Kreditermächtigungen, so deutet er an, könne die Finanzkrise überbrückt werden, ohne die Jahrhundertchancen für Schwäbisch Gmünd aus den Augen zu verlieren. Sein Herzensanliegen, dies auch im Hinblick auf eine rasche Wiederaufbesserung der notleidenden Einnahmesituation: Ganz dringend müsse der Bevölkerungsschwund gestoppt werden. Es gebe seit Jahren einen verhängnisvollen Trend: Obwohl doch die Bauplatzpreise in Schwäbisch Gmünd durchaus absolut konkurrenzfähig seien, ziehe es junge Familien und Häuslebauer in Umlandgemeinden. Er habe sich schlau gemacht, worin die Ursachen dieses Phänomens liegen könnten. Unter anderem sei er hierbei zu dem Ergebnis gekommen, dass manche Bauvorschriften und Bauleitplanungen der Stadtverwaltung ganz dringend gelockert und die Wege für potenzielle Häuslebauer verkürzt werden müssten. Rückblickend schüttelt der neue OB den Kopf: „Es darf doch wohl nicht wahr sein, dass zugunsten von persönlicher Selbstverwirklichung einzelner Architekten von anderswo, enttäuschte Bürger von hier ihr Haus nicht in Gmünd, sondern im Nachbarort gebaut haben!“ Als aktuelles Beispiel nennt er das ideal gelegene Wohnbaugebiet Wetzgau-​West (unmittelbare Konkurrenz zum Boom-​Gebiet Mutlanger Heide), wo Häuslebauer mit strengsten Vorschriften regional beispiellos bevormundet sind. Überall sehe er, Arnold, in den vorhandenen Gmünder Baugebieten auch ein Geld für die Stadtkasse, das da „einfach im Boden liegt“ und in Form von Bauplatzerlösen in der gegenwärtigen Haushaltssituation dringend gebraucht werde. „Da könnten wir Millionen freisetzen.“ Auch in diesem Sektor der Kommunalpolitik wolle er sich für mehr Mut zur Vielfalt bemühen. Doch dazu brauche er freilich auch eine entsprechende, offene Haltung des Gemeinderats. Mit einer ganzen Reihe von konkreten Beispielen beschreibt der neue Oberbürgermeister Chancen, wie durch Gmünder Eigenart beziehungsweise das hier sehr ausgeprägte bürgerschaftliche Kapital die so genannte Finankrise ad absurdum geführt werden könnte.
So sei beispielsweise die Wallfahrtsstätte St. Salvator landesweit ein Kleinod, das dringend auf eine Rettungssanierung und würdige Erschließung für Besucher warte. Er freue sich, dass bei einem Besuch anlässlich seiner Amtseinsetzung die Herzogin von Württemberg mit einer Spendenzusage einen Impuls gesetzt habe, die notwendigen Mittel für die Bewahrung und Restaurierung dieser historischen und sakralen Stätte zu erhalten. Schon seien weitere Spendenzusagen erfolgt. Bei der jüngsten Führung des Naturkundevereins hätten sage und schreibe 150 Gmünder ihr lebhaftes Salvator-​Interesse bekundet.
Weiteres Beispiel: Einfach nur riesig toll sein Empfinden, als er am Dienstag auf der ersten Seite in der Rems-​Zeitung den Bericht über die Initiative von Stadtrat Alexander Schenk und Jungbürger Lukas Gundling gelesen habe. Die beiden Gmünder haben Ideen entwickelt, um im Zuge des Tunnelbaus auch die historische Stadtmauersituation im Osten Gmünds im Bereich der Leonhardsvorstadt zu rekonstruieren. Hierzu haben die beiden Heimatverbundenen auch die Gründung eines Fördervereins angeregt.
OB Richard Arnold sagte gestern, dass er sich schon in den nächsten Tagen mit den beiden Initiatoren treffen wolle, um die Idee zu erörtern und fortzuentwickeln.

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