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Lokalnachrichten

» Sport | Montag, 25. Oktober 2010

20. Schwäbisch Gmünder Alb-​Marathon: Polizei jagte allen davon und anschließend auch noch Rindviecher

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Leiden, Glück und viele Tränen aus beiden Gefühlswelten eines solchen Extremlaufs bis zu 50 Kilometern und 1070 Höhenmetern. Auch der Rekord-​Albmarathon 2010 mit 1882 Teilnehmern schreibt wieder viele Geschichten, die sich unterwegs und am Wegesrand abspielen. Von Heino Schütte

Sowohl bei Spitzenathleten als auch Freizeitsportlern aus ganz Deutschland und darüber hinaus hat er fast schon Kultcharakter. Egal ob’s um jede Sekunde geht oder auch „nur“ nach siebeneinhalb Stunden ins Ziel zu gelangen, um einen ganz persönlichen Sieg zu feiern, es gibt nur Gewinner. Doch es sind auch kleine Tragödien, die beispielsweise der einsame DJK–Streckenposten Albert Heinzmann in der unendlich erscheinenden Weite des Aasrückens erlebt, wenn der eine oder andere Ultraläufer sich vernünftigerweise zur Aufgabe entscheidet. Denn Regel Nummer eins beim Marathonlauf heißt: Sorgfältig auf die Signale des Körpers hören. Dann greift Heinzmann als einer von vielen unscheinbaren Helfern am Wegesrand ein. Der Streckenposten hört immer auch auf sein Handy. Er ist als Chauffeur eingeteilt, um Albmarathonläufer, wenn sie nicht mehr weiterkönnen, „heim“ nach Gmünd zu bringen. Der Ehrenamtliche war am Samstag jedoch selbst ein wenig angeschlagen, denn der engagierte Gmünder hätte auch gerne bei der Salvator-​Putzaktion geholfen.
Der Albmarathon steht und fällt mit Hunderten von Organisatoren, Helfern und Streckenposten. Eine Meisterleistung bereits an sich. Wo nur, so fragen sich viele, schlafen eigentlich die überwiegend auswärtigen Sportler. Es gibt eine Sammelunterkunft. Auch ist die Veranstaltung Wirtschaftsfaktor für Einzelhandel und die Gastronomie, denn einige Hotels sind am Marathon-​Wochenende komplett ausgebucht. Draußen im Schießtal zeigt auch der überfüllte Wohnmobilparkplatz eine weitere beliebte Herbergsart. Auch private Unterkünfte gibt es. Viele Freundschaften haben sich entwickelt. Der Albmarathon macht Werbung, auch für Schwäbisch Gmünd und das Stauferland insgesamt. Viele kommen wieder, bringen Familie und Freunde mit.
Das registrierte auch Dr. Christof Morawitz, Vorsitzender des Handels– und Gewerbevereins und als Sparkassendirektor auch Vertreter des Hauptsponsors beim „Sparkassen-​Albmarathon“. Noch vor dem Startschuss auf dem Marktplatz hatte er, wie er erzählte, selbst einen Spurt hinlegen müssen. Nämlich, um rechtzeitig durch die zugeparkte und verstopfte Innenstadt zum Start zu gelangen. Angesichts einer so vollen Stadt lacht natürlich das Herz des HGV–Chefs. Und er hat’s dem Moderator gewiss verziehen, der dem Sponsor-​Vertreter sogleich einen neuen Vornamen gab und herzlich Herrn Dr. Mora Morawitz begrüßte.
Ein Marathoni lief sich am Samstag ganz besonders in die Herzen der Zuschauer: Der blinde Spitzensportler Anton Luber, der sich von einem Begleiter über die Dreikaiserberge lotsen ließ. Eine unglaublich tolle Leistung, die das Publikum sehr verblüffte.
Verblüffend in diesem Jahr auch das inoffizielle „Blautlichtrennen“ von Polizei und Hilfsorganisationen, die jeweils Stafetten-​Teams ins 50-​Kilometer-​Rennen schickten. Nachdem die Feuerwehr im letzten Jahr schneller war, als die Polizei erlaubte, sprach Revierleiter Helmut Argauer ein Machtwort und drohte sogar, seinen teilnehmenden Beamten das Vesper zu streichen. Die Gmünder Polizei entwickelte sich in den letzten Monaten also zu einem Albmarathon-​SEK und jagte allen davon: Platz eins bei der Team-​Wertung, in den weiteren Platzierungen nacheinander gefolgt von der Bergwacht, der Gmünder Feuerwehr, der Wetzgauer Feuerwehr und vom Technischen Hilfswerk. Schlusslicht THW muss nicht traurig sein, den Ortsbeauftragter Andreas Hager nahm trotz seines fortgeschrittenes Alters als Einzelläufer die 25-​Kilometer-​Strecke auf den Hohenrechberg in Angriff. Im Sauseschritt konnte der THW–Chef dabei auch mit Zufriedenheit kontrollieren, wie gut die Verpflegungsstationen seiner Jungs und Mädels funktionieren.
Die Verpflegungsstellen waren für die rund 300 Staffelläufer auch beliebte Übergabestationen. Einfach nur herzig, wie sich dort Verwandte, Freunde und Partner einfanden, um ihre ganz persönlichen Favoriten mit Küsschen und Schulterklopfen zu empfangen.
Starke Leistung: Prof. Dr. Holger Hebart, Chefarzt am Stauferklinikum Gmünd hat als Riesenkerl nicht gerade die optimale Marathonfigur, doch er bewältigte den Königslauf über 50 Kilometer und mit sechs gewaltigen Berganstiegen in 4,42.29 Stunden und damit in einer tollen Zeit. Er widmete seinen Albmarathon übrigens nicht sich selbst, sondern für die Werbung zugunsten des Fördervereins Onkologie. Es gab witzige Diskussion, ob diese vierbeinige Begleitung unter Dopingverdacht fallen könnte. Ein Langstreckensportler führte seinen augenscheinlich begeisterten Vierbeiner an der Leine mit. In der Größenordnung eines so genannten Wadenbeißers wäre der auch durchaus einsetzbar gewesen, um das Herrchen bei Ermüdungserscheinungen oder Krämpfen auf Trab zu halt.
Den ganzen Tag über betrachteten auf den Weiden links und rechts zahlreiche Rindviecher sehr überrascht die rennenden Menschenschlangen. Möglicherweise war es der tierische Nachahmungstrieb, der einige Kühe am Spätnachmittag dazu bewog, die Weide zu verlassen und zwischen Lenglingen und Hohenstaufen auch durch die Gegend zu rennen. So jagte die Polizei nicht nur als Teamsieger durchs Ziel, sondern durfte sich abschließend auch noch als Kälblesjäger betätigen – aber gewiss nicht für das von Helmut Argauer in Aussicht gestellte Vesper im Gmünder Polizeirevier.
 

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