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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Montag, 04. Oktober 2010

Rüdiger von Fritsch war am Sonntag, 3. Oktober, Tag der Deutschen Einheit, zu Gast im Gmünder Rathaus

Gestern gab Rüdiger von Fritsch, der neue deutsche Botschafter in Warschau, eine Vorlesung im Gmünder Rathaus von seinem Buch „Die Sache mit Tom“ , mit einer anschließenden Diskussionsrunde.

SCHWÄBISCH GMÜND (ana). Unter den Zuhörern waren auch Gäste aus der französischen Partnerstadt Antibes, die das Wochenende in Gmünd verbracht hatten.
Oberbürgermeister Richard Arnold hielt eine Begrüßungsrede, in der er erwähnte, dass er bis vor einem Jahr noch nichts von dem Buch wusste, bis ihn Inge Eberle darauf aufmerksam gemacht hatte. Rüdiger von Fritsch hatte schon einmal an die Pforten des Gmünder Rathauses geklopft, doch damals noch kein Gehör gefunden. Der Autor des Buches, der einen Teil seines Lebens in Schwäbisch Gmünd verbracht hatte und Schüler des Parler – Gymnasiums war, fühlt sich immer noch als Gmünder, auch wenn er seit langer Zeit nicht mehr in der Stadt lebt und sozusagen „in der Welt zu Hause ist“. Dies führte den Oberbürgermeister zum Spruch „einmal Gmünder, immer Gmünder“. Damals viel es Rüdiger von Fritsch schwer sich in Schwäbisch Gmünd einzugewöhnen, weil ihm unter anderem der schwäbische Dialekt Schwierigkeiten bereitete, da er ursprünglich nicht aus dem Schwabenland kommt. Nach seiner Zeit auf dem Parler-​Gymnasium ging er nach Salem, wo er dann sein Abitur machte. Außerdem arbeitete er drei Jahre für den BND.
Ehrengäste des Vormittags waren unter andrem Herr Böhnler und der Professor Lutz. Richard Arnold rief in seiner Rede dazu auf, sich zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit zu besinnen, da der Mauerfall nicht nur Deutschland einigte sondern auch zur Einigung von ganz Europas führte. Auch sagte er, dass jeder wisse wo er an eben diesem bedeutsamen und emotionalen 9. November gewesen war, so hielt sich Richard Arnold selbst im Ausland auf, wo er auch dort unter der Bevölkerung merkte, dass niemand mit diesem überraschenden Ereignis gerechnet hätte.
In dem Buch „Die Sache mit Tom – Eine Flucht in Deutschland“ von Rüdiger von Fritsch geht es darum, dass er seinem Vetter Thomas, kurz Tom, der in der DDR lebt, und dessen beiden Freunden Maximilian und Bernd zur Flucht verhelfen will. Im Buch findet sich das treffende Zitat „Die DDR war so nah und doch so fern“, heißt, die DDR grenzte zwar an die Bundesrepublik Deutschland, doch jemandem aus dem Land zur Flucht zu verhelfen war nicht nur schier unmöglich, sondern auch äußerst gefährlich.
In dem ersten Teil, den Fritsch aus seinem Buch vorlas, wird die Fahrt von ihm und seinem Bruder Burkhardt nach Bulgarien beschrieben.
Der Plan bestand darin, den drei Fluchtwilligen gefälschte Pässe auszuhändigen, in denen, wie bei den echten Pässen, die Einreisestempel von Bulgarien enthalten waren. Die drei Jugendlichen aus der DDR sollten sich so in drei westdeutsche Bürger verwandeln, die auf der Durchreise durch Bulgarien in die Türkei waren. Alles schien glatt zu laufen bis Rüdiger und sein Bruder sahen, dass die Stempelfarben sich geändert hatten und sich ihre eigenen, echten Stempel im Pass von denen zuvor in Deutschland selbst abgestempelten, gefälschten unterschieden. Eben diese Pässe zeigte Rüdiger Fritsch seinen Zuhörern im Saal und erklärte, wie er mit Radiergummis die Stempel fälschte und wie er bei den Pässen die originalen gegen neue Fotos austauschte.
Thomas ist der zwei Jahre jüngere Vetter von Rüdiger von Fritsch. Die beiden lernten sich bei einem Besuch der Familie in der DDR in Thüringen kennen und hielten den Kontakt mittels Briefen aufrecht.
Tom wollte Rechtswissenschaft in der DDR studieren, doch er hatte nicht das Recht auf freie Berufswahl, weil er sich sehr kritisch gegenüber der DDR verhielt und kein Parteifreund war.
Aufgrund dieser drastischen Einschränkung, unter der auch seine Freunde Maximilian und Bernd zu leiden hatten, entstand der Wunsch nach dem Armeedienst zu fliehen. Die Eltern von Rüdiger wussten nichts von ihren Tätigkeiten. Der Kontakt zwischen den Fluchtwilligen im Osten und den Fluchthelfern im Westen erfolgte durch Briefe und Treffen im Osten, wobei auch eine Margrit Schaller den jungen Männern behilflich war.
Für Rüdiger von Fritsch stellte sich nie die Frage „ob“ er seinem Vetter und dessen Freunden helfen solle, sondern „wie“, da die Verständigung und eben dann das Fälschen der Pässe sich als problematisch erwies.
Nach dem ersten gescheiterten Fluchtversuch, wegen der Farbe des Stempels, machte Rüdiger von Fritsch ein Praktikum bei der Diakonie, wobei er auch in dieser Zeit weiterhin die Flucht seiner Freunde aus der DDR plante.
 

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