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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Eine letzte Erinnerung an die Wiesenthalhütte übergab Walter Stütz dieser Tage an Kurt Scholze

ubilare werden beschenkt. Im allgemeinen. Architekt Walter Stütz aber, der in diesen Tagen den 90. Geburtstag feierte, überreichte Gratulant Dr. Kurt Scholze eine letzte, auch ideell wertvolle Erinnerung an die Wiesenthalhütte – einen 11,2 Kilogramm schweren, kalbskopfgroßen Bleikristallklotz.

Donnerstag, 11. Februar 2010
Rems-Zeitung, Redaktion
1 Minute 21 Sekunden Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Im Gespräch mit der RZ erinnerte sich Walter Stütz gestern an die Zeit, in der er für die damalige ZF den Neubau einiger Produktionsanlagen im Gmünder Osten plante. Dafür mussten Teile der alten Wiesenthalhütte weichen, und im Zuge der Abbrucharbeiten wurde in den Überresten von Kamin und Schmelzofen ein letzter großer Klumpen reines Bleikristall in der längst erkalteten Glut gefunden und Gerhard Kühn übergeben, ZF-​Chef der Jahre 1978 bis 1981. Kühn wiederum schenkte das Erinnerungsstück seinem Architekten, mit dem er befreundet war und von dem er wusste, dass er dieses Zeugnis eines buchstäblich glänzenden Kapitels der Stadtgeschichte in Ehren halten würde. Und so geschah es, lange Zeit.
Erst jetzt trennte sich Walter Stütz vom wohl letzten Wiesental-​Glas. Anlässlich seines 90. Geburtstags übergab er das seltene und selten schwere Stück an Dr. Kurt Scholze und damit dem Archiv der Arbeitsgemeinschaft Osten. Dieses „Archiv Osten“ ist eigentlich gefährdeten Dokumenten, Urkunden, Zeitzeugenberichten vorbehalten, doch für dieses Fundstück wird gerne eine Ausnahme gemacht.
Zur Erinnerung: Die im nordböhmischen Wiesenthal gegründete Hütte gleichen Namens erarbeitete sich nach dem zweiten Weltkrieg in Gmünd eine neue Heimat und eine neue Blütezeit, ja entwickelte sich zu einer der führenden Hütten Westdeutschlands mit ausgeprägtem eigenen Designprofil, das das Erscheinungsbild der Glasgestaltung dieser Jahre entscheidend prägte — was natürlich dem gesamten Standort Gmünd gut tat. Verantwortlich für den Erfolg des Unternehmens und für die meisten der realisierten Entwürfe war Klaus Breit, der profunde Kenntnisse als Chemiker und Glastechniker mit ausgeprägtem künstlerischen Talent verband. Breit war es auch, der in Kooperation mit dem Glasmuseum Hentrich alle wichtigen Modellen der Wiesenthalhütte aus den Jahren zwischen 1957 und 1989, sowie Hüttenarchiv und Produktionskataloge für die Nachwelt sicherte. Nicht nur in Gmünd also ist die Wiesenthalhütte unvergessen.

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