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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Verstärkt müssen auch Polizeibeamte aus dem Ostalbkreis die Stuttgart-​21-​Baustelle bewachen — und fehlen im regulären Dienst

Der Protest gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 mit all seinen Begleiterscheinungen hat immer stärker auch Auswirkungen bis in den Raum Gmünd hinein. Auch hier wird demonstriert. Auch hier schimpfen Bürger über die Protestaktionen, weil sie in Stuttgart in Blockaden festsitzen und Termine verpassen. Und die Polizei aus dem Ostalbkreis wird in der unruhig gewordenen Schwabenmetropole verstärkt um Unterstützung gebeten.

Dienstag, 07. September 2010
Rems-Zeitung, Redaktion
1 Minute 49 Sekunden Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Freilich nicht nur für Stuttgart 21, so beschreibt der Pressesprecher der Polizeidirektion Ost-​albkreis, Bernhard Kohn, sei jene Alarmhundertschaft vorgesehen, die im Bedarfsfall mit Beamten aus den Kreisen Ostalb, Heidenheim und Göppingen besetzt werde. Sie stehe unter der Führung der Polizeidirektion Aalen. Wenn diese Alarmhundertschaft ausrücken müsse, dann trommle die Führung Beamte sowohl aus dem regulären Dienstbetrieb als auch aus der Freizeit zusammen. Es sei in der Tat so, dass diese Hundertschaft immer wieder nach Stuttgart gerufen werde, um dort den Hauptbahnhof und die Protestaktionen abzusichern.
Dem Augenschein nach sind auch außerhalb der Großdemos ständig etwa 200 Beamte am Ort des Geschehens, denn es kommt immer wieder zu spontanen Blockaden oder teils halsbrecherische Aktionen der S-​21-​Gegner. Der genaue Umfang der Polizeikräfte ist Geheimsache.
Bernhard Kohn bestätigt jedoch die Einschätzung, dass dieser umfangreiche Einsatz zur Folge habe, dass Beamte auch im täglichen Streifen-​, Revier– und Postendienst für andere Aufgaben verstärkt fehlen. Und die eh angespannte Personalsituation bei der Polizei ist gewiss kein Geheimnis. Die zusätzliche Belastung für den einzelnen Beamten sei enorm. Als Beispiel nennt Pressesprecher Kohn den jüngsten Einsatz der Alarmhundertschaft aus dem Ostalbkreis in Stuttgart. Die eigentliche Wachschicht sei zwar „nur“ von 14 bis 22 Uhr vorgesehen gewesen. Doch schon zwei Stunden vorher müsse man sich ja sammeln und ausrüsten. Und aus 22 Uhr sei wegen eines Zwischenfalls dann 2 Uhr nachts geworden. Da komme bei den Beamten und den Familien daheim natürlich alles andere als Freude auf. Verrechnet werde das Ganze zwar als Überstunden oder auch mit einer Auszahlung. Doch das belaste ja auch wieder Zeit– und Finanzetat. Kohn: „Wir alle hoffen, dass sich der Protest nicht verfestigt und zu einer jahrelangen Erscheinung wird wie damals in Mutlangen.“
Praktisch die gesamten 80er Jahre hindurch hielt die Stationierung der Pershing-​II-​Atomraketen und die heftigen Protest– und Blockadeaktionen die Polizei am und im Raketendepot Mutlanger Heide in Atem. 2999 Blockierer und Eindringlinge wurden seinerzeit festgenommen.
Bernhard Kohn und die Alarmhundertschaft rechnen in nächster Zeit mit weiteren S-​21-​Einsätzen, wie dies bereits in Kurzformel heißt. Am umstrittenen Bauzaun eingesetzte Beamte aus Gmünd berichten, dass der Protest überwiegend sehr friedlich verlaufe. Was jedoch bei den Diensten dort sehr beschäftige, seien unendliche Diskussionen mit Demonstranten und Passanten, die sich wegen der S-​21-​Frage teils auch schon untereinander heftig in die Haare bekommen haben.

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Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 3704 Tagen veröffentlicht.


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