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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 31. März 2011

Otto Gittinger wäre heute 150 Jahre alt geworden: Erinnerung an den einstigen Stadtpfarrer und Mundartdichter

Otto Gittinger wurde vor genau 150 Jahren geboren, am 31. März 1861. Abgesehen vom Otto-​Gittinger-​Raum im Augustinus-​Gemeindehaus erinnert wenig an den einstigen Gmünder Stadtpfarrer und Mundartdichter, der hier 34 Jahre lang bis zu seinem Tod 1939 wirkte und lebte.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Sein Geburtsort Lauffen am Neckar, oder auch Baiersbronn-​Mitteltal, wo er nur 14 Jahre lang wohnte, widmen ihm immer wieder Vorträge und Veröffentlichungen. Wer hingegen im Gmünder Raum an Otto Gittingers Lebenslauf interessiert ist, hat nur eine Chance – und das große Glück, dass der Mann drei Mundartbüchlein und die schwäbische Übersetzung eines Petrusbriefes veröffentlicht hat und damit ganz selbstverständlich in Reiner Wielands Schriftgutarchiv Ostwürttemberg verewigt ist.
Der junge Otto Gittinger ging einen Weg, den viele begabte Söhne Württembergs gegangen sind. Das Talent des Leitermacher-​Sohns fiel auf; er legte das Landesexamen ab und wurde dann in der Klosterschule Maulbronn aufs Seminar in Blaubeuren vorbereitet. Zwei weitere Jahre besuchte er ab 1877 das evangelisch-​theologische Seminar in Tübingen. Als angehender Student konnte er seine Militärdienstzeit in einem Jahr hinter sich bringen, dann studierte er ebenfalls in Tübingen Theologie.
1884 wurde er Vikar in Fellbach, und schon damals bescheinigte ihm sein Pfarrer Sorgfalt, die Kunst der freien Rede, Bescheidenheit und eine Liebe für Spaziergänge. Auch der Dekan in Cannstatt stellte ihm ein gutes Zeugnis aus. Im Mai 1885 wurde er kurzfristig nach Giengen beordert, wo er seine Zukünftige kennenlernte, die Pfarrerstochter Marie Hochstetter. Bereits im November 1885 sandte man ihn als Pfarrverweser nach Mitteltal.
Hier gefiel’s ihm ausnehmend gut. Als drei Jahre später ein Pfarrhaus gebaut und eine Pfarrstelle eingerichtet wurde, erhielt Gittinger diese Stelle. Er konnte nun endlich heiraten und eine Familie gründen. So wohl fühlte er sich im Schwarzwald, dass er die Mundart des oberen Murgtals lernte und schließlich damit begann, Erlebtes, aber auch seine Gedanken in Versform oder in Kurzgeschichten aufzuschreiben. Freunde und Bekannte drängten ihn schließlich, das erste Bändchen zu veröffentlichen. „So semmer Leut“ war bereits nach zehn Tagen vergriffen, und offenbar nahmen ihm einige Mitteltaler seine Charakterisierungen sehr übel — er hat wohl in dichterischer Freiheit einiges überzogen dargestellt. Er beantragte schließlich seine Versetzung, kam für sechs Jahre nach Hohenstaufen und wurde dann 1905 III. Stadtpfarrer in Gmünd; seine Kollegen waren die Pfarrer Lamparter und Schöll, denen Schneider, Häring, Mändlen und Stäbler folgten. Das erste Kind der Gittingers, ein Sohn, kam tot zur Welt und beinahe hätte auch die junge Ehefrau diese Geburt nicht überlebt. Später brachte sie vier Töchter zur Welt. Die Ehe galt als glücklich, die Familie hielt zusammen.
Als Otto Gittinger in seinem ersten Gmünder Jahr den Gedichtband „Schwobaleut“ veröffentlichte, hatte er als Mundartdichter bereits einen Namen. In Gmünd war er nicht zuletzt Seelsorger für Gotteszell, danach Militärseelsorger für die Garnison Gmünd, was ihm sehr lag. Unter anderem der Feldgottesdienst, den er als Garnisonspfarrer mit seinem katholischen Amtsbruder am 5. August 1914 vor dem Ausmarsch zweier Bataillone des Feldregiments 180 hielt, machte wohl großen Eindruck, wurde die Liturgie doch als Broschüre gedruckt. Für viele der Soldaten, die er verabschiedet hat, hielt er später die Trauergottesdienste. Die Gmünder begannen damit, ihn „Gläuble“ zu nennen, er war ja auch ein überzeugter Christ, der seinen Glauben lebte. König Wilhelm verlieh dem Wahl-​Gmünder — als solcher sah er sich längst — 1916 das Wilhelmskreuz, und 1918 wurde er zum Stadtpfarrer ernannt. Unvergessen bei vielen Gmünderinnen, die in dieser Zeit groß geworden sind, ist, dass er ihnen in seiner Tätigkeit als Religionslehrer Gedichte in die Poesiealben schrieb.
Mit 65 Jahren, 1926 trat er in den Ruhestand, kurz nachdem er den Gedichtband „Von dem ond sellam“ veröffentlicht hatte. Später widmete er sich der Übersetzung des Neuen Testaments ins Schwäbische; davon wurde nur ein Auszug zum 1. Petrusbrief gedruckt: „Wia der Jesus den Haufa Leut g’seha hot, ischt er da Berg nuf g’stiega. Owa am Hang ischt er na g’sessa on seine Jenger om an rom. No hot er a’fanga predicha on hot g’sait: Selich senn dia, wo iar enwendiche Armuat zu Gott treibt, dia kriaga amol der Hemmel en’s Herz.“
1939 starb Otto Gittinger, betrauert unter anderem von seinen Töchtern. Seine Frau war ihm vorausgegangen.

Veröffentlicht von Rems-Zeitung, Redaktion.
Lesedauer: 171 Sekunden.

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Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 2785 Tagen veröffentlicht.


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