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Bewegende Hommage an Hubert Beck: Münsterchor singt Gounods „Messe solennelle“

Ein tief berührender Gottesdienst: Als Herzstück des Festivals eine Eucharistiefeier des Gedenkens für den am 29. Mai verstorbenen KMD Hubert Beck, der die Messvertonung ausgesucht und bereits eingeübt hatte.

Montag, 25. Juli 2011
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 25 Sekunden Lesedauer

KONZERT (-ry). Eine bewegende Hommage deshalb: mit Stephan Beck als Dirigent und Witwe Gerda Beck, im Alt des Münsterchores mitsingend. Erstmalig sang der Münsterchor im Altarbereich, dem ihm angemessenen liturgischen Platz (Chorraum). Die musikalischen Hauptwerke passten so recht zueinander: Léon Boëllmanns Suite gothique op. 25, jenes viersätzige, höchst kunstvolle Orgelwerk, von Susanne Rott mit feinem Gespür für (gemessene!) Tempi, „französische“ Registrierung und Struktur gespielt, und die berühmte „Cäcilienmesse“, die „Messe solenelle de Sainte Cécile“ von Charles Gounod — eine wahrhafte solemnis mit großem Orchester (auch Piccoloflöte, Harfe, großer Trommel und Becken).
Die Sinfonietta Tübingen war ja seit Jahren instrumentaler Partner in den Aufführungen Hubert Becks; diese Kooperation macht sich einfach bezahlt. Im beiderseitigen Wirken und mit der Orgel gab es kolossale Eindrücke. Der verstärkte Münsterchor nahm im Gedenken an seinen seitherigen Chordirektor die Aufgabe engagiert an.
Stephan Beck dirigierte mehr als angemessen: klare sparsame Gestik, ohne Allüren eher zurückhaltend, also konzentrierend, um dann im Forte zupacken zu können. Seine Ästhetik entsprach vollkommen der Musik, erweckte sie gleichsam zu blühendem Leben. Zwei Mal wurde man an den Vorabend mit Brahms erinnert: Dessen antikatholischer Affekt stand im Kontrast zu Camille Saint-​Saëns’ respektvoller Spiegelung der Uraufführung: „Die Aufführung der Cäcilienmesse rief eine Art Benommenheit hervor. Diese Einfachheit, diese Größe, dieses reine Licht, das sich über die Musikwelt wie eine Dämmerung breitete, setzte die Leute sehr in Erstaunen: Man fühlte, dass hier ein Genie tätig war … Glänzende Strahlen gingen von dieser Messe aus … Zunächst war man geblendet, dann berauscht und schließlich überwältigt.“ Das traf genau den Kern der Eucharistiefeier im Heilig-​Kreuz-​Münster. Schon eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn war kaum noch ein Platz zu finden; es musste tüchtig nachbestuhlt werden.
So war Münsterpfarrer Robert Kloker im Glück, als er die „lieben Freundinnen und Freunde der Kirchenmusik“ begrüßte und in seiner Predigt das „hörende Herz“ der Lesung um dieselbe Bitte des weisen Königs Salomo an Gott auslegte: Mahnung an die soziale Kompetenz der Regierenden, auch der Kirche, auch als Spiegel für uns. Der „Sitz des Gefühls greift zu kurz“; es geht um Weisheit und Einsicht.
Der wertvolle Dienst der Kirchenmusik war ein Schlüssel dieses erfüllenden Gottesdienstes. Die zweite Erinnerung an das Brahms-​Requiem: Die wunderbare Lyrikerin Ryoko Wakatsuki (Sopran) hätte uneingeschränkt besser gepasst. So konnte man ihre hohe Kunst wenigstens am Sonntag genießen.
Jens Ellinger, der „Haus“-Tenor des Münsterchores, sang seinen Part mit Respekt und fügte sich auch ins Soloterzett gut ein. Sein schlanker Tenor passte so recht zum Strömen des Sanctus’. Man hätte ihm noch mehr innere Ruhe gewünscht. Mit Teru Yoshihara sang ein weiterer japanischer Solist. Sein tragender Bassbariton komplettierte das Terzett vollkommen. Stephan Beck begleitete vorzüglich, so dass sich Solisten und Chor gleichermaßen entfalten konnten. Die Korrespondenz von Raum; Melodik, Rhythmik und Harmonik der herrlichen Partitur mit Chor (zuweilen liturgisch-​einstimmig, dann sogar summend), Orchester (gleichermaßen in Soli oder Tutti glänzend) und Orgel bescherten einen nachhaltigen Eindruck — immer eingedenk der Gemeinschaft der Heiligen, also auch in der über das Grab hinausreichenden Verbundenheit mit Hubert Beck. Allein das Amen des Credo hatte Symbolcharakter.
Gemeindegesang sowie Intonationen und Begleitung der Orgel taten ein Übriges zum heiligen Spiel der Liturgie, der Gott feiernden und deshalb von ihm beschenkten Gemeinde. Dass man in den Fürbitten auch des verstorbenen Chorleiters sowie der Opfer der norwegischen Tragödie gedachte, wurde als besonders berührend mitvollzogen — alles zur Gloria Dei, der Ehre Gottes.

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Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 3414 Tagen veröffentlicht.


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