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Die Schlacht bei Waldstetten am 1. September 1449 — eine Ausstellung in der Grät

Es gibt keinen Jahrestag und auch sonst keinen Anlass, auch nicht das Stadtjubiläum. Doch die Sache ist interessant genug, um sie ins Licht zu rücken: die Schlacht bei Waldstetten am 1. September 1449. Zumal es Walter Wentenschuh gelang, das für die Gmünder einschneidende Ereignis in einer Ausstellung schön zu veranschaulichen.

Dienstag, 05. Juli 2011
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 26 Sekunden Lesedauer

AUSSTELLUNG (rw). Walter Wentenschuh hat schon einige Ausstellungen realisiert. Bei seiner Tätigkeit für das Waldstetter Heimatmuseum vor einigen Jahren stieß der Grafikdesigner auf die Schlacht von Waldstetten. Die ist zwar nicht unbekannt, zumal sie die Reichsstadt Schwäbisch Gmünd teuer zu stehen kam, aber bislang wurde sie eher trocken abgehandelt. Historische Fundstellen gibt es eher spärlich, weil der Gmünder Rat anno 1828 den größeren Teil der reichsstädtischen Akten als Altpapier verhökerte. Sie waren damals in der Grät eingelagert, vermutlich brauchte man den Platz.
Davon gibt es in dem großen Fachwerkhaus heute reichlich. Wentenschuh, der über die Schlacht eine Ausstellung machen wollte, und der Maler Hans Kloss haben dort Büro und Atelier, kamen ins Gespräch, und der Künstler imaginierte die Schlacht von Waldstetten als erstes Werk seines im Entstehen begriffenen „Gmünder Epos.“ Das war vor über zwei Jahren.
Die Historiker Klaus Graf, Ulrich Müller und Stadtarchivar Klaus-​Jürgen Hermann leisteten fachlichen Beistand, der Mittelalter-​Musiker Albert Dannenmann (von „Geyers“ und „Blackmore’s Night“ her ein Begriff) vertonte das Reimwerk des politischen Berufsdichters Michel Beheim (1416 – 1474), der die Schlacht aus Fürstensicht schilderte. Um die Konzeption und Gestaltung der Ausstellung, die am Freitag, 8. Juli, um 19.30 Uhr in der Grät eröffnet wird, kümmerte sich Walter Wentenschuh. Auf Schautafeln wird die Schlacht vergegenwärtigt und der historische Hintergrund des Süddeutschen Städtekriegs beleuchtet. Zugrunde lag ein epochaler Konflikt der deutschen Geschichte: die ökonomische und politische Erstarkung der Städte, welche der Adel als Bedrohung seiner Vorherrschaft registrierte. Im Mai 1449 brachen offene Feindseligkeiten zuerst in Nürnberg aus. Die Städte rüsteten auf, der Adel brachte seine Ritter und sonstigen Truppen in Stellung. Gmünd schloss sich Esslingen an, dem Herzog Ulrich von Württemberg die Fehde erklärt hatte. Unter ihrem Anführer Melchior von Horkheim zog die kombinierte Gmündische und Hällische Heerschar 700 Mann stark gegen den Rechbergischen Besitz Waldstetten, legte die dortige Burg in Schutt und Asche und zerstörte das kleine Dorf. Auf dem Rückweg, wohl müde vom anstrengenden Tagwerk des Sengens und Brennens, fielen über die Gmünder und Häller bei der Pfeilhalde 1000 von Göppingen herbeigeeilte rechbergische und württembergische Soldaten her. 100 Gmünder blieben tot zurück, 160 wurden gefangen genommen. Der Rest einschließlich des Anführers flüchtete, zumeist hinter die Mauern der nahen Stadt. Ein knappes Jahr später war der Furor beider Seiten verflogen – die Kräfte waren aufgezehrt. Die Reichsstädte zogen den kürzeren: Sie „bestanden zwar als eigenständige politische Körperschaften weiter, hatten jedoch ihren verfassungsbildenden Einfluss verloren“, heißt es im Text der Ausstellung. König Friedrich IV., der Kaiser werden wollte, schlug sich auf die Seite der Fürsten, deren Unterstützung er brauchte.
Was an der Pfeilhalde geschah, war eine lokale militärische Auseinandersetzung in einer gewalttätigen Zeit. Von der Größe her war sie indes mehr als ein Scharmützel, und Schwäbisch Gmünd hatte noch lange Schulden abzuzahlen, die aus der Niederlage resultierten. Max von Horkheim wurde verbannt, konnte sich aber bei Horn einen hübschen Herrensitz bauen. Zur Ausstellungseröffnung spricht Gabriele von Trauchburg über „Konflikte – Fehden – Lösungen. Ulrich von Rechberg zwischen Württemberg und der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd“. Grußworte liefern Erster Bürgermeister Joachim Bläse (Gmünd) und Bürgermeister Michael Rembold (Waldstetten).

Öffnungszeiten (ab Sa, 9. Juli): Mi – So 10 — 17 Uhr. Dauer bis 31. Juli. Die Ausstellung eignet sich für Schulklassen, Walter Wentenschuh erläutert sie auf Wunsch.

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