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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 11. August 2011

Unbekannte Gönnerin spendet sechsstellige Summe für die Renovierung der Johanniskirchen-​Orgel

Sie ist Gesprächsthema in der Stadt, jene Unbekannte, der das Herzstück der Innenstadt, die Johanniskirche, so am Herzen liegt, dass sie mehr oder weniger im Alleingang die Kosten für eine Orgelrestaurierung aufbringt: Zur EKM 2012 soll das Instrument nach Jahrzehnten erstmals wieder spielbar sein.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Die blaue Plastikplane über dem Hauptportal war symbolträchtig: Bei der Bilanzpresskonferenz der EKM in der Johanniskirche entstand der Eindruck, die Kirchenmusik würde eingemottet, verpackt bis zum nächsten Jahr. Dem ist natürlich nicht so. Aber warum ist die Orgel verhüllt? Und wann war in dieser Kirche das letzte Mal eine Orgel zu hören? Die Johanniskirche, Wahrzeichen der Stadt, gehört zur Münstergemeinde, somit ist Münsterorganist Stephan Beck auch für diese Orgel zuständig. Vor drei Jahren hat er an ihr ein Muttertagskonzert gespielt, um für ihre Instandsetzung zu werben. Obwohl seit 1880 mehr oder weniger unverändert, war sie, sagt er, spielbar bis zum Schluss – auch wenn manche Register nicht mehr benutzbar waren und Töne hingen. Die Lederdichtungen waren zersetzt, die stählernen Achsen oxidiert und der Holzwurm hatte ganze Arbeit geleistet. Ganz, ganz dringend musste sich jemand dieses Instruments annehmen. Damals kamen über tausend Euro Spenden zusammen, vor allem aber wurde jene Gönnerin auf Becks Anliegen aufmerksam und beschloss, Stadt und Kirche dieses auch denkmalpflegerisch wichtige Instrument zu erhalten. Mittlweile wurde die Restaurierung gemeinsam mit der Denkmalpflege und der Diözese vorbereitet, die Pfeifen und der Spieltisch bereits vor zwei Jahren, also vor Beginn der Kirchensanierung ausgebaut. Technische Neuerung im 19. Jahrhundert Gebaut wurde die Orgel von Carl Gottlob Weigle aus Stuttgart Echterdingen, und mit Ausnahme der Prospektpfeifen ist sie in der Tat vollständig erhalten, was das Instrument sehr wertvoll macht. Es ist mit zwölf Registern nicht sehr groß, aber Vollblutorganist Beck lässt keinen Zweifel daran, dass die „originale Klangsubstanz sie sehr interessant“. Sie hat nie einen Umbau erfahren, wie ihn so viele Instrumente Anfang des 20. Jahrhunderts erleben mussten. Das Ideal der Orgel des 19. Jahrhunderts war ein grundtöniger Orgelklang mit vielen verschiedenen Grundstimmen Achtfußstimmen, die nicht mehr dem Geschmack des neuen Jahrhunderts entsprachen. Also wurden die Orgeln umgebaut, meist gar abgerissen. Die vielen grundtönigen Register haben den Orgelbauer im 19. Jahrhundert im Blick auf den Bau der Windlade technische Neuerungen abverlangt. Die Windlade ist der Teil einer Orgel, auf der fast alle Pfeifen aufgestellt sind und durch sie mit Wind versorgt werden. Die Bewegung einer Taste führt zu einem Luftstrom, der in die Pfeife einströmt. Orgelbauer haben dafür über Jahrhunderte mit der so genannten Schleiflade gearbeitet, was aber zunehmen zu Problemen führte — der Spielbarkeit wegen, aber auch aufgrund der benötigten Windmenge. Eine „Kegellade“ wie in der Johanniskirche – jede Pfeife hat ein eigenes Ventil – ist etwas Besonderes. Sie sorgt dafür, dass die vielen grundtöningen Stimmen mit ausreichend Wind versorgt werden können, eine Entwicklung die Weigle maßgeblich nach vorne gebracht hat. „Eine Kirche ohne Orgel ist unvollkommen“ Ralph Häcker, Leiter des Kulturamtes, erklärte gestern, natürlich sei die „Stadt der Kirchenmusik“ sehr interessiert daran, dass diese Orgel zum Klingen komme: „Eine Kirche ohne Orgel ist unvollkommen.“ Zudem handle es sich um eine Orgel, die seit langer Zeit nicht mehr richtig zum Klingen gebracht wurde. „Ich habe sie noch nie gehört“, sagt Häcker. Er nennt die Johanniskirche eine unverzichtbare Konzertkirche, doch ihre Orgel wurde nur selten und nur in den Anfangsjahren fürs Festival eingesetzt. Auch Häcker betont, dass diese spezielle Königin der Instrumente „etwas ganz Besonderes“ ist – mit ihrer romantischen Disposition passe sie eigentlich gar nicht in eine romanische Kirche. Es gebe nur wenige dieser Instrumente, und das allein mache die Sache spannend. Häcker beschäftigt sich derzeit mit der Frage, ob es ein Vorgängerinstrument gab, immerhin kam die Kirche erst Jahrhunderte nach ihrer Gründung zu ihrer Orgel. In jedem Fall ist sie ein sehenswürdiger Schatz, der diese der Stadt ohnehin unschätzbar teure Kirche noch wertvoller macht. Besonders freut sich das EKM-​Direktoriumsmitglied Häcker natürlich darüber, dass die Orgel bereits zum Festival 2012 eingesetzt werden soll. Wie alle anderen Beteiligten dankt er der unbekannten Wohltäterin ganz herzlich: „Wie gut, dass es solche Gönner gibt.“ Er jedenfalls freue sich sehr darauf, sie endlich zu hören, diese Orgel, von der nur wenige wussten, dass es sie gibt. Aktuell ist die Johanniskirche die einzige Kirche ohne spielbare Orgel. Natürlich handelt es sich noch immer um eine geweihte Kirche, in der sporadisch Gottesdienste stattfinden; auch die Jugendkirche ist hier daheim. Münsterpfarrer Robert Kloker freut sich ebenfall sehr über diese Entwicklung. Es handle sich um eine wertvolle Orgel aus dem 19. Jahrhundert, zudem aus der Werkstatt eines der bekanntesten Orgelbauer. „Für uns ist das die Kür“. Mit der Pflicht, den Arbeiten an der Kirche selbst, hat die Gemeinde mehr als genug zu schultern. Selbst in Zeiten größten Sparzwangs gibt es Zuschüsse für „national bedeutsame Kulturinvestitionen“. 150 000 Euro etwa steuert der Bund zur Renovierung der Johanniskirche bei — auch im Wissen, dass wenige Bauförderungen so arbeitsintensiv sind wie der Denkmalschutz. Nachweisbar bewirken 10 000 Euro öffentliche Mittel das Fünf– bis Achtfache an privaten und kommunalen Investitionen; deshalb findet der Denkmalschutz ja auch beim örtlichen Handwerk großes Interesse. Die Münstergemeinde und die Stadtverwaltung wissen ein Lied von den in der Johanniskirche anfallenden Kosten zu singen. Um das Geld für die nötigsten Arbeiten aufzutreiben, gibt es viele Überlegungen und Aktionen. So können Rathausbesucher am Modell der Johanniskirche gegen eine kleine Spende den „Alois“ blasen lassen. Die Instandsetzung der Orgel aber hätte den Finanzrahmen gesprengt. Jetzt wird die Orgel also technisch und klanglich vollständig restauriert. Für die Sanierung des bemalten Fichtenholzgehäuses samt der Linienblattvergoldungen wird’s wohl nicht reichen. Aber das ist zunächst zweitrangig. Ein gutes Projekt ist auf den Weg gebracht.

Veröffentlicht von Rems-Zeitung, Redaktion.
Lesedauer: 231 Sekunden.

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Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 2681 Tagen veröffentlicht.


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