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Normenkontrollklage war erfolgreich /​Symposium im Ostalbkreishaus: Landkreis und Kliniken freuen sich über Schließung der Versorgungslücke bei Frühgeborenen

Mit der Anerkennung des Stauferklinikums Mutlangen als Haus der Level– 1-​Versorgung für Früh– und Neugeborene konnte eine Versorgungslücke in der Region geschlossen werden.

Freitag, 12. August 2011
Rems-Zeitung, Redaktion
3 Minuten Lesedauer

OSTALBKREIS (pm). Im Rahmen eines Symposiums im Großen Sitzungssaal des Aalener Landratsamts wurde dies vor überregionalem Fachpublikum gewürdigt. Unter anderem Chefärzte aus den Kreiskliniken sowie Vertreter der AOK informierten im Rahmen der Veranstaltung über aktuelle Entwicklungen auf Bundes-​, Landes– und Kreisebene. Im September 2005 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) weitreichende Veränderungen hinsichtlich der Versorgung von Früh– und Neugeborenen in Deutschland beschlossen. Damals wurden umfangreiche Qualitäts– und Strukturkriterien festgelegt sowie vier Kliniktypen (Perinatalzentrum Level 1 und 2, Perinataler Schwerpunkt und Geburtsklinik ohne angeschlossene Kinderklinik) definiert. Schon unter dem vorherigen Träger konnten Ärzte und Pflegepersonal im Schwäbisch Gmünder Margaritenhospital auf eine langjährige Erfahrung bei der Versorgung kleinster Frühgeborener bauen. „Beim Umzug der Geburtshilfeabteilung in die neuen Räume am Stauferklinikum Mutlangen haben wir deshalb intensives Augenmerk auf die Erfüllung der entsprechenden Kriterien gelegt, so dass die räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine Level 1-​Versorgung erfüllt werden konnten und das Stauferklinikum nun von den Kostenträgern als Haus der Level 1-​Versorgung, das heißt für die Versorgung von Frühgeborenen unter 1250 Gramm Entbindungsgewicht, anerkannt wurde“, so Landrat Klaus Pavel, der sich gemeinsam mit Krankenhausdirektor Walter Hees darüber freut, dass jetzt eine Versorgungslücke in dem großflächigen Raum zwischen Stuttgart, Ulm, Augsburg, Nürnberg, Würzburg ausgefüllt und eine hochwertige neonatologische Versorgung im Ostalbkreis angeboten werden kann. Insbesondere für die betroffenen Familien sei dies eine mehr als positive Botschaft, so der Kreischef. Bis zur Anerkennung des Levels 1 war rund sechs Jahre lang ein heftiger Kampf zwischen den Universitätskliniken und den weiteren Krankenhäusern der Maximalversorgung gegenüber den Kliniken der Größenordnung im Ostalbkreis entbrannt. „Die Universitätskliniken hatten ihre Lobby in der Politik genutzt, um die Struktur– und Qualitätskriterien in Jahresabständen stets nach oben zu schrauben — mit dem Ziel, kleinere Kliniken aus dem Rennen zu schlagen“, informierte Walter Hees. In der Folge war zunächst eine Mindestmenge von 14 Frühgeborenen unter 1250 Gramm eingeführt worden, welches als Kriterium zur weiteren Arbeit in diesem Bereich galt. Im Juni 2010 setzte der GBA unter dem Druck der Universitätskliniken die Mindestmenge auf 30 Frühgeborene unter 1250 Gramm hinauf. Hiergegen gab es erbitterten Widerstand der mittelgroßen Häuser, insbesondere aus dem süddeutschen Raum. Es erfolgte eine gemeinsame Normkontrollklage dieser Kliniken, darunter das Stauferklinikum. Das zuständige Sozialgericht Brandenburg setzte dann im Rahmen eines Eilverfahrens die erhöhte Mindestmenge außer Kraft. Auf Baden-​Württemberg bezogen hätte die Mindestmenge von 30 Frühgeborenen bedeutet, dass insbesondere der östliche Landesteil völlig unterversorgt gewesen wäre. Hier hätte nur noch die Universitätsklinik Ulm für die Versorgung kleinster Frühgeborener zur Verfügung gestanden. Der gesamte Raum nordöstlich von Stuttgart bis weit in den bayerischen Raum hinein (Aschaffenburg, Würzburg, Nürnberg) hätte dann über kein Perinatalzentrum Level 1 und damit über keine wohnortnahe Versorgung der sehr kleinen Frühchen verfügt. Damit die Eltern keine unzumutbar weiten Wege zur Klinik haben und junge Ärzte sich in Mutlangen spezialisieren können „Als wir uns der Normkontrollklage anschlossen, ging es nicht nur darum, dass die Eltern nach der Entbindung eines Frühgeborenen gewaltige Wege auf sich nehmen müssten. Tatsache ist, dass auf ein Frühgeborenes jeweils etwa zehn Schwangere mit entsprechenden Bestrebungen zur Frühgeburt kommen. Dies bedeutet, dass bereits schon die Schwangeren mit entsprechenden frühgeburtlichen Anzeichen an diese weit entfernten Zentren verwiesen werden müssten“, klärte Hees über die Hintergründe auf, „stationäre Aufenthalte über Wochen hinweg sind in diesen Fällen nicht selten. Dies kann nicht im Interesse eines leistungsfähigen Krankenhauswesens sein, welches der Ostalbkreis in den vergangenen 15 Jahren mit hohem finanziellem Einsatz aufgebaut und aufrechterhalten hat.“ Darüber hinaus ist allgemein bekannt, dass Deutschland mit einem stetig zunehmenden Ärztemangel zu kämpfen hat. Die Krankenhäuser haben allergrößte Probleme, frei werdende Arztstellen nachzubesetzen. Von großem Vorteil für die Kliniken ist, wenn sie umfassende Weiterbildungsmöglichkeiten zum Facharzt oder auch die Möglichkeit des Erwerbs von Spezialqualifikationen bieten. „Durch die Vorhaltung des Leistungssegments Perinatologie Level 1 sind diejenigen Kliniken, welche über diesen Status als Ausbildungskrankenhäuser verfügen, hoch interessant. Somit muss auch aus Gründen der Gewinnung und des Haltens von qualifiziertem ärztlichem aber auch pflegerischem Nachwuchs das Interesse einer Versorgung in einem Hochleistungsbereich von herausgehobener Bedeutung sein“, ergänzte der Landrat. Über die Entwicklung von Neonatologie und Perinatologie, die sich in den vergangenen Jahren im Ostalbkreis vollzogen hat, und über die aktuelle Situation berichteten vor diesem Hintergrund Prof. Dr. Joachim Freihorst, Chefarzt am Ostalb-​Klinikum Aalen, sowie die die Doktoren Jochen Riedel und Erik Schlicht, beide Chefärzte am Stauferklinikum Mutlangen. Über die Versorgungssituation und –qualität in Baden-​Württemberg und im gesamten Bundesgebiet referierte anschließend der Vorsitzende der Vereinigung Leitender Kinder– und Jugendärzte und Kinderchirurgen, Prof. Dr. Manfred Teufel. Jörg Hempel, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, verdeutlichte abschließend in seinem Vortrag die Notwendigkeit einer hochwertigen neonatologischen Versorgung in der Region Ostwürttemberg.

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