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Erste Eindrücke von Staufersaga und Stauferzug

Rückblickend ist es kein Wunder, dass die Karten für den Neujahrsempfang noch nie so begehrt waren: Zum allerersten Mal gab es am Sonntag einen Blick auf die Staufersaga. Zum allerersten Mal wurde deutlich, dass all die tausenden Stunden ehrenamtlicher Arbeit gut investiert sind.

Montag, 09. Januar 2012
Rems-Zeitung, Redaktion
3 Minuten Lesedauer


SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Wie berichtet, gestalteten Stadtverwaltung und Stadtverband Musik– und Gesang den Neujahrsempfang. Es gab stehende Ovationen – der erste Blick auf die große Staufersaga riss das Publikum buchstäblich von den Stühlen. „Ich bin sicherlich kein Mittelalterfan“, erklärte eine Gmünderin: „Aber das hier ist schlicht überwältigend“. Die Gmünder Jubiläumshymne musste zweimal angestimmt werden.
Erstmals gab es zudem für die einzelnen Abteilungen einen Testlauf unter realistischen (Aufführungs-)Bedingungen. So hatten beispielsweise viele Schwertkämpfer das Gewicht ihrer Gewänder unterschätzt, oder auch die Hitze, die sich unter den Helmen entwickelt: Sie mussten mit vielen Kisten Wasser versorgt werden – ein Aspekt, den es im Sommer unbedingt zu berücksichtigen gilt. „Das ist Hochleistungssport“, war mehrfach zu hören. Was ungemein beeindruckte, war die logistische Leistung: 360 Mitwirkenden im Stadtgarten zu ihren Gewändern zu verhelfen, zur Perücke und zur Maske, war große Herausforderung. Viele Darsteller – etwa einige Stadträte – waren nicht zu erkennen, Celestino Piazza etwa unter seiner Prinz Eisenherz-​Perücke. Vielfach fühlten sich Beobachter an einen Haute-​Couture-​Laufsteg in Paris erinnert: Mit großer Disziplin wurde Modelarbeit geleistet, und das Einkleiden so vieler Mitwirkender hätte nicht besser organisiert sein können. Das Publikum war so hingerissen, dass sich noch am gestrigen Montag die Anfragen häuften: „Kann ich noch irgendwo mitmachen?“ hieß es beispielsweise. Oder: „Ich möchte auch eine Hübschlerin sein“. Wer hätte gedacht, dass sich so viele darum reißen würden, einen Bettler zu spielen oder eine Leprakranke. Weitere Freiwillige werden für die Schuhmacherei benötigt – wer Erfahrung in der Arbeit mit Leder hat, ist höchst willkommen.
Bemerkenswert ist die Authentizität. Brillen etwa werden nicht getragen, was das zu führte, dass nicht wenige Mitwirkende am Sonntag eilends in die Kunst des Kontaktlinsentragens eingewiesen wurden — oder aber jeden grüßten, weil sie keine zwei Meter weit sehen konnten.
Oberbürgermeister Richard Arnold erinnerte rückblickend sowie zukunftsorientiert an verschiedene Projekte, und natürlich machte er in erster Linie Lust aufs Jubiläumsjahr. Auch Dr. h.c. Rudolf Böhmler würdigte die „aus der Mitte der Bürgerschaft entstandene nie dagewesene Bewegung“. Böhmler erklärte auch, die Stadt müsse sich künftig noch stärker auf die Nutzung der „Chancen im Westen“ konzentrieren, auf die Brückenfunktion zum mittleren Neckarraum.
Der Stadtverband Musik– und Gesang sorgte für den musikalischen Teil; Die Vorsitzende des Verbands, Ramon Kunz, erinnerte an ein weiteres kleines Jubiläum: Vor 40 Jahren stemmten die musiktreibenden Vereine erstmals einen Neujahrsempfang, um zu zeigen, wie reich an Talenten die Stadt ist. Daran hat sich nichts geändert. Am Sonntag wurde unter der Leitung von Wolfgang Kurz das Brandenburgische Konzert No. 5 von Johann Sebastian Bach aufgeführt; als Solisten brillierten Sandra Ramos-​Lagarde (Cembalo) und Daniel Lagarde (Violine) aus Antibes sowie an der Querflöte Christine Junkert von der Philharmonie Schwäbisch Gmünd.
Die Staufersaga 2012, verfasst von Stephan Kirchenbauer in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Hubert Herkommer, erinnert an die große Vergangenheit Schwäbisch Gmünd. Das historische Schauspiel mit über tausend Mitwirkenden beleuchtet in neun Szenen die dramatische Geschichte der Stauferdynastie, von Friedrich von Büren und Friedrich von Schwaben über Konrad III., Friedrich Barbarossa, Heinrich VI., Philipp von Schwaben und Friedrich II. bis hin zu Konrad IV. und dem jungen Konradin.
Weitere Karten in
Aussicht gestellt
Auf dem Johannisplatz, vor der Kulisse der Gmünder Staufer-​Basilika, finden vom 29. Juni bis zum 7. Juli insgesamt sechs Aufführungen statt – die zwölftausend Karten dafür waren nach kürzester Zeit verkauft. Alexander Groll, Koordinator des Gmünder Stadtjubiläums, erklärte gestern, derzeit werde mit Blick auf Brandschutz und Statik geprüft, ob noch weitere Tribünenplätze geschaffen werden können. Er war hochzufrieden mit dem Neujahrsempfang und lenkte den Blick auf all die Ehrenamtlichen, die nicht auf der Bühne stehen, sondern im Hintergrund dafür sorgen, dass dieses Riesenprojekt gestemmt werden kann.
Den Abschluss der Jubiläumsveranstaltungen und einen weiteren Höhepunkt bildet der ebenfalls historisch getreue Stauferzug am Sonntag, 8. Juli, mit ebenfalls rund tausend Mitwirkenden aus der Bevölkerung. In der gesamten Innenstadt wird an diesem Wochenende mit Aktionen für Jung und Alt das Mittelalter wieder lebendig sein. Die älteste Stauferstadt Südwestdeutschlands will mit diesem Großereignis an ihre mittelalterliche Vergangenheit erinnern, die auch heute noch an vielen Stellen in der Stadt sichtbar ist

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