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» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 22. Juni 2012

„Hochemotional“: Regisseur Stephan Kirchenbauer-​Arnold über die Staufersaga

Dem Regisseur und Autor spürt man die Anspannung an, schließlich muss er eine ganze Epoche in zweieinhalb Stunden pressen. Geschichte soll es sein, aber Unterhaltung auch. Vor allem soll die Staufersaga Emotionen wecken: Stephan Kirchenbauer-​Arnold sprach mit der RZ über die Inszenierung.

SCHWÄBISCH GMÜND (rw). Was die jeweils über 2000 Zuschauer der sieben ausverkauften Aufführungen vom 29. Juni bis zum 7. Juli erwartet, war im einzelnen noch nicht bekannt – neun Spielszenen sollten es sein, Massenauftritte, eine Kreuzritterschlacht. Die Staufer, klein beginnend mit Friedrich von Büren, bitter tragisch endend mit Konradins Enthauptung. Dazwischen: Aufstieg und Niedergang der imperialen Herrscherdynastie des Hochmittelalters schlechthin.
Stauferdramen gab es im 19. Jahrhundert zuhauf, auch Stauferopern. Was aber wollte Stephan Kirchenbauer-​Arnold? Noch eine Oper? Ein Lehrstück? Als Regisseur, bekennt er, sei er sehr konservativ: „Ich verzichte auf Regieeinfälle, die Leute müssen sich wohlfühlen. Ich will die Zuschauer in die Theaterwelt versetzen.“ Kein Stück für Intellektuelle, aber auch kein Bauerntheater, „die breite Masse soll etwas davon haben“.
Wie hält man ein Stück mit 1300 Mitwirkenden zusammen, in dem es um einen Zeitraum von fast 200 Jahren geht? Seine neun Spielszenen seien „inszenierte Gemälde“, sagt Kirchenbauer. Jede Szene ist in sich abgeschlossen, den erzählerischen roten Faden spinnt ein Barde weiter. Aber es gibt noch einen Rahmen um alles, die dramaturgische Klammer: Erzählt wird aus der Perspektive eines zurückschauenden Traums, den Konradin in seiner letzten Nacht vor der Hinrichtung in Neapel hat. 22 Monate zuvor war er noch in Gmünd gewesen, hatte Weihnachten gefeiert in der Johanniskirche, nun ziehen vor seinem geistigen Auge (und den Augen der Zuschauer) seine staufischen Ahnen an ihm vorüber.
Geschichtliches zu versinnlichen, ist schwierig, es auf der Bühne zur Handlung zu verdichten, erfordert Kunst. So zieht Kirchenbauer motivische Stränge ein, weitere Rückblenden, in denen Erinnerungen Gestalt gewinnen, und auch Symbolisches wie ein Amulett, das in der ersten Szene auftaucht, dessen Sinn sich aber erst am Ende erschließt. Es empfiehlt sich, das Tränentüchlein nicht zu vergessen. In der ersten Szene (1046 am Ufer der Rems), es herrscht noch Nähe zum Volk, wird getanzt. Friedrich von Büren will aufsteigen, und das läuft über die Frauen: Machtpolitik heißt im Mittelalter Heiratspolitik. Dann geht es in der zweiten Szene (1106) auf den Hohenstaufen, die Belehnung mit dem Herzogtum – ebenfalls eine traumhafte Erinnerung – ist hier zentral. Mit dem Aufstieg der Staufer verändert sich der Charakter der Figuren: In der Dynastie geht es zunehmend um Mach, das macht ein Familienstreit deutlich. Bernhard von Clairvaux ruft zum Kreuzzug, Konrad III. folgt, sein Kreuzzug scheitert. Die Darstellung der Kreuzzugsschlacht in der dritten Szene (1146/​48) dürfte zu den dramatischen Höhepunkten der Staufersaga zählen. An ihrem Ende – die Kreuzritter sind tot – hadert Bernhard von Clairvaux mit Gott; eine ebenso bewegte wie bewegende Szene – und eine logistische und darstellerische Herausforderung. Schließlich muss die Arena schnell für die vierte Szene (1160/​1184) geräumt werden. Hier klagt Hildegard von Bingen die immer grausamer werdende Politik Barbarossas an. Das Mainzer Hoffest ist Gelegenheit, die Pracht des Mittelalters szenisch zu entfalten – und das Ende im Gewitter ein schlechtes Omen. Nach soviel Staatsaktion ist erst einmal Pause. Dann, Szene 5, Besuch Kaiser Heinrichs VI in Gmünd, wird’s folkloristisch. Zwei stämmige Meisterfrauen verhecheln das Geschehen, die Zünfte marschieren auf, der Kaiser hält eine motivierende Ansprache. Szene 6 wird komplett anders: Sie spielt in Byzanz, erzählt wird hochemotional die tragische (Liebes-)Geschichte der Irene. Am Hof Kaiser Friedrichs II. reden andere über den unergründlichen Herrscher, das „Staunen der Welt“: Ein Christ, ein Muslim und ein Jude. Friedrichs Triumphzug von Italien ins Reich wird nachgespielt, auch hier entfaltet sich Prunk und Pracht: die Kostüme entsprechen jenen, die in der Manessischen Liederhandschrift abgebildet sind. Nach einem Zwischenspiel ist man wieder bei Konradin angelangt, der in der neunten Szene aus dem Traum erwacht und sich mit den Gefährten auf die Hinrichtung vorbereitet.
Aber Stephan Kirchenbauer-​Arnold will die Zuschauer, nachdem er sie mit extrem dichten szenischen Bildern, mit der Textur und Opulenz von Kostümen und Ausstattung, mit Licht und Ton, Wagner– und Mick-​Baumeister-​Klängen in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzt hat, um Mitternacht nicht ungetröstet mit einem katastrophal düsteren Ende entlassen – wie er das macht, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Das Programmheft, das nächste Woche vorliegt, enthält die Handlung. Zu finden ist eine Kurzfassung auch auf der Website der Rems-​Zeitung (www​.rems​-zeitung​.de).

Veröffentlicht von Rems-Zeitung, Redaktion.
Lesedauer: 178 Sekunden.

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Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 2335 Tagen veröffentlicht.


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