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Wie viel Plastik darf Kompost enthalten? Erfahrungen eines Gschwender Landwirts.

Jeder Gartenbesitzer, der sich mit dem Pkw-​Anhänger eine Ladung Kompost holt, kennt das: Ab und zu findet man ein Stück farbigen Kunststoff in der sonst dunkelbraunen Masse. So ging es auch einem Gschwender Landwirt, der die Qualität der sandigen Böden verbessern wollte und sich dazu eine Ladung Kompost bringen ließ.

Mittwoch, 15. August 2012
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 16 Sekunden Lesedauer


Von Gerold Bauer
GSCHWEND. Die bestellte Ware wurde vom Lastzug in der freien Landschaft gleich dort abgeladen, wo der Kompost nach der Ernte in den Boden eingearbeitet werden soll. Während der Familienbetrieb voll mit der Getreideernte beschäftigt war und noch gar keine Zeit fand, den gelieferten Kompost genauer in Augenschein zu nehmen, tat dies der Bewohner eines Wohnplatzes, zu dem der Wind den typischen Geruch von frischem Kompost hinüber wehte. Dabei wurden dann auch Kunststoffschnipsel entdeckt, die aus einigen Metern Entfernung wohl nicht weiter aufgefallen wären. Ist dieser Plastik-​Anteil korrekt stimmt mit diesem Kompost etwas nicht? Mit dieser Frage befasst sich inzwischen auch der Geschäftsbereich „Umwelt und Gewerbeaufsicht“ des Landratsamts Ostalbkreis.
Jeder Kompost, in dem sich auch der Inhalt von Bio-​Beuteln befindet, weise einen gewissen Anteil an Fremdmaterialien auf, räumte der stellvertretende Pressesprecher des Ostalbkreises, Ralf Wagenknecht, ein. Dies sei aber nicht die Schuld der verarbeitenden Betriebe, sondern komme daher, dass sich immer wieder Bürger nicht an die Vorgaben für die Befüllung von Biobeuteln oder Biotonnen halten, sondern zum Beispiel benutzte Wattestäbchen oder kleine Kunststoffverpackungen auf diesem Wege entsorgen.
In der Regel handelt es sich dabei um Materialien, die unter dem Einfluss von Sonnenlicht schnell zerfallen und von denen auch keine Gefahr für die Umwelt ausgeht. Je grober der Kompost vor der Auslieferung gesiebt wird, desto größer ist die Gefahr, dass dabei ein solches Kunststoffteil durchfällt. Weil dies völlig normal ist, gibt es dafür Grenzwerte, die laut Wagenknecht einen bestimmten Volumenanteil pro Liter Kompost nicht überschreiten dürfen. Anhand entnommener Proben werde derzeit vom Landratsamt geprüft, ob dieser Wert beim Gschwender Kompost eingehalten werde.
Die betroffene Landwirtsfamilie ärgert sich sehr darüber, dass durch Gerede in der Öffentlichkeit das Image der heimischen Landwirtschaft in Misskredit gebracht werde. „Wir haben doch nichts falsch gemacht, sondern ordentliche Ware bestellt, die laut mitgeliefertem Analyse-​Zertifikat allen Vorschriften entspricht und ein Gütezeichen trägt!“, betonen die Betriebsinhaber und versichern: „Wir Landwirte produzieren auf unserem Flächen hochwertige Lebensmittel und wollen keine Schadstoffe in den Boden einbringen“. Aus diesem Grund habe man zur Bodenverbesserung ja auch nicht irgendeinen Kompost, sondern zertifizierter Kompost aus einem Schwäbisch Haller Fachbetrieb liefern lassen.
Wie das Landratsamt Ostalbkreis bestätigte, gibt es beim Kompost vom Amtswegen kein Kontrollverfahren; Bauern seien deshalb auch nicht dazu verpflichtet, die Ausbringung von Kompost auf ihren Felden bei den Behörden zu melden. Vielmehr sei beim Kompost die Überwachung über das Zertifizierungssystem seitens der Hersteller geregelt.
Hinsichtlich des in Gschwend von einem Bürger beanstandeten Komposts liegt ein solches Zertifikat vor, das der Landwirt gestern der Rems-​Zeitung zur Einsicht gab. Auf diesem mehrseitigen Papier wird bestätigt, dass der gelieferte Kompost die Auflagen der Bioabfallverordnung, der Düngemittelverordnung, des RAL-​Gütezeichens und des EU-​Umweltzeichens erfüllt. Dem Material mit einer Körnung von 0 bis 20 Millimetern wird darüber hinaus attestiert, dass die Hygieneauflagen eingehalten wurden und dass dieser Kompost „frei von keimfähigen Samen und austriebfähigen Pflanzenteilen“ sei. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe der Lieferant inzwischen dem Landwirt mitgeteilt, dass er den Kompost mit einer mobilen Anlage nochmals vor Ort durchsieben werde.

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Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 3185 Tagen veröffentlicht.


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