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Liederabend im Schwörsaal mit Amelie Petrich, Magnus Piontek und Friederike Sieber

Mit einem Konzert zwischen den Jahren erfreuten drei junge Künstler die Besucher im Schwörhaus. Der Bogen der musikalischen Stile spannte sich denkbar weit und umfasste Werke von Hugo Wolf über Franz Schubert, Claude Debussy, Ange Flegier bis hin zu Deodat de Severac und Alexander von Zemlinsky.

Donnerstag, 03. Januar 2013
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 9 Sekunden Lesedauer

Von Christine Lakner
KONZERT. Amelie Petrich (Sopran), Magnus Piontek (Bass) und Friederike Sieber (Klavier) brachten Lieder aus bekannten Werken wie Schuberts „Lieder der Mignon“, Wolfs „Gedichte für Michelangelo“ oder Zemlinskys „Walzergesänge op.6“ zu Gehör. Daneben standen aber auch weniger bekannte Lieder von Debussy, Flegier und de Severac auf dem Programm.
Diese Lieder, allesamt Vertonungen von Gedichten nach Goethe, de Banville oder Michelangelo für Singstimme und Klavier wurden von den drei Künstlern in beeindruckender Weise vorgetragen.
Eingeleitet wurde der Abend mit Franz Schubert. Amelie Petrichs schöne Stimme war in allen Lagen gut durchgebildet und wurde geführt, wirkte aber zunächst ein wenig fragil. Es dauerte mehrere Lieder, bis sie ihre geschmeidige Sopranstimme richtig zur Geltung bringen konnte.
Das Klavierspiel von Friederike Sieber brauchte sich nicht hinter der Leistung der Sängerin zu verstecken. Die Anschläge kamen präzise und genau. Ihre Hände schienen förmlich über die Klaviatur zu tanzen. Die fein abgestufte Dynamik, die geschmeidig aneinander gereihten Phrasierungen in Gesang und Instrument machten diese Interpretationen zu einem Genuss. Das Timbre der Sängerin Amelie Petrichs lieferte ein Übriges, um im ‘Mignon’ die Sehnsucht nach einem in der Ferne befindlichen Heim in schöner Umgebung spürbar klingen zu lassen.
Expressiv sang Bassist Magnus Piontek die folgenden Lieder Schuberts, Flegiers, de Severacs und eben Hugo Wolfs; er wurde hierbei von Friederike Siebers spannungsgeladenem und straffem Klavierspiel großartig in Szene gesetzt. Magnus Piontek phrasierte eigenständig, natürlich, er artikulierte weich, aber verständlich, und er sang. Da wurden keine Konsonanten überformt, Verse zerhackt oder Phrasen expressiv aufgeladen. So stellt man sich eine schöne sonore Bassstimme vor.
Einen völlig anderen Charakter hatten die drei Lieder Debussys. Sie entstanden 1876/​1878. Aufgefächerte Klangfarben und ein Hauch Spontanität in Begleitung und Gesang vollziehen die Exotik der Liedtexte nach. Es machte den Anschein, als liege Amelie Petrichs diese Art des Vortrags besser, da hier große Sprünge zugunsten einer gleichmäßigen Wellenbewegung der Melodielinie zurücktraten. Die einfachen Akkorde, Brechungen und Wechselklänge der vertonten Gedichte klangen leicht und quasi hingetupft.
Sehr entschlossen emanzipiert sich der heranreifende Komponist Alexander von Zemlinsky mit seinen Walzergesängen op. 6: Trotz der scheinbar harmlosen Verbindung von Kunstlied und italienischer Folklore überwindet er die formalen Beschränkungen der traditionellen Kompositionsweise, etabliert eine wesentlich delikatere Begleitung im Klavier und beginnt, eine größere persönliche Freiheit zu gewinnen. Auf diese Weise entstehen sehr zarte und zerbrechliche Gebilde von eindrücklicher Schönheit, die Amelie Petrich und Friederike Sieber umzusetzen wussten. Die klare und hier sicher geführte Sopranstimme von Amelie Petrich zeichnete sich durch einen, auch in hohen Tonlagen gewahrten, sauberen Klang aus. Auch im piano ging kaum etwas von dem anmutigen Timbre verloren.
In großen Bögen phrasierend präsentierten sich bei diesem Liederabend drei bemerkenswerte junge Künstler, die durch die intensive Durchdringung von Text und Musik zu einer sehr geschlossenen und von intensiver Ernsthaftigkeit geprägten Interpretation fanden.
Mit einem Duett aus Emanuel Schikaneders Oper „Der Stein der Weisen“ als Zugabe, endete dieser stimmungsvolle Liederabend.

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