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» Kultur | Mittwoch, 30. Januar 2013

Ungeheure Fülle: Hartmut Haupt spielte auf der Münsterorgel

Der in Bonn geborene, aber in Jena aufgewachsene promovierte Physiker Hartmut Haupt ist quasi ein Spätberufener als Kirchenmusiker, aber einer der großen Organisten. Am Sonntag gab er ein Konzert im Heilig-​Kreuz-​Münster.

KONZERT (-ry). Als das Orgel-​Magazin des Kultursenders MDR Figaro am 20. Januar auf ein Konzert von Hartmut Haupt hinwies, funkte es beim Rezensenten sofort mehrfach: Im August 1990 konzertierte der Künstler während des zweiten Festivals Europäische Kirchenmusik im Heilig-​Kreuz-​Münster. Haupts Lehrer, Prof. Johannes Ernst Köhler, war zusammen mit dem Leipziger Orgelprofessor Robert Köbler in DDR-​Zeiten eine Institution – beide dem Rezensenten in bester Erinnerung. Hartmut Haupt, von der „Ostthüringer Zeitung“ unter dem Titel „Ein Leben für 1500 Königinnen“ gewürdigt, hat sich über Jahrzehnte um die Orgellandschaft in Mitteldeutschland verdient gemacht. Und wenn man bedenkt, dass Dr. Haupt am 20. Februar 81 (!) Jahre alt wird, ist die ehrende Sprachlosigkeit komplett. In seiner gleichermaßen persönlichen wie informativen Begrüßung zeichnete Münsterorganist Stephan Beck ein bewegendes Bild des Künstlers, die Begegnungen 1990 hier und 2012 in Jena, dessen Volkshaus die größte Konzertorgel Thüringens besitzt, mit der sich Haupt einen Traum erfüllt hatte.
Das Konzert selbst gehörte zur Reihe der ganz eigenen, gab es doch bis auf zwei Ausnahmen (Hans-​Georg Burghardt: Phantasiestück in e und Fantasie in d) ausschließlich Bearbeitungen für die Orgel: Bach-​Reger, Giazotto-​Albinoni (?), Mozart-​Haupt und Reger-​Haupt. Das etwa einstündige Hörerlebnis war an Spannung kaum zu überbieten.
Typisch für alle Vorträge war das Orgelhafte, das die Originale mit der Übertragung für die Königin der Instrumente „veredelte“ und in einem ganz neuen Hörkontext offenbarte. Besonders fiel auf, dass Haupt seine Registrierungen allesamt ganz diffizil zuordnete, eher sparsam als dominant. Zudem waren die ersten fünf Vorträge relativ kurz – Kleinodien allemal.
Nahm sich Max Regers Orgeltransskription von J. S. Bachs a-​Moll-​Fantasie wie eine gelungene Studie aus, ruhig fließend, so hatten die beiden Originale von Burghardt (1942 und 1984 komponiert), einen herben melancholischen Charme, mit Streichern und Tremulant das erste und, farblich zurückhaltend, meditativ mitvollziehbar das zweite – beide stilistisch höchst interessant.
Mit „Adagio célèbre“ von Remo Giazotto nach einem Thema von Tomaso Albinoni ist das so eine Sache! Die Forschung hat längst den Schwindel aufgedeckt: Das Ganze ist eine reine Erfindung Giazottos. Dennoch ist das Stück mit seinen wunderbaren Linien gut zu hören, das sich zwischen Mezzopiano und kleinem Pleno romantisch entfaltete.
Mozarts Kirchensonate C-​Dur KV 336 für (kleine) Orgel und Streicher verlockte den Künstler zu seiner Bearbeitung für Orgel allein. Hier wurden die einzigen Schwächen des Abends deutlich: Die Konturen verschwammen trotz dynamischer Zurückhaltung. Echowirkung und Trio setzten hübsche Kontraste.
Schließlich das Hauptwerk des Konzerts, ein halbstündiger Max Reger: Introduktion, Passacaglia und Fuge h-​Moll op. 96 – im Original für zwei Klaviere zu vier Händen. Allein die doppelte geistige Leistung – der Transskription und dann der Ausführung – sprengt jede Vorstellung. Haupt, der ausgewiesene Reger-​Kenner, hatte im hohen Alter über einen längeren Zeitraum daran gearbeitet und so ein gewaltiges Neues geschaffen, das in Durchhaltevermögen und klanglicher Einlösung etwas ganz Großes darstellt. Die symphonische Länge erlaubt selbstredend eine ungeheure Fülle an Klangerlebnissen, wobei die Details für sich sprachen. Wie selbst die bei geschlossenem Schweller stets helle Begleitung den Themenverlauf im Dialog entfaltete, zeigte den vollendeten Virtuosen.
So war es keineswegs ein Widerspruch, dass nach diesem gewaltigen Finale die schlichte Reger-​Bearbeitung des Chorals „O Haupt voll Blut und Wunden“ als Zugabe dieses besondere Orgelkonzert beschloss.

Veröffentlicht von Rems-Zeitung, Redaktion.
Lesedauer: 138 Sekunden.

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Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 2117 Tagen veröffentlicht.


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