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Personal– und Raumnot: Das Gmünder Stadtarchiv ruft um Hilfe

Bürgermeister Bläse tat sich schwer, dennoch musste er den bitteren Realitäten ins Gesicht blicken und dankte am Mittwoch im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats der Leiterin des Gmünder Stadtarchivs, Dr. Barbara Hammes, für einen „offenherzigen und schonungslosen Bericht“.

Mittwoch, 10. Juli 2013
Rems-Zeitung, Redaktion
1 Minute 58 Sekunden Lesedauer

Es ging um Zustand und Herausforderungen des Stadtarchiv. Dieses „Gedächtnis der Stadt“ erfüllt eine Vielzahl von Aufgaben, ist vor allem auch gefragt, wenn es um das aktuelle Thema der Erinnerungskultur geht. Schließlich kann man für die Zukunft nur lernen, wenn man die Vergangenheit kennt. Seit einem halben Jahr ist Dr. Barbara Hammes mit der Leitung dieses wichtigen Amtes betraut. Am Mittwochabend trug sie nun im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats die erste Zwischenbilanz ihrer Arbeit vor. Zunächst lobte sie das engagierte Wirken ihres Vorgängers. Sie beschrieb das Stadtarchiv als funktionierende und intakte Institution, um vor allem das derzeit aktuelle Bestreben nach Erinnerungskultur erfüllen zu können. Die jüdische Geschichte Gmünds sei gut erfasst. Auch in vielen weiteren Bereichen der Verwaltungs– und vor allem auch Öffentlichkeitsarbeit leiste die Anlaufstelle Stadtarchiv seine Arbeit.
Doch als Dr. Barbara Hammes mit spitzen Fingern einen total verschimmelten und wie sie meinte bereits höchst gesundheitsgefährlichen Ordner den Stadträten sozusagen unter die Nase hielt, war’s vorbei mit dem Schönreden. „Das Stadtarchiv ist die Abstellkammer der Stadtverwaltung“, sprach Dr. Hammes Klartext. Völlig ungeregelt und in großen Mengen landen vor allem Aktenberge aus dem Rathaus im sowohl personell als auch räumlich heillos überlasteten Stadtarchiv. Vergleichbare Einrichtungen könnten auf zehn Mitarbeiter zurückgreifen, um mit solchen Anforderungen fertig zu werden. In Gmünd seien die bei ihrem Amtsvorgänger ursprünglich noch zur Verfügung stehenden drei Personalstellen jetzt sogar noch auf 2,5 zurückgeschraubt worden. Das Archivgut, so verdeutlichte Dr. Hammes auch anhand von Fotos, sei wegen der Raumnot zwischenzeitlich auf drei Genäude verteilt und dort — wie sie anhand des modrigen Ordners wiederholt darlegte — dem Schimmel und Verfall preisgegeben. „Ein Bürgerarchiv, wie es wünschten, sieht anders aus“, so gab sie weiter zu verstehen. Sie bemängelte neben der Personal– und Raumnot auch erhebliche Defizite in der Technik, speziell bei der zeitgemäßen Digitalisierung des Archivbestandes. Lücken und Rückstände im gedächtnis der Stadt drohen, größer zu werden. „Falls sie nun den Eindruck habe, dass das alles sehr schlimm ist, dann klingt das nicht nur so, sondern ist auch so. Dieses Archiv braucht dringend ihre Unterstützung“, so der Hilferuf an den Gemeinderat.
Die Bürgervertreter vermittelten nach dem schonungslosen Bericht einen ziemlich erschrockenen Eindruck. Stadtrat Hans-​Jürgen Westhauser (SPD) überlegte, ob das aufgelaufene Archivmaterial zu retten sei, indem man vielleicht zehn Mitarbeiter im Rahmen von Werkverträgen einstelle. Bürgermeister Dr. Joachim Bläse stellte eine konzeptionelle Aufarbeitung des Gehörten in Aussicht. Vor allem müsse wohl an der Praxis der Zuführung von Aktenmaterial an das Stadtarchivs etwas geändert werden.

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