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Wasserkraftwerk am Leineckstausee bei Alfdorf erwünscht — aber nicht so leicht zu realisieren

Die meisten Stauseen im Einzugsgebiet des Wasserverbandes Kocher-​Lein sind aufgrund der zu geringen fließenden Wassermenge nicht geeignet, um auf wirtschaftliche Art und Weise ein kleines Wasserkraftwerk zu betreiben. Lediglich an den Stauseen Täferrot und Leineck könnte es sich rentieren — aber auch dort nur dann, wenn der Strom mit einer günstigen Serienturbine erzeugt würde. Diese Antwort bekam die Gemeinde Alfdorf bei Anfragen an verschiedene Turbinenhersteller gleich mehrfach, erfuhren die Gemeinderäte gestern aus dem Mund von Melchior Rettenmeier.

Dienstag, 02. Juli 2013
Rems-Zeitung, Redaktion
1 Minute 56 Sekunden Lesedauer

ALFDORF (gbr).
Er ist technischer Geschäftsführer des Wasserverbands und hat – im Auftrag der Gemeinde Alfdorf – die Möglichkeiten ausgelotet, ob man nicht an den Stauseen auf der Gemarkung erneuerbare Energie erzeugen könnte. Im Prinzip sei dies zwar machbar, aber aufgrund der Kosten-​Nutzen-​Relation nicht unbedingt sinnvoll. Denn in den Schieber-​Bauwerken reicht der Platz nicht aus, um eine Serienturbine einzubauen. Jene abgekapselten Aggregate, die ins vorhandene Auslaufrohr eingebaut werden, sind nämlich so groß, dass sie den Querschnitt des Rohrs (und damit auch die Durchflusskapazität) nahezu halbieren. Da der Hochwasserschutz bei den Stauseen Priorität hat, scheiden deshalb solche Lösungen aus.
Als Alternative wurde geprüft, ob man das Wasser nicht mittels einer Leitung ins Hochwasserentlastungsbauwerk (in den „Überlauf“) leiten könnte. Dort würde schließlich genug Platz für den Einbau von Turbinen zur Verfügung stehen. „Leider viel zu teuer“, machte der technische Experte vom Wasserverband dem Gemeinderat klar. Noch teurer wäre es, den Damm zu durchbohren, um eine vom Schieberbauwerk völlig unabhängige Druckleitung für den Betrieb einer Turbine einzubauen.
Technisch und wirtschaftlich möglich wäre es zwar, hinter dem Damm das aus dem See abfließende Wasser mit einer weiteren, deutlich kleineren Staumauer zurückzuhalten und damit die Turbine zu speisen. Gegen diese Variante sprechen jedoch rechtliche Gründe, erteilte Rettenmeier auch diesem Lösungsansatz eine klare Absage. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben dürfen die Staudämme nämlich nur auf einer, nicht jedoch auf beiden Seiten aufgestaut werden.
Einer der Turbinenhersteller hat auf Anfrage erklärt, dass man technisch sehr wohl in der Lage sei, eine speziell auf die Verhältnisse im Leinecksee zugeschnittene Turbine zu entwickeln — allerdings käme so etwas als Einzelanfertigung viel zu teuer. Weil die meisten Regenrückhaltebecken im Ländle in einer Zeit gebaut wurden, in der Wasserkraftwerke im kleinen Stil keiner in Erwägung gezogen hat (Rettenmeier: „Heute würde man das natürlich gleich beim Neubau sehr wohl berücksichtigen!“), gibt es viele Stauseen, die sich zwar von der Wasserkapazität her zur Energieerzeugung eignen würden, aber leider nicht den Platz zum nachträglichen Einbau einer Turbine bieten.
Als Königsweg für die Gemeinde Alfdorf waren sich Melchior Rettenmeier, und Bürgermeister Michael Segan deshalb einig, als Vorreiter den Kontakt zu den entsprechenden Fakultäten der Universitäten in Stuttgart und Karlsruhe zu suchen. Es wäre nämlich ideal, so die beiden unisono, wenn jemand als Master– oder Doktorarbeit – und daher kostengünstig – eine solche Turbine konstruieren könnte. Auch der Gemeinderat konnte sich dieser Denkweise anschließen und votierte einstimmig dafür.

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