Direkt zum Inhalt springen
Startseite Rems-Zeitung bei Facebook  Rems-Zeitung bei Google+  Rems-Zeitung bei Telegram  Rems-Zeitung bei Twitter  Rems-Zeitung bei Flipboard  Rems-Zeitung Alexa Skill  Rems-Zeitung als E-Paper  Kontakt
Ihre Ansprechpartner in der Lokalredaktion
Die Geschichte der Rems-​Zeitung
Ihre Ansprechpartner in der Werbeberatung
Unsere Mediadaten als PDF
Unsere Themenwelten /​Sonderveröffentlichungen
Ihre Ansprechpartner im Bereich Abo und Service
Kostenloses Probeabo
Kennenlernabo für Neukunden
Aktionsabo für Neukunden
Klassikabo / Digitalabo
Unser Leser werben Leser Prämienprogramm
Nachsendung und Lieferunterbrechung
Übersicht Leserreisen
Übersicht Bücher und mehr
Private Kleinanzeige online aufgeben
Schwäbisch Gmünd
Rosenstein
Lorch
Leintal/Frickenhofer Höhe
Schwäbischer Wald
Waldstetten/Stuifen
Welzheimer Wald
Ostalbkreis

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Samstag, 20. Juli 2013

Größte Hochachtung: Pfarrer Gebhard Luiz mit dem Gmünder „Preis für Bürgercourage“ ausgezeichnet

Die Frage stellte sich gar nicht erst: Selbstverständlich erhoben sich die Anwesenden am Freitag, um Pfarrer Gebhard Luiz, dem insbesondere ob seiner Haltung im Dritten Reich der Gmünder Preis für Bürgercourage verliehen wurde, stehend zu applaudieren und ihn zu ehren. Nach 70 Jahren als aktiver Priester hat sich Pfarrer Luiz im Alter von 99 Jahren in den Ruhestand versetzen lassen. Heute lebt er in St. Anna; wer ihn kennt, ist wenig überrascht, zu hören, dass er dort noch immer als Seelsorger für andere da ist.

Von Birgit Trinkle
SCHWÄBISCH GMÜND. Zumindest bei kirchlichen Auszeichnungen, so meinte er mit dem ihm eigenen trockenen Humor, sei’s wie mit den Fliegerbomben: „Sie fliegen meist ins Hinterland und treffen Unschuldige.“ Den ihm verliehenen, im Gedenken an Franz und Katharina Czisch gestifteten Preis nehme er an „für alle, die im Dritten Reich gelitten und für alle die, wie Hermann Köhler, ihr Leben verloren haben.“ Sie hätten es verdient, diese Ehrenzeichen zu erhaltenen; allein, er sei zumindest in Gmünd der einzige, der damals im Gefängnis war und noch lebe – Pfarrer Luiz feiert im August den 100. Geburtstag. Den ihm zu Ehren organisierten Festakt nutzte er für eine Ehrenrettung des aufgrund seiner Haltung im Dritten Reich geschmähten Papstes Pius XII. Insbesondere durch die Nähe zu Menschen im Widerstand und durch Persönlichkeiten wie seinen Heimatpfarrer, der ihn, wie er sich gestern erinnerte, „gegen den Nationalsozialismus impfte“, war es eigentlich unvermeidbar, dass er Scherereien haben würde. Viele Schikanen hat er erduldet, unter anderem war er von Juni 1940 bis Dezember 1941 wegen „Zersetzung der Wehrkraft des deutschen Volkes“ im Zuchthaus Hohenasperg. Diese Zeit hat ihn geprägt.
In seiner Ansprach zeichnete OB Richard Arnold den Lebensweg des couragierten Geistlichen nach, einen Weg, der ihm so viele Menschen so nahe gebracht hat. Gestern waren die St. Georg-​Pfadfinder, die JVA Gotteszell – 35 Jahre war Luiz passionierter Gefängnisseelsorger – sowie der Lions-​Club vertreten; die Michael-​Chorknaben sangen, die Familie Czisch gratulierte, und überhaupt mussten zusätzliche Stühle ins Refektorium gebracht werden. Pfarrer Luiz hat die Verantwortung getragen für den Bau der Piuskirche und mit Pfarrer Kuppler 1985, längst selbst im Seniorenalter, den Pius-​Club gegründet, einen ökumenischen Treff für die Senioren aus dem Herlikofer Berg, Kiesäcker und Ziegelberg („schließlich hatte ich eine evangelische Großmutter“). Dr. Stefan Scheffold, MdL, erinnerte sich an seine Zeit als Ministrant beim damaligen, für seine Menschenfreundlichkeit geschätzten Dekan Luiz – so habe es fürs Ministrieren stets 50 Pfennig gegeben; entsprechend begehrt sei dieser Dienst gewesen. Ernst werdend meinte Scheffold: „Man muss nicht zum Menschenfreund werden, wenn man erlebt hat, welches Unrecht an Menschen begangen wird.“ Münsterpfarrer Robert Kloker bezog sich auf die Apostelgeschichte, genauer, auf die Forderung, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Die Grundrechte des Menschen zu wahren und zu verteidigen, anzukreiden, wenn dies in einem menschenverachtenden System nicht mehr gewährleistet sei, das mache den im guten Sinne christlichen Widerstandskämpfer aus.

Veröffentlicht von Rems-Zeitung, Redaktion.
Lesedauer: 119 Sekunden.

Digital als Ausgabe-PDF oder klassisch mit Trägerzustellung:
Testen Sie die Rems-Zeitung 10 Tage kostenlos und unverbindlich!

Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 1971 Tagen veröffentlicht.


QR-Code
remszeitung.de/2013/7/20/groesste-hochachtung-pfarrer-gebhard-luiz-mit-dem-gmuender-preis-fuer-buergercourage-ausgezeichnet/