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Reiterleskapelle: Idyll mit Verlusten

» Mittwoch, 04. September 2013
Sie befindet sich auf einem Bergsattel im Schatten einer mächtigen Linde: die Reiterleskapelle. Sie steht am Tag des offenen Denkmals am Sonntag in Waldstetten im Blickpunkt – nicht zuletzt wegen ihres 300-​Jahr– Jubiläums.

WALDSTETTEN (rw). Die Reiterleskapelle, idyllische Zwischenstation vieler Wanderer, von der sich aus ein atemberaubendes Panorama des Gmünder Raums nach Norden eröffnet – ein „unbequemes Denkmal“? Die Reiterleskapelle, im nächsten Jahr 300 Jahre alt, „jenseits des Guten und Schönen“? Es will einem auf den ersten Blick nicht einleuchten, warum diese in privatem Besitz befindliche Kapelle zu den Motti des diesjährigen Tags des offenen Denkmals passen sollte.
Wirft man einen Blick hinein, wird einem schon klar weshalb. Er besitzt kaum gestalterischen Qualitäten, und was vorhanden ist an figürlichem Schmuck und an Ausstattung, gleicht einem Sammelsurium. Dies finden Walter G. Wentenschuh und Adolf Regen, die zwei Waldstetter Heimatkundler, und Bürgermeister Michael Rembold schließt sich an. Dem Schultes ist die Kapelle sowieso ein Anliegen: „Sie hat eine gewisse Anziehungskraft auch in Richtung Filstal. Jeder kennt dieses Waldstetter Wahrzeichen.“
Es sei in der Vergangenheit schon viel gemacht worden angeregt vor allem von jener Reiterleskapelle-​Ausstellung, die Wentenschuh und Regen vor zwei Jahren veranstalteten. Damals nahmen sie sich vor, sich der Kapelle weiter anzunehmen.
Die Gründe erläutert Walter Wentenschuh: Die Kapelle war 1957 stark einsturzgefährdet. Sie wurde abgetragen und wiederaufgebaut, doch die historische Substanz ging verloren. Die Renovierung des Innenraums geschah nicht nach dem historischen Vorbild, sondern nur formal und sachlich – ein karger Raum, entsprechend den Vorstellungen der Sakralarchitektur der Nachkriegszeit. Problematisch auch, dass die alte Kapelle nicht dokumentiert wurde. Die Denkmalbehörden war damals nicht beteiligt, und schon kurz nach der Einweihung kam Kritik auf. Geändert hat sich daran bis heute nur insofern etwas, als Besucher die Leere mit Zeugnissen der Volksfrömmigkeit irgendwie füllen – um die Leonhardsfigur herum und auch im Kapellenraum selbst. Diese Inneneinrichtung ist problematisch, in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt will man den Innenraum zum 300-​Jahr-​Jubiläum 2014 maßvoll neu gestalten. Auch außen gäbe es einiges zu tun: die Umgebung der Kapelle könnte besser gestaltet sein. Die Linde, älter als die Kapelle, wird wie diese von der Gemeinde gepflegt. Waldstetten hat die Reiterleskapelle in den 70er-​Jahren treuhänderisch vom aufgelösten Kreis Schwäbisch Gmünd übernommen.
Ein Freundeskreis hat sich gebildet, der am 19. September sein erstes Treffen hat, „Bürger mit Bezug zur Kapelle und Herzblut für sie“, sagt Schultes Michael Rembold. Die Sanierung will man 2014 schaffen, und dann ein schönes Fest feiern, möglichst mit dem Bischof.

Reiterleskapelle am Tag des offenen Denkmals, 8. September, von 10 bis 18 Uhr.
Anfahrt über Waldstetten und Weilerstoffel nach Tannweiler zum Wanderparkplatz. Von dort geht es 200 Meter zu Fuß zur Kapelle.
Am Sonntag, 8. September – und nur an diesem Tag – werden Infostelen an der Reiterleskapelle auf deren Geschichte und das Projekt für 2014 hinweisen.

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Rems-Zeitung, Redaktion
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