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» Ostalb | Dienstag, 28. Oktober 2014

Politischer Erntedank im Bilderhaus Gschwend mit Verena Bentele

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Den Erntedank zum Anlass nehmen, um Rückschau zu halten auf das, was geleistet und für die Menschen erbracht wurde – das geschah beim Politischen Erntedank im Bilderhaus Gschwend am Montagabend zum 14. Mal. Zu Gast war die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele.

Von Nicole Beuther
GSCHWEND. SPD–Bundestagsabgeordneter Christian Lange, der jährlich zum Politischen Erntedank einlädt, hatte eine beeindruckende Persönlichkeit des deutschen Sports und der Politik angekündigt. Und nicht zuviel versprochen.
Verena Bentele beeindruckte mit Charme, Witz und ihrer Sprach– und Redegewandtheit, vor allem aber mit der Botschaft, die sie mitgebracht hatte. „Toleranz 4.0“ lautete das Thema des Vortrages, der Inklusion und Gesellschaft zum Inhalt hatte. Ein Thema, über das Bentele aus eigener Erfahrung jede Menge zu berichten weiß – die 32-​Jährige ist von Geburt an blind. Aufgewachsen ist sie im Weiler Wellmutsweiler im Bodenseekreis auf dem Bauernhof ihrer Eltern; einer der beiden Brüder ist ebenfalls blind. Es habe damals, so erzählte sie, wenig Diskussionen gegeben, ob sie und ihr Bruder den örtlichen Kindergarten besuchen. Die Erzieherinnen wollten es probieren. Und es funktionierte.
„Ich habe Inklusion erfahren, bevor es Inklusion gab“, so Bentele, die prägende Erfahrungen gemacht hat. Ihre beste Freundin Julia hat ihn bis heute nicht vergessen, den Moment, als sie ihr Bauklötze vor die Füße schob, „weil sie gar nicht wusste, was blind ist“. Bentele: „Kinder sind so tolerant, dass sie alle Fähigkeiten, die sie selber haben, auch an anderen probieren.“ So wie Kinder zu sein, sei ein kleiner Schritt in Richtung Toleranz.
Neben den vielen guten Erfahrungen ist sich Bentele der zahlreichen Hürden, die auf Menschen mit Behinderung im Alltag zukommen, sehr wohl bewusst. Was Diskriminierungen angehe, so findet sie, seien Menschen mit Behinderungen relativ weit vorne mit dabei. Kritisch auch der Blick auf die zahlreichen Debatten der schulischen Inklusion. Diese seien sehr wenig geprägt von dem Suchen nach Chancen und Möglichkeiten, so Bentele. Die Debatte sei vielmehr eine sehr schwierige, weil sie oft in Extreme gehe.
Ausgehend von der Frage, was Toleranz für die Gesellschaft bedeutet und was es heißt, die richtigen Möglichkeiten zu schaffen, kam Bentele auf ihre ganz eigene gute Erfahrung zu sprechen. Einer der zentralen Punkte sei es, Kunst, Musik und auch Sport gemeinsam zu machen. „Wo lernt man am besten seine Fähigkeiten kennen als beim Sport?“, so die frühere deutsche Biathletin, Skilangläuferin, vierfache Weltmeisterin und zwölffache Paralympics-​Siegerin.
Toleranz heiße auch, Dinge nicht zu beurteilen und zu verurteilen, sondern zu erfragen, so Bentele, die in diesem Zusammenhang erklärte, dass das Schießen beim Biathlon mit einem akustischen Signal erfolgt. Sehr oft werde sie danach gefragt.
Auch die wichtige politische Teilhabe ließ die Beauftragte für die Belange behinderter Menschen nicht unerwähnt und hob dabei hervor, dass es das SPD–Wahlprogramm bei der letzten Wahl auch in „einfacher Sprache“ gegeben hatte. „Politik betrifft uns alle“, so Bentele, die mit Blick auf ihre Berufung als Behindertenbeauftragte im Januar 2014 meinte, dass es eine „schöne, politische Idee gewesen sei, die Menschen, die es betrifft, mit an den Tisch zu bringen“. Ideen müssten in allen Prozessen von allen Seiten kommen.
Wie wichtig diese Teilhabe in vielerlei Hinsicht ist, das hat Bentele auch bei ihrer Erfahrung mit Jugendlichen gemacht, die aus sozial schwierigen Verhältnissen kamen; „Jugendliche, die den ganzen Tag hören, was sie nicht können und wo ihre Grenzen liegen“. Auch mit Blick auf die Arbeitswelt wünscht sich die zwölffache Goldmedaillengewinnerin ein Umdenken. Oft scheitere die berufliche Inklusion daran, dass die Menschen mit Vorurteilen belastet seien. Bentele nannte sich selbst auch eine große Verfechterin für die inklusive Schule und spricht sich für ein Schulsystem für alle aus. Es sei eine wichtige Frage, wo unser Schulsystem verbesserungswürdig sei.
Dem anderen Nase und Spürsinn zu sein – so wie es ihr Begleitläufer beim Langlauf immer war – das sollte Benteles Ansicht nach jedem ein Anliegen sein.

 

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