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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Sonntag, 09. November 2014

Den Namen ein Gesicht geben: Der Arbeitskreis Stolpersteine erinnerte an die Reichspogromnacht

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Am 9. November vor 76 Jahren begann mit der Reichspogromnacht die Shoa, die Vernichtung jüdischen Lebens auch in Schwäbisch Gmünd. 17 Stolpersteine geben in den Straßen und Gassen der Stadt diesem verlorenen Leben Namen und Gesicht. Der Arbeitskreis Stolpersteine erinnerte.

Von Alfred Pradel
SCHWÄBISCH GMÜND. Am 9. November 1938 brach auch in Schwäbisch Gmünd eine düstere Zeitrechnung an. Das Wort „Jude“ wurde zum Schimpfwort, die Abstammung zum Todesurteil. Auch in Schwäbisch Gmünd wurden Menschen zunächst ihrer Heimat und dann ihres Lebens beraubt. Menschen, die in Schwäbisch Gmünd wohnten, Familien hatten, Betriebe, die Gmünder Bürgern Lohn und Brot gaben.
Der Arbeitskreis Stolpersteine erinnerte gestern mit einer bewegenden Matinee, die bisher unveröffentlichte Zeitzeugnisse zeigte, an dieses Kapitel Schwäbisch Gmünds, das es gilt, unvergessen zu machen und nie wieder geschehen zu lassen. Inge Eberle hat mit ihrem Team eine kleine Broschüre mit den vom Künstler Gunter Demnig initiierten und verlegten Stolpersteinen erstellt, in einer kleinen Straßenkarte sind die Steine verzeichnet, mit Namen der früher dort wohnenden Personen sowie Geburtsdatum und soweit bekannt Todeszeitpunkt. Seit 1992 sind in 17 Ländern Europas über 45 000 Stolpersteine verlegt worden. In Stuttgart 800, in Berlon über 5000 und in Schwäbisch Gmünd eben 17.
Inge Eberle verwies in ihrer Rede im Saal der VHS auf die Verantwortung auch in Gmünd wirkender Personen, beispielhaft nannte sie den früheren OB Franz Konrad. Sie erinnerte daran, unter welch schwierigen Bedingungen und Diskussionen die Gedenktafel am Prediger entstanden ist. Sie zitierte aus der emotionalen Rede von Prof. Manfred Köhnlein, dem damaligen Initiator 1995 im Gemeinderat. Unter dem stimmigen Motto: „Ein Stein. Ein Mensch. Ein Leben.“ stellte Inge Eberle zwei Gmünder Schicksale vor. Zum einen ist dies die Familie Abraham und Selma Kahn sowie der Sohn Leopold. Die Familie Kahn hatte in der Stadt die Gmünder Stoffspielwarenfabrik Leopold Kahn gegründet, die zeitweise 20 bis 30 Menschen Beschäftigung bot. Die Produktion begann zunächst im Saal der Wirtschaft „Zum Wasserturm“, bevor sie ins Mühlbergle umzog, das Lager war im „Roten Ochsen“, an dessen Stelle sich heute die Deutsche Bank befindet. Eine Besonderheit der Firma waren die Teddybären, die akkurat gearbeitet heute eine teure Rarität sind. Leopold Kahn wurde 1941 deportiert, seine Spur verliert sich im Dunkel der Geschichte. Seine Eltern wurden im hohen Alter verschleppt, Abraham Kahn verstarb bereits auf dem Weg, seine Frau starb im KZ bei Minsk. Zur Verlegung der Stolpersteine kam die Enkelin von Abraham und Selma Kahn, Doris Feldmann aus Boston nach Schwäbisch Gmünd.
Bewegend auch die Geschichte von Moses Max und Regina Rosina Neumaier, die in der früheren Sebaldstraße 10 zu Hause waren und am 22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden, wo Regina Rosina im September 1942 und Moses Max Neumaier am 22. August starben. Sohn Erwin überlebte das Gefängnis und den KZ-​Aufenthalt in Buchenwald. Er reiste in die USA aus und kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück. Seine zweite Ehefrau gab Inge Eberle 2012 ein besonderes, verzeihendes Interview, das für Schwäbisch Gmünd ein zeitgeschichtliches Dokument darstellt.
An den beiden Stolpersteinstellen wurden gestern Gestecke niedergelegt und der Verstorbenen gedacht, den Menschen ein Gesicht und ein Name gegeben.
 

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