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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Zusammenfassung der denkwürdigen Ereignisse heute in Gmünd

Eine kleine Gruppe von Asylbewerbern aus der Sammelunterkunft auf dem Hardt hat den halben Freitag über in Gmünd ein großes Chaos veranstaltet. Mit einem Großaufgebot brachte die Polizei wieder Ruhe in die teils gewalttätige und auch beleidigende Szenerie. Hier die zusammenfassende Betrachtung der Rems-​Zeitung (von Lokalredakteur Heino Schütte) dieser Ereignisse, die schon lange wie nicht mehr so emotional aufwühlten und Stadtgespräch waren und sind (mehr dazu auch am Samstag in der Rems-​Zeitung).

Freitag, 11. April 2014
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 31 Sekunden Lesedauer

Auslöser des stundenlangen Tumults war die Besetzung eines Zimmers in der Sammelunterkunft, wo die seit Monaten umstrittene Videokamera für Überwachung eines Müllcontainerplatzes betrieben wird. Mitarbeiter des Landratsamtes (Träger der Unterkunft) baten die Polizei um Hilfe. Nach Angaben von Polizeipressesprecher Bernhard Kohn kam es dann zu massiven Widerstandshandlungen: Sogar eine Holzbank wurde den Polizeibeamten entgegengeschleudert. Weitere Bewohner hätten sich mit den Randalierern solidarisiert, als eine Person abgeführt worden sei.
Der weitere Verlauf wird von etlichen Augenzeugen so geschildert: Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen, wobei auch ein Polizeihund zubiss. Eine Behandlung durch den Rettungsdienst wurde von den Asylbewerbern verweigert. Stattdessen wurde der Verletzte sichtlich theatralisch über die Oberbettringer Straße zu einer Bushaltestelle getragen. Nun geriet die Szene vollends aus dem Ruder. Erst etwa ein Dutzend, später etwa 20 Randalierer formierten einen spontanen Protestzug in Richtung Innenstadt. Die Baldungkreuzung wurde blockiert. Dorthin wurde auch der Verletzte getragen und endlich auch dem Team eines Rettunsgwagens anvertraut. Zuvor wurde er fats mitten auf der Kreuzung abgelegt. Transparente wurden geschwungen, auf denen sogar vor einem Guantanamo gewarnt wurde. Polizisten wurden bespuckt und per Megaphon sogar als „Mörder“ beschimpft und beleidigt.
Mein persönlicher Eindruck: Mit Besonnenheit und fast schon mit Eselsgeduld ließen sich die Polizisten diese unglaubliche Behandlung gefallen. Dagegen waren etliche der blockierten und hupenden Autofahrer drauf und dran, eigenhändig die Kreuzung zu räumen und das sich anbahnende Verkehrschaos mit Staus in alle Himmelsrichtungen zu entzerren. Ordnungsamtsleiter Gerd Hägele veranlasste die Räumung der Kreuzung, wobei es vereinzelt auch zum Schlagstockeinsatz kam. Aus der ganzen Region sowie von der Bereitschaftspolizei Göppingen wurden immer mehr Ordnungshüter nach Gmünd beordert. Zur Mittagszeit wäre in den Dienststellen gerade der Schichtwechsel angestanden; die Frühschicht hatte sich schon aufs Wochenende gefreut. Der Frust war allen Polizisten anzusehen. Doch sie blieben erstaunlich ruhig. Nach Räumung der Blockade gab es einen lautstarken Protestzug quer durch die Innenstadt zum Polizeirevier, das nun belagert wurde, um die Freilassung der Festgenommenen zu erzwingen. Einsatzleiter Polizeioberrat Helmut Argauer und seine Kollegen hatten nun das nächste Problem: Die vorläufig Festgenommenen verweigerten zunächst ihre Freilassung. Einer, der dann doch mit Jubel draußen empfangen wurde, trug einen Polizeitrainingsanzug. Offenbar war dieser Randalierer nackt aus einem Duschraum heraus verhaftet worden. Ein anderer zeigte sich mit einem zerrissenen T-​Shirt und Biss– und Kratzwunden, die ihm von einem Polizeihund beigebracht worden sei. Dies heizte die Stimmung erneut an. Polizeioberrat Helmut Argauer versicherte, dass der Verletzte zuvor in der Sammelunterkunft die Behandlung durch den Rettungsdienst verweigert habe. Auch eine Polizistin sei im Tumult durch den Biss eines eigenen Diensthundes verletzt worden und musste zur ambulanten Behandlung in die Stauferklinik gebracht werden. Josef Rettenmaier, Sozialdezernent des Landkreises, war mit Mitarbeitern vor Ort und beschrieb die ganze Unsinnigkeit des Protestes: „Elf von zwölf Bewohner-​Sprechern der Sammelunterkunft haben uns sogar ausdrücklich darum gebeten, die Videoüberwachung des Müllcontainers aufrecht zu erhalten.“ Auch Mitarbeiter des Arbeitskreises Asyl versuchten auf dem Hof des Polizeireviers zu vermitteln. Vergebens, sie fand kein Gehör.
Immer wieder war gestern von allen Verantwortlichen – auch von der Polizei – die Bitte an die Bevölkerung zu hören: Besonnen und differenziert dieses Spektakel betrachten: Es handle sich lediglich um eine kleine Gruppe von Krawallmachern, die weit davon entfernt sei, die tatsächlichen Sorgen, Wünsche und Integrationshoffnungen der Menschen in der Sammelunterkunft zu repräsentieren

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