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Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler an der Realschule Leinzell

An der Realschule in Leinzell war gestern „Schulbesuch vom Landtag“ angesagt. Das Präsidium des Landtags möchte Jugendliche über die Abläufe der parlamentarischen Demokratie informieren und für Politik begeistern – und zwar über Parteigrenzen hinweg.

Donnerstag, 03. April 2014
Rems-Zeitung, Redaktion
3 Minuten Lesedauer

Von Dorothee Wörner
Artig grüßten knapp einhundert Schülerinnen und Schüler der drei neunten Realschulklassen, als Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler in Begleitung von Lehrer Hans Sturm den Musiksaal betrat. Noch ein Schuljahr werden sie an der Leinzeller Realschule verbringen, dann fällt die Entscheidung über ihren beruflichen oder auch schulischen Werdegang.
So fiel Drexlers Besuch in den wichtigen Zeitabschnitt der Orientierung. Die Schülerinnen und Schüler hatten ein Paket von 35 Fragen geschnürt und Wolfgang Drexler sollte im Verlauf seines zweistündigen Besuchs noch darüber staunen, was sie alles wissen wollten, verblüfft stellte er fest; „Ihr seid aber gut vorbereitet.“ Zu seinem persönlichen Werdegang befragt erklärte er, dass es Willi Brandt gewesen sei, der ihn fasziniert habe und die Entscheidung für die SPD als Partei stamme aus seinen persönlichen Erfahrungen in der Jugendarbeit seines Heimatorts Esslingen.
Allerdings gebe es keine Schule, die auf die Politik vorbereitet, gab er zur Auskunft, man sollte Menschen mögen und sich gerne mit ihnen und ihren Problemen auseinandersetzen. Zu alt für die Politik fühlt sich der 68-​Jährige nicht, schließlich sollten Ältere und Jüngere vertreten sein, damit sich die Gesellschaft gut repräsentiert fühle. Seit 1988 gehöre er in vielerlei Funktionen dem Landtag von Baden-​Württemberg an.
Die Jugendlichen erfuhren, dass er einst Mitglieder bei den Pfadfindern war, gerne im Garten arbeitet und sich wünscht, es gäbe bei einem wöchentlichen Arbeitspensum von über siebzig Stunden, einmal im Monat einen freien Abgeordnetensonntag. Dass er als Landtagsvizepräsident unter anderem die Aufgabe hat, im Plenarsaal für Ruhe und Ordnung zu sorgen, und dass er sich dabei keiner Partei verpflichtet fühlen darf, erzählte er außerdem.
Gefragt nach der Spitzenkandidatur von Guido Wolf für die CDU ist Drexler der Meinung, dass dieser, sollte er erfolgreich sein, aus diesem Grund dann das Amt des Landtagspräsidenten wohl aufgeben müsse. Ein tiefer Seufzer kam von dem Politiker als er gefragt wurde, warum er als Sprecher von Stuttgart 21 ausgestiegen sei. Diese ehrenamtliche Aufgabe habe ihn an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gebracht: „Wisst ihr, es ist nicht einfach, mit 800 Menschen zu diskutieren, wenn 600 davon mit einer Trillerpfeife Lärm machen.“ Nach wie vor stehe er zum Bahnprojekt Stuttgart 21, sieht aber die Rolle der Bahn kritisch, dennoch sei es die einzige Chance für die Stuttgarter, nicht im Verkehr zu ersticken. Verständnis hat er für diejenigen in der Regierung, die den Volksentscheid zwar akzeptieren, aber das Projekt jetzt nicht mit „Hipp Hipp Hurra“ unterstützen.
Ganz offen sprach er über den Abgeordnetenverdienst, der sich mit 7199 Euro gut anhört, aber im Vergleich zu vielen anderen Bezügen in ähnlicher Position nicht zu üppig ausfällt. Gerne hätte Drexler mehr technische Berufe im Landtag vertreten aber „Die technische Intelligenz geht nicht in den Landtag, sondern in die Industrie.“
„Hoeneß, Schwarzer, Mappus, Edathi, Tebart van Elzt“, welche Menschen könne man sich denn noch als Vorbild nehmen, wollte ein Schüler wissen. „Hunderte von Politikern“, sagte Drexler oder die Ehrenamtlichen in euren Ortschaften, darunter sind ganz tolle Typen. Mit einem Anteil von 42 Prozent Ehrenamtlichen finde ich unsere Gesellschaft insgesamt sehr in Ordnung“, so Drexler, der die Jugendlichen aufforderte, sich mit Politik zu beschäftigen. Seine beiden Zeigefinger gingen in Richtung der Schülerinnen und Schüler; „Viele Fragen werden gerade auf euch zukommen — die Alterung der Gesellschaft, Umweltprobleme, die Unterstützung der Armen in der Dritten Welt.“ Als Präsident des schwäbischen Turnerbundes forderte er die Jugendlichen auch auf, sich mehr zu bewegen, das fördere auch die Leistungsfähigkeit in der Schule. „Bewegung ist so wichtig wie Mathe“, stellte er fest. Zu der Frage ob die Realschulen im ländlichen Raum aufgegeben werden sollte, schüttelte Drexler verneinend den Kopf. Vom Tisch sei auch, dass in Baden-​Württemberg Musikhochschulen geschlossen würden.
Hinterfragt wurde auch, warum man bei Kommunalwahlen bereits ab 16 Jahren wählen dürfe, aber nicht bei Landtagswahlen. Drexler sprach von Auswertungen, die nur von einer geringen Wahlbeteiligung berichten und er fragte in die Runde: „Wer von euch würde denn gerne wählen gehen.“ Da schnellten einige Hände in die Luft. Erfreut bestätigte Wolfgang Drexler; „Das Wählen ist das Wichtigste in einer Demokratie.“
Ganz leger unterhielt sich der Politiker im Anschluss noch mit den Jugendlichen, obwohl sein Tagesablauf, von dem er eingangs berichtet hatte, eigentlich einen ganz engen Zeitrahmen gesteckt hatte.
Die Schülermeinung nach dem Besuch reichte von „Der war nett“, über „Toll, dass er schwäbisch schwätzt“ bis zu „Es war mal was anderes und nicht so langweilig wie zwei Stunden Schule.“

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