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Lokalnachrichten

Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 10. Juli 2014

Wächter und Bewahrer des Münsters: Festakt zur Verabschiedung von Münsterarchitekt Hermann Hänle

„Meister seines Fachs“ wurde er am Donnerstag Abend genannt und „Gmünder Original“, außerdem lebendes Baugedächtnis, Konservator, Wächter und Verteidiger des Münsters – Münsterarchitekt Hermann Hänle wurde mit einem Fest im Franziskaner verabschiedet. Es sei wohl schön, so fasste Münsterpfarrer Robert Kloker die mehrstündige Würdigung zusammen, so viel Anerkennung und Wertschätzung zu erfahren.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Allein die Zahl derer, die gestern beim Festakt im Franziskaner Deutschlands Dom– und Münsterbauhütten vertraten, zeigt, welche Wertschätzung Hänle genießt. 42 Jahre war er Münsterarchitekt. Beruf und Berufung, die ihm in die Wiege gelegt wurden, hatte doch bereits sein Vater Albert dieses Amt von 1938 bis 1971 inne; schon als Heranwachsender turnte Hermann Hänle auf dem Gerüst der Westfassade herum. 47 Jahre waren die Parler am Münster tätig, 74 Jahre die Hänles – die es zwar nicht planten und erbauten, wohl aber „seinen Zerfall verlangsamten“, wie Hänle selbst es formulierte. Nachdem Münsterpfarrer Robert Kloker bei seiner Begrüßung kurz auf Hänles Werdegang eingegangen war – Studium in Berlin etwa – sprach Hänle über die Erhaltung kirchlicher Kunstdenkmäler in über vier Jahrzehnten in und um Gmünd. Über eigene „Jugendsünden“, , als mit Muschelkalk statt mit Sandstein gearbeitet wurde, vor allem aber über den Fehler eines anderen Jahrhunderts – Netz– statt des vorgesehenen Kreuzrippengewölbes –, der schließlich die gotische Statik und das Münster selbst gefährdete. In knappen Worten schilderte er, wie damals über Stahlträger die Hälfte der Schubkräfte des Gewölbes aufgefangen und die Pfeiler entlastet werden konnten. Wie dann die Portale angegangen wurden, oder die Innenrestaurierung – sogar während dieser Zeit wurde das Münster nur fürs Versetzen der Gerüste gesperrt. Über vier Jahrzehnte unentwegt an Großprojekten: Da gibt es einiges zu berichten. Vom Dachstuhl zerfressenden Brandschutzanstrich bis hin zu launigen Überlegungen gemeinsam mit dem damaligen Chef der Münsterbauhütte Franz Huber zum „Pfusch am Bau“ vor Jahrhunderten. Die Münsterbauhütte, zunächst „lediglich mit einem Hilfs– und einem Leiharbeiter“ bestückt, erhielt mehr Mitstreiter: „Sonst wären wir ewig hinterhergehinkt.“ Auch so wurden in 30 Jahren 30 Millionen Euro verbaut. An Weihnachten beheizte Baustellen an den Chorstrebenpfeilern, das Umdenken hin zum Konservieren statt zur Erneuerung, die Arbeit an den Bleiglasfenstern, schließlich der Gemeindestreit zum Chorraum – im Münster, so war zu erfahren, gibt es so viele Geschichten, die erzählt werden wollen. Die Verantwortung fürs Münster gab er bereits 2013 ab, für die Johanniskirche war Hänle bis jetzt verantwortlich. Auch hier gab’s einen kurzen Überblick über die geplanten Bauabschnitte bis 2020.
„Legendäre Dachstuhlführungen“ auch für die Zukunft
Prof. Dr. Michael Goer, Landeskonservator der Bau– und Kunstdenkmalpflege, ging auf Hänle als Wächter, Bewahrer und Verteidiger des Münsters ein, nannte ihn Fels in der Brandung, der die immense Last der Verantwortung getragen habe – mit „unvorstellbar geringen Finanzmitteln“. Auch Goer erinnerte ans 1976 einsturzgefährdete Münster und daran, wie Hänle den „bestmöglichen Weg zur langjährigen Erhaltung gegangen“ sei. Goer war der erste in der Reihe der Laudatoren, der Hermann Hänles „legendäre Dachstuhlführungen“ zum Thema machte. Führungen, deren Zauber sich niemand entziehen könne. OB Richard Arnold freute sich, dass Hänles Leistungen ums „Wahrzeichen“ nunmehr vor Augen geführt würden; die Stadt sei ihm zu Dank verpflichtet: „Hätten Sie nicht in Stuttgart und Brüssel insistiert, wäre es nie zum Zusammenführen von Kräften und Ressourcen gekommen, das dieses Wahrzeichen schließlich gerettet hat.“ Seien bei Jubiläen oder anderen Feste Sonderwünsche an ihn herangetragen worden, habe er den „Interessensausgleich“ ermöglicht. Auch seine Arbeit im Münsterbauverein und im Salvator-​Freundeskreis wurde – zum Teil augenzwinkernd, wie Hermann Hänle selbst so oft auftritt, – gewürdigt. Der junge Architekt Thomas Jüttner vom Bischöflichen Bauamt in Rottenburg meinte mit Blick auf den eigenen Lebenslauf, Hänle habe eine ganze Generation ins Gmünder Wahrzeichen investiert. Wissen um die Vergangenheit sei wichtig, um sich nicht immer wieder selbst erfinden zu müssen. Durch Weisheit werde, so heißt es im Buch der Sprüche, ein Haus gebaut, mit Verstand erhalten. Beides wurde Hänle bescheinigt.
Prof. Dr. Hubert Herkommer hatte freundschaftliches Necken, aber auch sehr getragene Überlegungen mitgebracht. Etwa zu mittelalterlichen Darstellungen des Schöpfergotts als Baumeister der Welt, aus denen Architekten die Würde ihres Amtes und die Ordnungsstruktur selbst herleiteten – Bauwerke, die die Welt versinnbildlichen. Hänle sei ein weiser Architekt, der mit bewundernswertem Wissens– und Erfahrungsschatz unter teils dramatischen Umständen gegen den Zahn der Zeit gekämpft habe – sein Platz in der Geschichte der Stadt sei ihm sicher.
Der neue Münsterarchitekt Paul Philipp Waldenmaier erinnerte sich an seine Anfänge als Lehrling 1986 in der Gmünder Münsterbauhütte. Daran, wie er, nicht zuletzt von Hänle, gelernt und schließlich selbst Verantwortung übernommen habe: „Der Kreis schließt sich.“ Er wünschte sich – „unter anderen Vorzeichen“ – auch weiterhin Zusammenarbeit. Münsterpfarrer Kloker erinnerte sich an die Warnung des Bischofs, er werde „baulich eine kleine Diözese übernehmen“. Noch einmal würdigte er in diesem Zusammenhang Hänles immense Leistungen. Es sei wohl schön, so Kloker, dafür so viel Anerkennung und Wertschätzung zu erfahren.

Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 1083 Tagen veröffentlicht.


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